Thorade, H.: Der äquatoriale Gegenstrom im Atlantischen Ozean und seine Entstehung. 205
Die cı = 26-Fläche (Abb. 3) senkt sich von der Meeresoberfläche im Gebiete
der Kanarischen Inseln auf 200 m und mehr vor den Bahamas; die Tiefenlinien
verlaufen, ähnlich wie bei der 27-Fläche, ost-westlich und ergeben einen von
der Sierra Leone-Küste nach Guyana verlaufenden Rücken, der nur wenig unter-
halb der Sprungschicht der Abb. 1 liegt. Sowohl der Nord- wie der Süd-
äquatorialstrom sind auf ihrer dem Äquator abgekehrten „äußeren“ Seite salz-
reich, auf der „inneren“ salzarm, Was aber an. der Karte von Montgomery
am meisten auffällt, ist die weite Erstreckung des Gegenstroms nach Westen,
wo er seinen Ursprung bei den Antillen nimmt. Er erscheint bei Montgomery
als ein 100 bis 150 sm breiter salzreicher Streifen (der vielerwähnte „Fluß im
Meere“), der sich zwischen die salzärmeren Flanken der beiden Äquatorialströme
einschaltet. Dadurch ist Montgomery gezwungen, ein Umbiegen des salzreichen
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Abb. 3. Die Fläche 0, = 26 nach Montgomery.
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Flügels des Nordäquatorialstroms (Abb, 3) anzunehmen, wodurch wiederum
dessen südlicher Flügel vom Karibischen Meere abgeschnitten würde; vielleicht
aber finde die Salzzufuhr zum Gegenstrom sogar innerhalb des Antillenbogens
statt, vielleicht auch gelange salzärmeres Wasser schubweise in die Karibische See.
Man wird als eine weitere Möglichkeit hinzufügen dürfen — und Montgomery
selbst scheint dies nicht ganz von der Hand zu weisen —, daß in diesem Ge-
biete mit seinen unruhigeren Bodenformen immerhin auch senkrechte Austausch-
bewegungen in Frage kommen könnten. Endlich ist darauf aufmerksam zu
machen, daß, nach dem Salzgehalte zu schließen, die salzarme Flanke des Nord-
äquatorialstroms aus afrikanischem Küstenwasser gespeist wird, und daß also
der Gegenstrom, wenigstens in 50 bis 100 m Tiefe, hier nicht unmittelbar bis
an die Küste heranreicht, sondern diese erst weiter südlich‘ trifft; der Ober-
flächenstrom würde freilich nach Schumacher nur in den Monaten Oktober
bis Dezember hierzu stimmen.
B. Die Ursachen des Gegenstroms.
4. Die Auffassung von Sverdrup und Defant. Aus dem Vorhergehenden ist
zu ersehen, daß es sich beim Gegenstrom um eine keineswegs unsichere, sondern
recht beständige und wohlausgeprägte Erscheinung handelt, die eine ebensolche
Ursache zu ihrer Erklärung erfordert. Es ist bekannt, daß man zunächst,
gestützt auf einen nicht besonders beweiskräftigen Laboratoriumsversuch
(Krümmel 1911, S. 475), im Gegenstrom eine Ausgleichströmung erblickte, die
das von den Aquatorialströmen nach Westen geförderte Wasser wieder zurück-
führte. Es ist ferner bekannt, daß H. U. Sverdrup und A, Defant ‚diese
Auffassung abgelehnt haben und den Gegenstrom als einen Gradientstrom an-
sehen, der durch die in Abb. 1 zum Ausdruck kommenden Druckkräfte hervor-
gerufen wird, Auf Grund der „Carnegie“-Beobachtungen im Stillen Ozean