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Full text: 69, 1941

Neuere Veröffentlichungen, 
131 
Im ersten Beitrag bringt Weiken insbesondere 
lie astronomischen Messungen, deren Durchführung 
für das Inlandeis-Nivellement und die Schwer- 
rraftmessungen notwendig war. Dann gibt er aber 
zuch für zahlreiche Punkte der Expedition die 
serechneten geographischen Koordinateo, die aus 
den astronomischen Messungen unter Zuhilfenahme 
der trigonometrischen gewonnen wurden. Die 
Lage der Station Eismitte wird neu ermittelt zu 
MS 11’N Br., 39° 54’ W Lg. 
Die Schwerkraftmessungen, die Weiken im 
zweiten Beitrag behandelt, sollten im Verein mit 
seismischen Eisdickenbestimmungen Aufschlüsse in 
der Frage der Isostasiestörung durch Inlandeis- 
nassen liefern. Trotz des Unglücks, das die Expedi- 
:jon im Herbst 1930 betraf, und trotz der ungewöhn- 
jch erschwerten Arbeitsbedingungen konnten die 
Eisdiekenmessungen Wölckens und Brockamps 
bis 12) km Randabstand, Weikens Schwerkraft- 
messungen noch bis 300 km Randabstand auf dem 
Inlandeise durchgeführt werden. 
Die Pendelmessungen in Grönland begannen 
and endeten au der Station Uvkusigsat und sind 
direkt an den absoluten Schwerewert von Potsdam 
angeschlossen, Nach eingehender Diskussion der 
Messungen und der auftretenden Fehler errechnet 
Weiken für die grönländischen Stationen die folgen- 
den Schwerewerte nebst mittleren Fehlern: 
Urkusigsat (71° 2 N, 51° 58‘ W, 
Meereshöhe 36.2 m). . . .982.603.54&1-0 
Scheideck (719 11’ N, 51° 8 W, 
Meereshöhe 940 m). . . .982.437.4 4157 
Inlandeis km 81 (719° 13’ N, 48° 
52’ W, Meereshöhe 1940 m) . 982.143-1-4 2-1 
Inlandeis km 120 (71° 13’ N, 47° 
4Y W, Meereshöhe 2150 m} . 982,081-5.4 2-2 
{nlandeis km 300 (71° 11’ N, 42° 
42’ W, Meereshöhe 2830 m) . 981.836 -1-. 1-9 
Hinzugefügt seien aus der ausführlicheren 
Tabelle (S. 72) der Berechnung der Schwere- 
anomalien die Endwerte der totalen Störung 
Bo — Yo (yo = Normalschwere im Meeresniveau nach 
Helmerts Formel, 1901): 
Uvkusigsat — 42 [0.0.,.] 
Scheideck — 49 
km 81 -— 40 (bei 1510 m gemessener Eisdicke) 
km 120 — 37 (bei 1820 m gemessener Eisdicke) 
” —148 (bei angenommener Eisdicke 
von 1830 m 
-109 bei angenommener Eisdicke 
von 2330 m 
86 bei angenommener Eisdicke 
von 2630 m 
— 79 bei angenommener KEisdicke 
von 2730 m 
— 71 bei angenommener Kisdicke 
1 von 2830 m). 
Holzapfels meteorologischer Nachtrag bringt 
die Tabellen der stündlichen Windgeschwin- 
digkeiten in m/sec für die Weststation. Aus 
ihren Monatsmitteln ist ersichtlich, daß der Kalt- 
Iuftabfinß vom Inlandeise sein Maximum normaler- 
weise in den Nacht- und frühen Morgenstunden 
erreicht, daß aber im Winter diese Erscheinung 
— wohl durch die stärkeren unperiodischen Druck- 
schwankungen — gestört ist, 
In Band VII gibt Kurt Wegener die Zu- 
sammenfassung der wissenschaftlichen Ergebnisse 
der Expedition, wobei er sich auf den meteoro- 
logischen und glaziologischen Teil beschränkt. 
