Neuere Veröffentlichungen,
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G, Wüst, die durch mehrere besonders eindrucks-
volle Wellenbilder von Larisch ergäuzt wird,
Der Band ist wie seine Vorgänger nicht nur
mit Lichtbildern, sondern auch mıt Textskizzen
und Karten reich ausgestattet; er bietet zusammen
mit dem schon 1934. in der gleichen Sammlung
erschienenen „Tiefseebuch“ gemeinverständliche Ein-
führungen in die meisten Teilgebiete der Meereskunde
und der ozeanischen Wetter- und Klimakunde,
Die wohlverdiente weite Verbreitung in allen an
Meereskunde und Seefahrt interessierten Kreisen,
besonders bei den Seeleuten selbst, dürfte ibm
sicher sein. A, Schumacher,
Prüfer, G.: Die Gezeiten des Indischen Ozeans.
Veröff, Inst, f, Meeresk., N. F., A, Heft 37,
Berlin 1939, E, 8. Mittler & Sohn, 56 8, mit
17 Kartenbeilagen. ;
Gegenüber den bisherigen Darstellungen ozeani-
scher Gezeiten von Harris und von Sterneck
kann die vorliegende Arbeit in der vom Hydro-
graphischen Bureau in Monaco im Jahre 1931
herausgegebenen Liste von harmonischen Kon-
stanten eine wesentlich breitere Grundlage benutzen
Liegt schon hierin ein Fortschritt, so kommt hinzu
daß der Verfasser einen neuen Weg bei der Be
arbeitung einschlägt: Harris war bestrebt, das
Weltmeer in Stücke zu zerteilen, deren KEigen-
periode der Periode der Gezeiten möglichst nahe
kam, so daß sie auf die Huterzeugenden Kräfte
gewissermaßen als Resonatoren ansprachen; aber
offenbar war bei einer solchen Kinteilung eine
gewiese Willkür unvermeidlich, so daß Krümmel
sogar von einem ‚„Ausschlachten“ des Ozeane
durch Harris spricht; v, Sterneck dagegen ging
davon aus, daß rein formal-mathematisch jede
harmonische Welle sıch zerlegen läßt in zwei
um eine Viertelperiode gegeneinander verschobene
stehende Schwingungen; Indem er die Küsten
beobachtungen nach diesem Grundsatze bearbeitete.
fand er für jede der beiden stehenden Wellen an
der Küste eine Reihe von Kunotenpunkten, die er
alsdann über den Ozean hinweg durch Knoten-
Hinien miteinander verband; es ist klar, daß auch
hierbei manche Zweifel auftreten konnten,
Auch der Verf. muß zunächst zugeben, daß
heute die Theorie noch nicht weit genug Iort-
geschritten ist, um für die Gezeiten eiver Wasser-
Näche von der Größe des Indischen Ozeans eine
vollständige Grundlage herzugeben, Er muß daher
ebenso, wie seine Vorgänger, darauf verzichten,
selbst Dinge wie die Bodentiormen und die ablen-
kende Kraft der Erdumdrehung in seine Berech-
nungen einzubeziehen, und er erblickt in de:
Theorie daher nur ein Mittel, um einen leitenden
Faden zu iinden durch die Wirrnis der Beob-
achtungen: Einen vorläufigen Einblick gewinnt €
dadurch, daß er die Periode der Kigenschwin-
gungen für zwei schmale, den Ozean von Norden
nach Süden, und drei ihn von Osten nach Westen
durchschneidende Kanäle berechnet. Die genauere
Behandlung der erzwungenen Schwingungen in
einer Reihe ostwestlicher Kanäle nach Airy führt
schließlich auf zwei Knotenlinien für die Halbtags-
gezeiten, die von Süden nach Norden aufeinander
zulaufen und sich nördlich des Aquators vereinigen.
