506 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1941.
gelangte zunächst H. U. Sverdrup (1932, 1934) zu seiner neuen Auffassung:
Auch hier tritt in den Tropen eine fast homogrene Deckschicht auf, die durch
eine Sprungschicht von dem schwereren Wasser der Tiefe geschieden wird; die
Sprungschicht zeigt zwei Rücken mit einer Mulde dazwischen, nach Art der
Abb. 1. Aus der im Meere bei stationären Bewegungen herrschenden Isostasie
ergibt sich alsdann, daß die Meeresoberfläche diese Unebenheiten in umgekehrtem
Sinne und sehr stark abgeschwächt (in der Abb. 1 viele Male übertrieben!)
wiederholt, also eine Mulde am Äquator und eine zweite auf der Nordhalbkugel,
dazwischen aber einen Rücken aufweist, Die gleiche Erscheinung hat Defant
(1935, 1936) an der Hand umfangreicher Beobachtungen im Atlantischen Ozean
untersucht und aus ihr und der schon angeführten Verteilung des Salzgehalts
das in Abb. 1 wiedergegebene Schema der Strömungen und der Zirkulation
entwickelt; hierüber wurde in dieser Zeitschrift (1937, S, 174 bis 184, 6 Tafeln)
ausführlich berichtet, und es genügt daher, hier auf die Hauptpunkte hinzuweisen,
Infolge der ablenkenden Kraft der Erdumdrehung bewegt sich die Gesamt-
strommenge des vom Südostpassate getriebenen Wassers auf der Südhalbkugel
rechtwinklig zum Winde nach links, nach dem Überschreiten des Äquators aber
nach rechts (Y. W, Ekman, diese Zeitschrift 1906, S, 423 ff.). Die subtropischen
Konvergenzen und der Gürtel der Kalmen wirken nun wie eine feste Wand,
die das Wasser am Abfließen hindert, so daß es sich gegen sie anstaut. Längs
des Äquators muß deshalb auf dem Südäquatorialstrome eine Furche entstehen
(Abb. 1); ihr nördlicher Hang ist ein quer durch den Ozean laufender Rücken,
der wiederum noch weiter nördlich zu einer zweiten Mulde abfällt, um jenseits
derselben im Bereiche des Nordäquatorialstroms wieder anzusteigen. Der dem
Gegenstrom entsprechende Druckgradient entsteht durch den zwischen 5°* und
10° N-Br., in die Kalmenzoöne fallenden Abhang des genannten Rückens, dessen
Wirkung der isostatisch bedingte Anstieg der darunterliegenden Sprungschicht
wesentlich verstärkt.
Aber damit ist die Frage nach dem Ursprunge des äquatorialen Gegen-
stroms noch nicht vollständig beantwortet, So äußert Sverdrup in einer
späteren Arbeit (1938), daß eine eigentliche Erklärung des Gegenstroms nicht
möglich sei, „da wir keine genügende Kenntnis der Dynamik des Meeres haben,
sowie der Faktoren, welche die Verteilung der Dichte kontrollieren“. In der
Tat lassen sich die beiden feststehenden dynamischen Forderungen: äqua-
toriale Mulde im Süd- und
Anstieg im Nordäquatorialstrom
auch erfüllt denken, wenn
z. B. im Kalmengürtel kein Strom
flösse und der Meeresspiegel
infolgedessen waagrecht wäre
(Abb. 4, a); ja, wenn man an-
nehmen würde, daß das Wasser
des Kalmengürtels infolge seit-
licher Reibung sich etwa in lang-
samer Westbewegung befände,
80 könnte in diesem Gebiete 8o0-
gar ein leichter Anstieg denkbar
sein (Abb. 4, Fall b). Daß in
Wirklichkeit ein Abfall vorliegt,
stimmt also zwar gut zur Ver-
teilung der Strömungen, ist aber
keineswegs in dem Sinne eine dy-
namische Notwendigkeit, daß damit alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen
wären, was auch Sverdrup und Defant keineswegs behauptet haben.
5. Die Erklärung des Gegenstroms nach KR. B. Montgomery und KE. Palmen.
Erwägungen der genannten Art haben Montgomery und Palmen (1940) be-
stimmt, zu der Erklärung des Gegenstroms als Kompensationsstrom zurückzu-
kehren, einer Erklärung übrigens, die zu der obigen nicht im Widerspruche
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