Ann. d. Hydr, usw., LXIX. Jahrg. (1941), Heft VII
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Der äquatoriale Gegenstrom im Atlantischen Ozean und seine Entstehung.
(Nach neueren Arbeiten.)
Von H. Thorade,
A, Das Erscheinungsbild des Gegenstroms.
1. Der Gegenstrom bei A. Defant und A, Schumacher. Es empfiehlt sich, die
Betrachtungen über den äquatorialen Gegenstrom auf den Atlantischen Ozean
zu beschränken, in dem die meisten Beobachtungen vorhanden sind; denn im
Stillen Ozean liegen die Verhältnisse ganz ähnlich, im Indischen Ozean aber
bewirkt der Monsun Abweichungen, die eine gesonderte Darstellung auf Grund
eines gegenüber dem jetzigen wesentlich vermehrten Grundstocks von Beob-
achtungen verlangen würden.
Auf die Erscheinung des Gegenstroms an der Meeresoberfläche ging an
dieser Stelle A. Schumacher (1940) kürzlich auf Grund der Besteckversetzungen
deutscher Schiffe ein, so daß es genügt, hier auf einige Punkte kurz hinzu-
weisen: Der Gegenstrom beginnt weit ausholend schon zwischen 46° und 53°
westlicher Länge zwischen den Längenkreisen von Cayenne und der Amazonas-
mündung, zerfällt jedoch auf der Atlantischen Mittelschwelle in einen westlichen
und einen östlichen Gegenstrom, ist also auch dort vorhanden, wo ihn der
afrikanische Monsun nicht unterstützt. In den Monaten Juli bis Oktober wachsen
beide Teile zu einem Ganzen zusammen, während im April der westliche Teil
fehlt. Oft kommt es vor, daß Versetzungen nach Osten in den westwärts
laufenden Äquatorialstrom „eingebettet“ sind, was Schumacher als Durchbruch
eines in der Tiefe vorhandenen Gegenstroms zur Oberfläche erklärt, und zahl-
reich sind Berichte über Stromkabbelungen (Schumacher 1935). Die Strom-
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Abb, 1. Schematischer Schnitt durch den tropischen Atlantischen Ozean;
Sprungschicht als Trennungslinie dargestellt, nach A. Defant,.
Die Buchstaben bedeuten die Richtung der Strömungen nach Westen und Osten,
die Pfeile die innere Zirkulation. Die röschungen der Sprungschicht sind vielfach
übertrieben, diejenigen der Oberfläche noch mehr. .
geschwindigkeit liegt im allgemeinen zwischen 15 und 30 sm im Etmal (82 bis
61 cm/sec); an der Guineaküste hat man bis zu 89 sm im Etmal gefunden, aber
auch im entlegenen westlichen Teile sind 71 sm im Etmal vorgekommen.
Was die Mächtigkeit der äquatorialen Ströme angeht, so hat A. Defant
in seiner Bearbeitung der Troposphäre des Atlantischen Ozeans (1936), über die
der Verf, an dieser Stelle. berichtete (1937), eine Sprungschicht der Dichte fest-
gestellt, die sich in Gestalt zweier Rücken mit einer dazwischenliegenden Mulde
unter den äquatorialen Strömungen quer durch den Ozean zieht (Abb. 1) und
eine mehr oder minder mächtige, ziemlich homogene leichte Oberschicht von
Ann. d. Hydr. usw. 1941, Heft VII