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Full text: 69, 1941

Hebecker, O.: Schiffsschwingungen unter Seegangs- und Windeinfluß, 
3. Allgemeines Bewegungsbild des Schiffes. 
Im Hinblick auf das gesteckte Ziel, den Zusammenhang zwischen Rollperioden 
and der Stabilität zu ermitteln, werden vorzugsweise Rollvorgänge beobachtet, 
Jedoch machte es die Aufdeckung des Zusammenhanges zwischen Schiffsschwin- 
zung und Begegnung wünschenswert, gelegentlich auch Stampfvorgänge zu 
messen. Die Messung der Gier- und Tauchbewegungen mußte unterbleiben, da 
Beobachter und geeignete Apparate fehlten. 
Die Art der Beobachtung mit Sextant fest zum Schiff, bringt es mit sich, 
daß die Frage des Beobachtungsortes von Bedeutung ist. Da vielfach Roll- und 
Stampfvorgänge gleichzeitig auftreten, so erfährt der Beobachtungsort eine 
periodische Vertikalbewegung, die im allgemeinen aus zwei Komponenten zu- 
zammengesetzt ist. Jede dieser Komponenten tritt allein nur für Punkte der 
jeweiligen Drehachse auf. Die reine Rollbewegung hat man ohne Stampfanteil 
nur für die Punkte der Stampfachse und umgekehrt. Da diese Punkte als Be- 
obachtungspunkte nicht zugänglich sind, wird jede Messung mehr oder weniger 
verfälscht, und zwar um so mehr, je weiter der Standort von den Achsen ent- 
Ternt liegt. Bezeichnet man mit Z- den Abstand von der Rollachse, mit e den- 
jenigen von der Stampfachse, so wird die vertikale Lage Z des Meßinstruments 
in Abhängigkeit von der Zeit z durch folgenden Ausdruck dargestellt, den ich 
für die am häufigsten gemessenen Werte der Roll- und Stampfperioden und 
Amplituden und für den Aufstellungsort an Bord durch einige Kurven für die 
Phasendifferenzen @ = 0°, 30° usw. aufgezeichnet habe: 
Z = sin [Asia 717 ]+esin [= sin (22 +9)] 
Aus den Kurven erkennt man, daß die beobachteten Buckel in den Rollkurven 
vom Beobachtungsort an Bord dadurch erzeugt werden, daß man gleichzeitig 
die Vertikalbewegung, herrührend vom Stampfen, dabei hat. Es wird nicht zu- 
lässig sein, aus dem zeitlichen Abstand mehrerer Buckel einer Rollschwingung 
auf die Stampfeigenperiode zu schließen, denn sonst müßten in dem gerechneten 
Beispiel drei Buckel pro Schwingung auftreten. 
Als eine weitere Folgerung aus der Abhängigkeit des Bewegungsbildes vom 
Aufstellungsort hat zu gelten, daß abgestoppte Einzelrollperioden erheblich von- 
ginander abweichen können, je nachdem wo der Buckel liegt, Dieser wandert mit 
dem Phasenwinkel; außerdem verschiebt sich ständig durch Wind die horizon- 
tale Bezugsrichtung, so daß es bei einer Einzelschwingung schwer ist, zwei 
Punkte zu finden, die den Abstand der Wellenlänge haben. Rollperioden oder 
Stampfperioden findet man daher auf See nur dann einigermaßen gut, wenn 
wenig Wind ist und das Schiff nur eine Bewegung, Rollen oder Stampfen, aus- 
führt, die möglichst gleichmäßig mit geringer Amplitude erfolgt. Eine solche 
Meßreihe wurde auf einem mit Erz beladenen Dampfer an windgeschützter Stelle 
vor Anker aufgenommen. Die Erregung der Rollschwingung kam aus einer 
gleichmäßigen Dünung in Resonanzlage und muß als Primärschwingung ange- 
sehen werden. Die Schwebungen im Rollbild (siehe Kurvenblatt) entsprechen dem 
fast periodischen Wechsel zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Wellen- 
zügen. Die Stampfschwingung hat als erzwungen zu gelten, wie aus den minimalen 
Amplituden und aus dem Schwebungsablauf entnommen werden kann, der parallel 
zum Rollvorgang verläuft. 
Von solchen Sonderfällen abgesehen, hat man auf See ständig mit Wind- 
einfluß auf die periodischen Bewegungen des Schiffes zu rechnen. Von etwa 
30 Meßreihen sind auf dem Kurvenblatt aus Nr. 15 und 16 charakteristische Teile 
aufgetragen worden, Die Messungen erfolgten alle drei Sekunden und sind ein- 
getragen. Alle Buckel fehlen, so daß der reine Rollvorgang übrigbleibt, In 
beiden Reihen erkennt man an den Schwingungen 1, 2, 3, 4 den hebenden Ein- 
{uß des Windes, der in Form einer Bö wachsender Stärke beobachtet wurde. 
Mit dem plötzlichen Nachlassen des Winddrucks bei der vierten Schwingung fällt 
das Schiff in die alte (Neichgewichtslage zurück und schwingt frei aus. Das 
wurde in Art der Schwingungszüge 5, 6, 7, 8 häufig beobachtet. Sie kommt wieder 
1“‘1
	        
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