‘32
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1941.
3. Tromben aus Rauchwolken. (Hierzu Tafel 18.) Der im Januar-Heft
dieser Zeitschr. (S. 28 bis 30) erschienene interessante Bericht von H. Markgraf
über die Bildung von Wasserhosen aus einer Rauchfahne veranlaßt mich, darauf
hinzuweisen, daß ein ähnlicher Fall von Trombenbildung bereits früher beob-
achtet und beschrieben worden ist. Da dieser Fall m. W. keinen Eingang in
die Tromben-Literatur gefunden hat, anderseits aber das wiederholte Vor-
kommen von Rauchtromben für die Beurteilung des Windhosen-Phänomens. als
solchen nicht unwichtig ist, möge er hier kurz geschildert werden. Ich stütze
mich dabei auf den Originalbericht von J. E. Hissong!), vom U. S. Weather
Bureau Office, San Luis Obispo, Calif., dessen fünf Lichtbildern die hier wieder-
gegebenen drei Aufnahmen entnommen sind.
Der Schauplatz des Ereignisses ist San Luis Obispo in Kalifornien (etwa
851/,° N-Br., 120%,° W-Lg.). Die „tank farm“, deren Brand die Tromben auslöste,
liegt auf der breiten, ebenen Sohle des San Luis-Tales. Im Osten und Nord-
osten steigt, wenige Kilometer entfernt, das Gelände ziemlich scharf an zu der
Santa Lucia-Kette, die etwa 800 m über das Tal aufragt. An dieses selbst schließt
sich im Nordwesten als breite, ebene Fläche das Los Osos-Tal, doch liegen nahe
der Tankanlage im Nordwesten noch Hügelrücken von etwa 150 m Höhe, weiter
im Westen und Südwesten die höheren Küstenberge, die das San Luis-Tal vom
Nordpazifischen Ozean trennen, Die Tankanlage der Union Oil Co, um die es
sich handelt, ist ungefähr 4 km südlich des Stadtzentrums von San Luis Obispo
elegen.,
$ Ser Ölbrand entstand durch Blitzschlag in der Frühe des 7, April 1926,
dauerte fünf Tage und vernichtete rund 10 Millionen Hektoliter Öl. Das an
eine deutliche Kaltfront (bzw. Okklusionsfront) — mit Winddrehung von Südost
auf Südwest, heftiger Regenbö, Temperaturfall um etwa 7°C und Drucknase
von 2'/, mm — geknüpfte Gewitter war an sich nur leicht, doch gab es um
7% Uhr, etwa 15 Minuten nach dem Windsprung auf Südwest, einen sehr inten-
siven Blitz mit krachendem Donner. Dieser traf und entzündete das Öl bzw.
den Öldampf von drei. vollen, je über 1 Million Hektoliter fassenden Behältern,
und es erfolgte eine gewaltige Explosion, die zahlreiche Fensterscheiben in der
Stadt zerspringen ließ, Nach Aussage eines Angestellten der Öl-Gesellschaft
waren es zwei „balls of lightning“ (Kugelblitze? D. Übers), die die Reservoire
Nr. 5 und Nr. 7 trafen. Bereits 15 Minuten später explodierte ein vierter Öl-
behälter und geriet in Brand.
Das Gewitter dauerte abgeschwächt bis 8” Uhr, mäßiger Regen bis etwa
10% Uhr. Das Tief, dem die Kaltfront zugehörte, lag am Morgen des 7. April
etwa 1000 km westlich San Francisco. Nach dem Durchgang der Front blieb
der Wind in San Luis Obispo an diesem‘ Tage noch südlich; er drehte erst
kurz nach Mitternacht vom 7. auf den 8. April 1926, mit dem weiteren Ostwärts-
wandern des Tiefs und seiner südlichen Troglinie, über West nach Nordwest.
Vom 7, selbst wird kein Auftreten von Tromben berichtet; diese traten
erst nach der Winddrehung auf Nordwest in Erscheinung, Leider läßt dies
aber keinen strengen Schluß auf die Abhängigkeit der Trombenbildung von der
Winddrehung (oder Windschichtung) zu, denn gerade um die Zeit der Drehung
ereignete sich noch etwas anderes,
Um diese Zeit nämlich kam es zu dem ersten „boil over“; mindestens
drei, vielleicht vier Ölbehälter von mehr als 1 Million Hektoliter Fassungs-
vermögen siedeten gleichzeitig über, Sie warfen eine ungeheure Menge heißen,
brennenden Öles heraus, das sich mit ziemlich großer Geschwindigkeit über eine
Fläche ausbreitete, die nach Angabe der Ingenieure der Kompanie ungefähr
365 Hektar umfaßte (einem Geviert von fast 2 km Seitenlänge entsprechend!).
Jetzt war also buchstäblich ein Feuermeer entstanden, und seine Flammen
züngelten dem Anscheine nach etwa 300 m hoch empor. Gileichzeitig be-
gannen sich, wie es in dem Berichte heißt, heftige Wirbelwinde über dem
Feuer zu bilden.
4) J. E. Hissong, Whirlwinds at oil-tank fire, San Luis Obispo, Calif. Monthl. Weath. Rev,
Bd. 54 (1926), S. 161 bis 163,