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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 69 (1941)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1941. 
3. Tromben aus Rauchwolken. (Hierzu Tafel 18.) Der im Januar-Heft 
dieser Zeitschr. (S. 28 bis 30) erschienene interessante Bericht von H. Markgraf 
über die Bildung von Wasserhosen aus einer Rauchfahne veranlaßt mich, darauf 
hinzuweisen, daß ein ähnlicher Fall von Trombenbildung bereits früher beob- 
achtet und beschrieben worden ist. Da dieser Fall m. W. keinen Eingang in 
die Tromben-Literatur gefunden hat, anderseits aber das wiederholte Vor- 
kommen von Rauchtromben für die Beurteilung des Windhosen-Phänomens. als 
solchen nicht unwichtig ist, möge er hier kurz geschildert werden. Ich stütze 
mich dabei auf den Originalbericht von J. E. Hissong!), vom U. S. Weather 
Bureau Office, San Luis Obispo, Calif., dessen fünf Lichtbildern die hier wieder- 
gegebenen drei Aufnahmen entnommen sind. 
Der Schauplatz des Ereignisses ist San Luis Obispo in Kalifornien (etwa 
851/,° N-Br., 120%,° W-Lg.). Die „tank farm“, deren Brand die Tromben auslöste, 
liegt auf der breiten, ebenen Sohle des San Luis-Tales. Im Osten und Nord- 
osten steigt, wenige Kilometer entfernt, das Gelände ziemlich scharf an zu der 
Santa Lucia-Kette, die etwa 800 m über das Tal aufragt. An dieses selbst schließt 
sich im Nordwesten als breite, ebene Fläche das Los Osos-Tal, doch liegen nahe 
der Tankanlage im Nordwesten noch Hügelrücken von etwa 150 m Höhe, weiter 
im Westen und Südwesten die höheren Küstenberge, die das San Luis-Tal vom 
Nordpazifischen Ozean trennen, Die Tankanlage der Union Oil Co, um die es 
sich handelt, ist ungefähr 4 km südlich des Stadtzentrums von San Luis Obispo 
elegen., 
$ Ser Ölbrand entstand durch Blitzschlag in der Frühe des 7, April 1926, 
dauerte fünf Tage und vernichtete rund 10 Millionen Hektoliter Öl. Das an 
eine deutliche Kaltfront (bzw. Okklusionsfront) — mit Winddrehung von Südost 
auf Südwest, heftiger Regenbö, Temperaturfall um etwa 7°C und Drucknase 
von 2'/, mm — geknüpfte Gewitter war an sich nur leicht, doch gab es um 
7% Uhr, etwa 15 Minuten nach dem Windsprung auf Südwest, einen sehr inten- 
siven Blitz mit krachendem Donner. Dieser traf und entzündete das Öl bzw. 
den Öldampf von drei. vollen, je über 1 Million Hektoliter fassenden Behältern, 
und es erfolgte eine gewaltige Explosion, die zahlreiche Fensterscheiben in der 
Stadt zerspringen ließ, Nach Aussage eines Angestellten der Öl-Gesellschaft 
waren es zwei „balls of lightning“ (Kugelblitze? D. Übers), die die Reservoire 
Nr. 5 und Nr. 7 trafen. Bereits 15 Minuten später explodierte ein vierter Öl- 
behälter und geriet in Brand. 
Das Gewitter dauerte abgeschwächt bis 8” Uhr, mäßiger Regen bis etwa 
10% Uhr. Das Tief, dem die Kaltfront zugehörte, lag am Morgen des 7. April 
etwa 1000 km westlich San Francisco. Nach dem Durchgang der Front blieb 
der Wind in San Luis Obispo an diesem‘ Tage noch südlich; er drehte erst 
kurz nach Mitternacht vom 7. auf den 8. April 1926, mit dem weiteren Ostwärts- 
wandern des Tiefs und seiner südlichen Troglinie, über West nach Nordwest. 
Vom 7, selbst wird kein Auftreten von Tromben berichtet; diese traten 
erst nach der Winddrehung auf Nordwest in Erscheinung, Leider läßt dies 
aber keinen strengen Schluß auf die Abhängigkeit der Trombenbildung von der 
Winddrehung (oder Windschichtung) zu, denn gerade um die Zeit der Drehung 
ereignete sich noch etwas anderes, 
Um diese Zeit nämlich kam es zu dem ersten „boil over“; mindestens 
drei, vielleicht vier Ölbehälter von mehr als 1 Million Hektoliter Fassungs- 
vermögen siedeten gleichzeitig über, Sie warfen eine ungeheure Menge heißen, 
brennenden Öles heraus, das sich mit ziemlich großer Geschwindigkeit über eine 
Fläche ausbreitete, die nach Angabe der Ingenieure der Kompanie ungefähr 
365 Hektar umfaßte (einem Geviert von fast 2 km Seitenlänge entsprechend!). 
Jetzt war also buchstäblich ein Feuermeer entstanden, und seine Flammen 
züngelten dem Anscheine nach etwa 300 m hoch empor. Gileichzeitig be- 
gannen sich, wie es in dem Berichte heißt, heftige Wirbelwinde über dem 
Feuer zu bilden. 
4) J. E. Hissong, Whirlwinds at oil-tank fire, San Luis Obispo, Calif. Monthl. Weath. Rev, 
Bd. 54 (1926), S. 161 bis 163,
	        
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