Neuere Veröffentlichungen,
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Im ersten Beitrag bringt Weiken insbesondere
lie astronomischen Messungen, deren Durchführung
für das Inlandeis-Nivellement und die Schwer-
rraftmessungen notwendig war. Dann gibt er aber
zuch für zahlreiche Punkte der Expedition die
serechneten geographischen Koordinateo, die aus
den astronomischen Messungen unter Zuhilfenahme
der trigonometrischen gewonnen wurden. Die
Lage der Station Eismitte wird neu ermittelt zu
MS 11’N Br., 39° 54’ W Lg.
Die Schwerkraftmessungen, die Weiken im
zweiten Beitrag behandelt, sollten im Verein mit
seismischen Eisdickenbestimmungen Aufschlüsse in
der Frage der Isostasiestörung durch Inlandeis-
nassen liefern. Trotz des Unglücks, das die Expedi-
:jon im Herbst 1930 betraf, und trotz der ungewöhn-
jch erschwerten Arbeitsbedingungen konnten die
Eisdiekenmessungen Wölckens und Brockamps
bis 12) km Randabstand, Weikens Schwerkraft-
messungen noch bis 300 km Randabstand auf dem
Inlandeise durchgeführt werden.
Die Pendelmessungen in Grönland begannen
and endeten au der Station Uvkusigsat und sind
direkt an den absoluten Schwerewert von Potsdam
angeschlossen, Nach eingehender Diskussion der
Messungen und der auftretenden Fehler errechnet
Weiken für die grönländischen Stationen die folgen-
den Schwerewerte nebst mittleren Fehlern:
Urkusigsat (71° 2 N, 51° 58‘ W,
Meereshöhe 36.2 m). . . .982.603.54&1-0
Scheideck (719 11’ N, 51° 8 W,
Meereshöhe 940 m). . . .982.437.4 4157
Inlandeis km 81 (719° 13’ N, 48°
52’ W, Meereshöhe 1940 m) . 982.143-1-4 2-1
Inlandeis km 120 (71° 13’ N, 47°
4Y W, Meereshöhe 2150 m} . 982,081-5.4 2-2
{nlandeis km 300 (71° 11’ N, 42°
42’ W, Meereshöhe 2830 m) . 981.836 -1-. 1-9
Hinzugefügt seien aus der ausführlicheren
Tabelle (S. 72) der Berechnung der Schwere-
anomalien die Endwerte der totalen Störung
Bo — Yo (yo = Normalschwere im Meeresniveau nach
Helmerts Formel, 1901):
Uvkusigsat — 42 [0.0.,.]
Scheideck — 49
km 81 -— 40 (bei 1510 m gemessener Eisdicke)
km 120 — 37 (bei 1820 m gemessener Eisdicke)
” —148 (bei angenommener Eisdicke
von 1830 m
-109 bei angenommener Eisdicke
von 2330 m
86 bei angenommener Eisdicke
von 2630 m
— 79 bei angenommener KEisdicke
von 2730 m
— 71 bei angenommener Kisdicke
1 von 2830 m).
Holzapfels meteorologischer Nachtrag bringt
die Tabellen der stündlichen Windgeschwin-
digkeiten in m/sec für die Weststation. Aus
ihren Monatsmitteln ist ersichtlich, daß der Kalt-
Iuftabfinß vom Inlandeise sein Maximum normaler-
weise in den Nacht- und frühen Morgenstunden
erreicht, daß aber im Winter diese Erscheinung
— wohl durch die stärkeren unperiodischen Druck-
schwankungen — gestört ist,
In Band VII gibt Kurt Wegener die Zu-
sammenfassung der wissenschaftlichen Ergebnisse
der Expedition, wobei er sich auf den meteoro-
logischen und glaziologischen Teil beschränkt.