Ihr Schnittpunkt mit der einzigen ostwestlich ver-
laufenden Knotenlinie ergibt zwei Drehtiden, die
den Ozean beherrschen; das bedeutet zwei Ureh-
wellen weniger, als sie Sterneck, und eine mehr
als sie Harris annahm. Von den Nebenmeeren
sei der Meerhusen von Bengalen erwähnt, der
annähernd stehende Schwingungen ausführt um
eine seine Mündung abschneidende Knotenlinie,
Für die Eintagstiden ergeben sich Drettiden mit
einem Knotenpunkte mitten im Ozean und einem
zweiten bei Kergruelen, Damit sind die Grund-
lagen gefunden, um die Küstenbeobachtungen zu-
sammenzufassen in den zahlreichen der Arbeit
beigegebenen Gezeitenkarten der My-, Sy, Ny-, Kos,
Kı-, O,- und P-Tide, — Bei einem Vergleiche mit
den früheren Darstellungen wird man feststellen
dürfen, daß ungeachtet aller Unsicherheit infolge
der Lücken der Theorie und des vollständigen
Mangels an Beobachtungen auf dem freien Ozean
die Arbeit den heute bekannten Tatsachen sich
erheblich besser anpaßt als ihre Vorgänger,
H. Thorade,
H. Ertel, Elemente der Operatorenrechnung mit
geophysikalischen Anwendungen. Jul. Springer,
Berlin 1940. V1, 133 8. m, 8 Abb. Geb, 7.50 RM,
In weiten Kreisen der Geophysiker kann man
einen gewissen Widerstand gegen alle über den
Rahmen der klassischen Formen hinausführende
Mathematik anıreffen, insbesondere indessen gegen
die Methoden der Operatorenrechnung, Das hat
natürlich seinen Grund, Den Mathematikern unter
ihnen sind die klassischen Methoden zumeist. eine
gute Gewohnheit, von der sich ohne Zwang zu
trennen, nicht immer ein hinreichender Grund
vorliegt, zumal auf dem vertrauten Wege die
Existenz der durchzuführenden Schritte steis ein-
zusehen ist, während die Operatorenrechnung sich
auch. solcher Schritte bedient, welche scheinbar
unerlaubt sind. Die mathematisch wenig pe-
schulten Geophysiker jedoch, denen allenfalls die
klassischen Symbole geläufig sind, lassen sich durch
jedea neue wenig‘ bekannte Symbol abschrecken,
ohne dabei zu bedenken, welcher gerade für sie
möglichen beträchtlichen Erleichterung sie sich
Jamit entschlagen, Zum anderen mag auch für
sie die funktionentheoretische Ableitung mit ihren
Existenzbeweisen hinderlich sein, welche zeigen, daß
die Anwendung "der Operatorenmethode statthaft
ist, Schließlich muß hinzugefügt werden, daß die
Kenntnis der Operstorenmethoöde bisber durch das
Schrifttum kaum und im wesentlichen nur aus
der englischen Literatur erlangbar gewesen ist,
Das kleine treffliche Buch von H. Ertel ist
nun vorzüglich dazu geeignet, diese Widerstände
gegen die Öperatorenrechnung in weitem Maße zu
beheben, um 86 mehr als es sich vornehmlich auf
die Anwendung der Methode beschränkt, die
Existenzbeweise umfangreicheren Werken über.
lessend. Ist es auch in der Hauptsache für mathe-
matisch weniger Geübte geschrieben und ent-
SPS aufgebaut, so findet indessen auch
er Fachmann ein Rüstzeng, das manchen mit
der Öperatorenrechnung weniger Vertrauten zu
gelegentlichem Gebrauche anreizen mag. Besonders
hervorgehoben zu werden verdient bereits der ein-
leitende kurz gefaßte Ahbriß über Differential.
yleichungen, der wegen seiner Prägnanz vielen als
Repetitorium willkommen sein dürfte, Diesem Ab-
schnitt sowohl wie dem eigentlichen Hauptteil
über Wesen und Rechenvorschriften der Operatoren-
methode folgen je ein Kapitel über die in der
theoretischen Geophysik wichtigsten Typen von
Differentialgleichungen, um die Anwendung beider
Lösungswege, mitunter sogar an der gleichen
Differentialgleichung, anschaulich darzustellen,
wobei in einigen Fällen durch die Wahl spezieller
Randbedingungen die Schulung in der Behandlung