Im Kapitel „Statistische Meteorologie“ wird 
zunächst der Inlandeiswind behandelt, der als 
‚Schwerewind“ mit passatischer Beharrlichkeit den 
Abhang des grönländischen Eisschildes hinunter- 
weht, durch die Ablenkungskraft der Erdrotation 
ım ungefähr 45° von der Gefällsrichtung abgelenkt, 
im Temperaturverlauf ist ein Wärmerückfall im 
Spätherbst-Frühwinter bemerkenswert, der aber u. E. 
xcht in allen Jahren so ausgesprochen ist wie im 
Expeditionsjahr, nachdem ihn die langjährigen Mitte] 
jer dänischen Grönland-Stationen nicht zeigen, Bei 
Fismitte kann man von einem „kernlosen Winter“ 
;prechen, da die Monatstemperaturen vom No- 
‚ember bis März (— 439, — 39°, — 41°, — 48°, 
— 40°) praktisch fast gleich sind. Ungemein groß 
st das vertikale Temperaturgefälle in der Kaltluft 
iber dem Firnabhang: es beträgt zwischen West- 
station und Eismitte 0.95° auf 100 m im Jahres- 
mittel, ist aber sicher nur Ausdruck des starken 
aorizontalen ‘Temperaturgefälles und anf die 
Kaltlafthaut beschränkt. Der Luftdruck fällt vom 
Sommer zum Winter beträchtlich, trotz des gleich- 
zeitig tiefen Absinkens der Temperaturen. In Eis- 
mitte liegt der Luftdruck der Monatsmittel No- 
vember bis Februar zwischen 502 und 507 mm, 
während ihn die Sommermonate Mai bis September 
jehr gleichförmig zwischen 520 und 522 mm zeigen. 
Aus dem gleichzeitigen Sinken von Temperatur 
and Luftdruck schließt d, Verf, auf eine Senkung 
der Stratosphäre, 
Was Hobbs’ „glaziale Antizyklooe* betrifft, 
so ist diese in Grönland tatsächlich vorhanden, 
wenn auch nur als eine den übrigen Wettervor- 
zängen eingelagerte Erscheinung. Dies „Ferrelsche 
AHochdruckgebiet‘‘, für das eine relatir niedrige 
Tropopausenlage anzunehmen ist, stellt aber wegen 
ler Seichtheit (etwa 400 m) der ausfließenden Kalt- 
‚uft kein Aktionszentrum mit weiterreichender Wir- 
kung dar, Eine solche Wirkung, etwa auch auf 
das Wetter Europas, kann Grönland nur insoweit 
zugeschrieben werden, als die starke Ausstrahlung 
ron seiner tieftemperierten Firnoberfläche alle Luft- 
nassen, die über Grönland hinwegzieben, auch in 
höheren Schichten abkühlt. 
Wie in dem meteorologischen "Teil bringt 
K. Wegener auch im folgenden glaziologischen 
Teil nicht eine bloße Zusammenstellung von Er- 
zebnissen, sondern bemüht sich um die physikalische 
Begründung der KErscheinungen. Nacheinander 
werden behandelt: der Zuwachs des Inlandeises, 
der auf der Expeditionsroute rund 1m Schnee- 
Jecke im Jahre von der Randzone bis ins Innere 
beträgt, das Spalten- oder Randgebiet, in dem — 
gegenüber dem oberhalb 1800 m Seehöhe spalten- 
ireien, festliegenden Firnschild des Innern — außer 
Eisabfluß auch Abschmelzung stattfindet (bis 
zum Maximum von 4m Eis im Sommer an der 
Kamarujuk-Bucht), ferner die Dichte des Firns, 
die Temperatur des Kises, die Eisdicke nach seis- 
mischen Beobachtungen. Besonders eingehend wid- 
met sich der Verf. der Darstellung der für eine 
Polarexpedition erstmaligen seismischen Eisdicken- 
bestimmungen, die u.a. in 120 km Randabstand 
die gewaltige Eisdicke von rund 1800 m einwand- 
Frei ergaben. M. Rodewald. 
Jarome Namias: Air Mass Analysis. Milton, 
Mass., 1938. (Herausgeg. v. Robert G. Stone 
für The American Meteorological Society; vierte, 
arweiterte u. durchgesehene Aufl, 122 S, mit 
zahlr, Abb,, Preis 75 Cents). 
Diese Kinführung in die Luftmassenanalyse 
‚on J. Namias enthält als weitere Beiträge eine 
Darstellung der „Characteristie Properties of North