Im Kapitel „Statistische Meteorologie“ wird
zunächst der Inlandeiswind behandelt, der als
‚Schwerewind“ mit passatischer Beharrlichkeit den
Abhang des grönländischen Eisschildes hinunter-
weht, durch die Ablenkungskraft der Erdrotation
ım ungefähr 45° von der Gefällsrichtung abgelenkt,
im Temperaturverlauf ist ein Wärmerückfall im
Spätherbst-Frühwinter bemerkenswert, der aber u. E.
xcht in allen Jahren so ausgesprochen ist wie im
Expeditionsjahr, nachdem ihn die langjährigen Mitte]
jer dänischen Grönland-Stationen nicht zeigen, Bei
Fismitte kann man von einem „kernlosen Winter“
;prechen, da die Monatstemperaturen vom No-
‚ember bis März (— 439, — 39°, — 41°, — 48°,
— 40°) praktisch fast gleich sind. Ungemein groß
st das vertikale Temperaturgefälle in der Kaltluft
iber dem Firnabhang: es beträgt zwischen West-
station und Eismitte 0.95° auf 100 m im Jahres-
mittel, ist aber sicher nur Ausdruck des starken
aorizontalen ‘Temperaturgefälles und anf die
Kaltlafthaut beschränkt. Der Luftdruck fällt vom
Sommer zum Winter beträchtlich, trotz des gleich-
zeitig tiefen Absinkens der Temperaturen. In Eis-
mitte liegt der Luftdruck der Monatsmittel No-
vember bis Februar zwischen 502 und 507 mm,
während ihn die Sommermonate Mai bis September
jehr gleichförmig zwischen 520 und 522 mm zeigen.
Aus dem gleichzeitigen Sinken von Temperatur
and Luftdruck schließt d, Verf, auf eine Senkung
der Stratosphäre,
Was Hobbs’ „glaziale Antizyklooe* betrifft,
so ist diese in Grönland tatsächlich vorhanden,
wenn auch nur als eine den übrigen Wettervor-
zängen eingelagerte Erscheinung. Dies „Ferrelsche
AHochdruckgebiet‘‘, für das eine relatir niedrige
Tropopausenlage anzunehmen ist, stellt aber wegen
ler Seichtheit (etwa 400 m) der ausfließenden Kalt-
‚uft kein Aktionszentrum mit weiterreichender Wir-
kung dar, Eine solche Wirkung, etwa auch auf
das Wetter Europas, kann Grönland nur insoweit
zugeschrieben werden, als die starke Ausstrahlung
ron seiner tieftemperierten Firnoberfläche alle Luft-
nassen, die über Grönland hinwegzieben, auch in
höheren Schichten abkühlt.
Wie in dem meteorologischen "Teil bringt
K. Wegener auch im folgenden glaziologischen
Teil nicht eine bloße Zusammenstellung von Er-
zebnissen, sondern bemüht sich um die physikalische
Begründung der KErscheinungen. Nacheinander
werden behandelt: der Zuwachs des Inlandeises,
der auf der Expeditionsroute rund 1m Schnee-
Jecke im Jahre von der Randzone bis ins Innere
beträgt, das Spalten- oder Randgebiet, in dem —
gegenüber dem oberhalb 1800 m Seehöhe spalten-
ireien, festliegenden Firnschild des Innern — außer
Eisabfluß auch Abschmelzung stattfindet (bis
zum Maximum von 4m Eis im Sommer an der
Kamarujuk-Bucht), ferner die Dichte des Firns,
die Temperatur des Kises, die Eisdicke nach seis-
mischen Beobachtungen. Besonders eingehend wid-
met sich der Verf. der Darstellung der für eine
Polarexpedition erstmaligen seismischen Eisdicken-
bestimmungen, die u.a. in 120 km Randabstand
die gewaltige Eisdicke von rund 1800 m einwand-
Frei ergaben. M. Rodewald.
Jarome Namias: Air Mass Analysis. Milton,
Mass., 1938. (Herausgeg. v. Robert G. Stone
für The American Meteorological Society; vierte,
arweiterte u. durchgesehene Aufl, 122 S, mit
zahlr, Abb,, Preis 75 Cents).
Diese Kinführung in die Luftmassenanalyse
‚on J. Namias enthält als weitere Beiträge eine
Darstellung der „Characteristie Properties of North