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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1941.
Die Beobachtungen zu Nr. 23 fanden auf einem geschützten Revier bei
schwacher achterlicher Dünung statt, deren Periode nicht feststellbar war.
Nr. 24 und 25 egind Messungen vor Anker und wurden durch den Ladebetrieb
angestoßen. Es wurden einzelne Schwingungen abgestoppt, die im Anschluß an
einen stärkeren Stoß auftraten, Die Übereinstimmung mit der Eigenperiode ist
gut, Die Messungen erfolgten gegen Ende der Beladung und Nr. 25 nach Nieder-
legen der Bäume für den Zustand, in dem das Schiff über See ging.
Nr. 26 sind die den vorhergehenden entsprechenden Messungen auf See. Die
Rollvorgänge fanden ganz vereinzelt statt, trotz des starken, schräg von vorn
kommenden Seeganges, die Stampfbewegungen erfolgten ständig und zeigten
große Konstanz,
Unter Nr. 27 finden sich reine Seegangsmessungen, wobei nach je 15 Minuten
der Kurs geändert wurde, Die Messungen zeigen eine gute Übereinstimmung der
gemessenen und berechneten Begegnungsperioden, Für die beiden ersten Kurse
zeigte sich Stampfen ohne Rollen, für den dritten Kurs trat vereinzelt Rollen
auf, und für den letzten Kurs entwickelten sich Rollbewegungen mit erheblichen
Amplituden, während das Stampfen fast aufhörte,
Zur besseren Übersicht stelle ich die Perioden, geordnet nach zunehmenden
Eigenperioden, zusammen,
Nr. |
Für eine ganze Reihe von Rollperioden
kann als Erregung die Begegnungsperiode
oder ein ganzzahliges Vielfach derselben an-
genommen werden. Sie liegt dann stets in
der Nähe der Eigenperiode und ist kleiner
bzw. größer als diese, dem Wert dieses Viel-
fachen entsprechend. Andererseits muß an-
genommen werden, daß auch die Eigenperiode
eine gewisse Schwankung hat, herrührend
von freien Oberflächen.‘ Das geht besonders
aus Nr. 23 hervor, wo eine periodische Er-
regung fehlt, andererseits die Periodenmessung
mit großer Genauigkeit erfolgte.
Aus der Zusammenstellung ist ersichtlich,
daß bei kleinen und mittleren Windstärken
auf See die Messung der Rollperiode zwecks
Ermittlung der Eigenperiode zur Beurteilung
der Stabilität möglich ist,
_ |} Die folgenden Seegangsaufnahmen sollen
Einzelheiten der Periodenmessung erläutern
und einen Einblick in die Erregungsmöglichkeiten der Schiffsschwingungen
vermitteln. Alle Aufnahmen wurden kürz hintereinander gemacht, so daß
der Seegang keine erheblichen Veränderungen erfuhr. Ort der Beobachtung
war das Seegebiet nordöstlich Rügen. Die Windrichtung war südwestlich bis
westlich, so daß der Seeraum der westlichen Ostsee für die Ausbildung zur Ver-
fügung stand, Die Beobachtungszeit war 14b bis 17b. Der Wind hatte den ganzen
und den vorhergehenden Tag westliche Richtungen mit abnehmender Stärke ge-
habt und betrug zur Zeit der meisten Aufnahmen etwa 2 Beaufort. Während der
Beobachtungszeit passierte eine gut ausgebildete Kaltfiront von mäßiger Stärke,
Die mittlere Seegangsperiode der großen regelmäßigen Wellen betrug 3.6% die
der Begegnung 1,8%, Als Tagebucheintragung über die Schiffsbewegungen findet
sich: „Das Schiff liegt im ganzen gesehen sehr ruhig. Stampfen ist nicht wahr-
nehmbar, erst im Fernrohr sieht man kleine, schnelle Nickbewegungen, die mit
2' bis 5’ Amplitude mit der Begegnungsperiode erfolgen, d. h, deutlich erzwungen
sind, Das Rollen erfolgt unregelmäßig und wird scheinbar durch Windanstoß
erzeugt. Die Perioden sind in Übereinstimmung mit der Eigenperiode (13* bis 142).
Die Amplituden sind sehr verschieden, erreichen Maximalwerte von 0,6°,“
Dann sind drei Windkrängungskurven beigelegt, die für sehr geringe Wind-
stärken gelten. Die ersten beiden wurden für eine Drehkreiszeit von etwa 800°,
die letzte bei voller Fahrt mit 140% für 360° erhalten.
Hafen