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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 69 (1941)

Dammann, W.: Die Kontinentalität Europas. 
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Man kann annehmen, daß das Ostseegebiet im Winter einerseits den von 
Westen kommenden maritimen Luftmassen länger als das Binnenland eine Be- 
wahrung ihrer Luftkörpereigenschaften ermöglicht, andererseits auch von Nord- 
osten oder Osten kommende kontinentale Massen wenigstens in ihren unteren 
Schichten schon maritim beeinflußt. Im Hinblick auf das Klima und damit auf 
die größere oder geringere Kontinentalität der Küstenzone ist diese geringfügige 
Beeinflussung aber bereits von wesentlicher Bedeutung, ohne daß sich vielleicht 
der Gesamtcharakter des Luftkörpers damit schon geändert hat. 
Dieser Umwandlungsprozeß der Luftmassen kann mit allen seinen Feinheiten 
in der Formel von Dinies nicht mit der erforderlichen Genauigkeit berücksichtigt 
werden. Infolgedessen ergibt die Darstellung von B. nur einen gewissen Aus- 
druck für die Häufigkeit und die Weite des Vordringens maritimer Luftkörper 
nach Osten. Die vielfältigen Beeinflussungen dagegen, denen diese Luftkörper 
auf ihrem Wege in Abhängigkeit von den geographischen Bedingungen an ihren 
Unterseiten unterliegen, kommen bei B, nicht genug zum Ausdruck, Aber gerade 
diese Feinheiten gestalten das Klima und sind infolgedessen auch für die klima- 
tische Kontinentalität oder Ozeanität eines Ortes mit entscheidend. 
Man muß hieraus wieder den Schluß ziehen, daß der Luftkörperbegriff für 
eine genauere regionale Klimauntersuchung nur mit größten Schwierigkeiten 
anzuwenden ist und zur Untersuchung der Kontinentalität nach der jetzigen 
Formulierung von Dinies noch nicht geeignet ist. 
Als einen Vorteil seiner Methode hat B. es bezeichnet, daß sie es ermöglicht, 
den jährlichen Gang der Kontinentalität zu verfolgen. Es zeigte sich dabei, 
daß „naturgemäß das Klima im Winter kontinentaler ist als im Sommer“. Die 
Gültigkeit dieses Satzes kann wohl nicht ohne weiteres anerkannt werden. 
E. Alt (s) z. B. kommt in bezug auf Deutschland zu dem Schluß, „daß im 
Winter die ozeanischen Einflüsse in Deutschland weitaus vorherrschend sind, 
daß dagegen im Sommer die kontinentalen Einwirkungen sich viel kräftiger 
auswirken“. Auf dieser jahreszeitlichen Verschiedenheit beruht ja gerade die 
außerordentliche Gunst des mittel- und westeuropäischen Klimas (im Gegensatz 
etwa zu den Oststaaten von Nordamerika). 
Die Ursache dafür ist in der stärkeren Ausbildung. des isländischen Aktions- 
zentrums im Winter’zu erblicken, auf dessen Süd- und Südostseite die ozeanischen 
Luftmassen in stärkerem Maße auf das Festland geführt werden als es bei der 
veränderten Drucklage und den geringeren Druckgradienten im Sommer der 
Fall ist. Hinzukommt, daß im Winter die Meeresluftmassen im allgemeinen eine 
stärkere Bewölkung haben als im Sommer, weil im Sommer das Meer gegen- 
über dem Festland kalt ist. Infolgedessen können die den geographischen 
Bedingungen entsprechenden Strahlungseinflüsse und damit kontinentale Ein- 
flüsse im Sommer ungehinderter zur Geltung kommen als im Winter. 
Diese Verhältnisse werden in den bekannten Karten der mittleren Druck-, 
Wind- und Temperaturverteilung über Europa im Januar und Juli näher be- 
leuchtet und finden einen besonders guten Ausdruck etwa in den Isanomalen 
der Temperatur (nach mittleren Temperaturen der Breitekreise) (e), in denen 
sich zeigt, wie stark sich gerade im Winter der Einfluß des Meeres speziell auf 
die Temperaturverhältnisse Europas geltend macht. Man muß es wohl wahr- 
scheinlich ebenfalls als eine Folge der mangelnden Exaktheit des Luftkörper- 
begriffes in thermischer Hinsicht ansehen, wenn die Untersuchung von B. zu 
einem anderen Ergebnis gelangt ist, 
Abschließend möchte sich Verf, einer Feststellung anschließen, die unlängst 
von geographischer Seite, von H. Lautensach, aus anderen Erwägungen heraus 
getroffen wurde (7): „Gewiß war der Gedanke von Dinies, die Kontinentalität 
auf den synthetischen Charakter der Luftkörper und nicht auf die Jahres- 
schwankung eines einzelnen Elementes zu gründen, sehr verlockend. Aber seine 
Verwendungsfähigkeit ist eben eine sehr beschränkte, Bei einem weltweiten Ver- 
gleich ist meines Erachtens die Jahresschwankung der Temperatur, nach der Formel 
von Gorczynski-Maisel des Einflusses der geographischen Breite und der Höhen- 
lage entkleidet, immer noch der beste Gradmesser für die Kontinentalität.“
	        
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