Jensen, Che: Strahlungsmessungen In Lindenberg.
im Sommer 1918 am Aeronautischen Observatorium Lindenberg verschiedene
Strahlungsmessungen durchgeführt. Es handelte sich einmal um Bestimmungen
der Sonnenstrahlungsintensität, der Polarisationsgröße im Zenit sowie der Höhe
der nach den Entdeckern als Aragoscher und Babinetscher Punkt bezeichneten
neutralen Punkte des Himmels, zum andern um Solche der Albedo des Luft-
planktons nach der L. Weberschen Methode sowie der Beleuchtung der horizon-
talen Fläche durch Sonnen- bzw. Himmelslicht auf photometrischem bzw. licht-
elektrischem Wege, Hier soll im wesentlichen nur über erstgenannte drei Messungen
berichtet werden; auf Ersuchen von Herrn Dr. Fr. Ahlgrimm wird auch kurz
anf die von mir gewonnenen Ergebnisse seiner Lindenberger Bestimmungen der
Höhe der n. P.!) eingegangen werden. — Über der ganzen Angelegenheit hat ein
Unstern gestanden, wobei ich zunächst an die besonders ungünstige Witterung
des Sommers bzw. Herbstes 1918 und an das traurige Ende des Weltkrieges
denke, Dasselbe gilt für die Veröffentlichung der Ergebnisse, deren Verschleppung
großenteils im Zusammenhang stand mit Hemmungen schwerster Art, die mir
anf längere Zeit hinaus jede Arbeitslust und Kraft nahmen. So komme ich erst
nachträglich zu kurzer Veröffentlichung.
Die meisten Messungen wurden wegen der Ungunst der späteren Witterung
im Mai durchgeführt. ‚Zunächst wird der Reihe nach auf die Messungen der
Sonnenstrahlung, diejenigen der P-Größe?) und die der n. P. eingegangen.
Die Bestimmung der Sonnenstrahlungsintensität wurde wesentlich mit dem
Michelsonschen bimetallischen Aktinometer ausgeführt, zum Teil auch mit dem
Ängströmschen Kompensations-Pyrheliometer, Es zeigtesich, daß es am richtigsten
war, einen mittleren Eichfaktor für die Reduktion der aktinometrisch gewonnenen
Werte zu benutzen, Den so reduzierten Werten bzw, den Pyrheliometermessungen
wurden 3!/,% zugefügt. Es wurden im allgemeinen sehr viele Einzelmessungen
— von mir bzw, meinem Assistenten — gewonnen, So daß in der Regel eine ganz
leichte Ausgleichung für die Gewinnung der Vormittags- bzw. Nuchmittagsreihen
genügte. Für jede Einzelmessung wurden fünf Einstellungen gemacht. Beim
Vergleich mit anderen Ergebnissen ist zu bedenken, daß die Reduktion auf mitt-
lere CO-Entfernung nicht angebracht ist. Auch für die Rot-Ultrarot-Strahlung
wurden etliche Reihen gewonnen; von deren Veröffentlichung sehe ich ab, da
mir die Notizen über die Dicke des Rotfilters abhanden gekommen sind und. sich
nichts mit genügender Sicherheit rekonstruieren ließ, Tab. 1 zeigt die einzelnen
Maireiben der Gesamtstrahlung, Dreizehn derselben (vom 7.5,p, 8.p, 15.a, 16.2 u. p,
17.82. p, 18,au.p, 21.p, 22.aup und 25.p) wurden zu einer durch. eine kaum
nennenswerte Ausgleichung entstandenen Kurve I vereinigt (siehe die entsprechende
Tab, 2). Um ein Urteil über den atmosphärischen Reinheitsgrad des Sommers
und in erster Linie vom Mai 1918 zu gewinnen, sollen die Werte mit. anderen
Messungen verglichen werden. Zunächst gebe ich Tab, 3, die folgendermaßen ent-
stand: Ich entnahm den met. Beobachtungstabellen in Potsdam für die zweite
Hälfte 1912, für 1913, 1914 und 1915 (in den Veröffentlichungen des König].
Preuß. Met. Inst.) die dort von Prof, W, Marten angegebenen Einzelwerte ‚der
Strahlungsintensität. Herr Baurat Dr. von den Steinen vom Schiffbaulabora;-
torium der Hamburgischen Technischen Staatslehranstalten hatte die Güte; die
Kurven zu straaken. Wenn auch die Streuung der Einzelwerte vielfach, vor allem
1912 und 1913, nicht gering war, kann man sie doch wohl als erste Anhaltspunkte
zur Beurteilung des atmosphärisch-optischen Reinheitsgrades in Lindenberg .im
Mai 1918 benutzen. Zu bemerken wäre dabei, daß nach Maurer und Dörno®)
die große atmosphärische Trübung jedenfalls bis Anfang 1914 in Potsdam etwas
größer war als in Warschau und Davos, Vergleicht man die Durchschnittswerte
der 13 Maireihen mit Tab, 3, so sieht man, daß sie jedenfalls etwas kleiner. sind
als die für 1914 angegebenen Potsdamer Durehschnittswerte, Es dürfte sich auch
1) In der Folge werden öfter die neutralen Punkte zur Abkürzung durch n, P, bezeichnet bzw. es wird
der Aragosche neutrale Punkt durch A. P. (bzw. Ar. P.) und der Babinetsche Punkt durch Ba. P. (ent:
sprechend in Zusammensetzungen) wiedergegeben, — % Ebenso wird in der Folge die Polarisationsgröße
öfter durch P. G. ersetzt werden (entsprechend in Zusammensetzungen), — *) J, Maurer und C, Detrno,
Met; Ztschr. 31, 55, 1914.