Wegener, K.: Die Tropopause in Europa.
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Wintertemperaturen um mehr als 40° tiefer liegen als die Temperaturen der
umgebenden Wasserflächen, und wo im Sommer im Innern des Landes die Tem-
peraturen immer noch um mehrere Grade unter der Temperatur der Meeres-
flächen liegen, ist im Gegensatz zu Europa ein permanentes Ferrelsches
Hochdruckgebiet, über dem durch die Strahlung der Bodenfläche die Luftmassen
bis in große Höhen abgekühlt werden. Die gleichen Wirkungen, die wir auf
dem europäischen Kontinent beobachten, erinnern an die Monsune und selbst an
die Land- und Seewinde tropischer Inseln.
Die Ferrelschen Hoch- und Tiefdruckgebiete, die auf der Strahlung des Bodens
beruhen, ergeben hiernach durch Zusammenfassung der grönländischen Beob-
achtungen mit den Beobachtungen über die Tropopause in Europa folgendes Bild:
ti. Im Ferrelschen Hochdruckgebiet, das am stärksten über einer Schnee-
decke ausgeprägt ist, wird durch Strahlungsaustausch mit der kalten Erdober-
fläche die Luft bis weit in die Stratosphäre hinein abgekühlt. Sie sinkt in der
Troposphäre zusammen und fließt nach außen ab; und in den höheren Schichten
der Troposphäre fließt die Luft von außen zu, bildet also ein Tiefdruckgebiet,
dessen Oberfläche die Tropopause ist, deren Lage über dem statistischen oder
klimatologischen Hochdruckgebiet am tiefsten gefunden wird.
2. Im Ferrelschen Tiefdruckgebiet wird die Luft durch Strahlungsaustausch
mit dem erhitzten Boden bis weit in die Stratosphäre hinein erwärmt. Sie steigt
im Innern des Gebietes auf, um in der Höhe nach außen abzufließen. In den
unteren Schichten erfolgt Zufuhr neuer Luft, die wieder vom Boden her durch
Strahlung erwärmt wird. Über dem Ferrelschen Tiefdruckgebiet liegt also in
der Höhe ein Hochdruckgebiet, dessen Oberfläche, die Tropopause, gegenüber
der normalen Höhe der Tropopause erhöht ist.
Die entsprechenden Vorgänge in der Stratosphäre müssen offenbar dämpfend
auf diesen Wechsel wirken und verzögern wohl hierdurch die Hebung und Sen-
kung der Tropopause.
Über die 10jährige Temperaturperiode
in der Hellmannschen Temperaturreihe von Berlin.
Von Otto Meißner, Potsdam,
8 1. Anschließend an meine Veröffentlichung über die 24jährige Temperatur-
periode von Berlin!) gebe ich im folgenden einige Ergebnisse meiner Bearbeitung
der hier wie dort zugrunde gelegten Berliner Temperaturreihe?) in bezug auf
eine 10jährige Periode, deren Existenz vielerorts als gesichert angenommen wird,
und über die ich auch an anderer Stelle®*) schon eine kleine Bemerkung gemacht
habe. — Zugrunde gelegt sind die Jahre 1848 bis 1907, die nach Hellmann eine
in sich völlig homogene Reihe darstellen, was hier, wo es sich im Endergebnis
am Zehntelgrade handelt, natürlich von besonderer Bedeutung ist, Als Anfangs-
epoche wurde 1851 angenommen‘).
$ 2. Periode der einzelnen Monate. Bekanntlich äußern sich solche Perioden
von meist ungeklärter Herkunft®) ebenso wie die, deren Ursachen wir kennen,
in den einzelnen Monaten oft sehr verschieden. Deshalb habe ich die Periode
für jeden Monat einzeln berechnet; die Ergebnisse sind in Tab. 1, S. 118 nebst
den Abweichungen, auf die besonderer Wert gelegt wurde, zusammengestellt,
Kurze Erläuterungen: [6] bedeutet die Quadratsumme der Abweichungen; M = Mittel, das
in der linken Hälfte jeder Monatsdoppelspalte = 0 sein muß; Str. == Streuung, also in der rechten
Hälfte jeder Spalte die Streuung der Streuung der Mittel jedes Jahres, die aus sechs Einzelperioden
gebildet sind: D, A, = durchsehnittlicher Abweichung; die folgende Zeile Verh, = dem Verhältnis der
D. A. zur Streuung, das theoretisch == 0,80 sein muß; k (M, Str.) = Korrelationsfaktor zwischen den
beiden Werten jeder Spalte, k (|M], !Str.|) dieselbe Größe für die absoluten Beträge,
1) Ann. d, Hydr. usw. 1940, Heft 10, S. 353 bis 358 (mit Tabellentafeln), — *) Hellmann, Das
Klima von Berlin. I. Teil, Lufttemperatur. Berlin 1910. — *%) Zschr. f. angew. Met. 57 (1940), Heft 5,
8. 171f. — %) Aus dem äußeren Grunde bequemerer Rechenarbeit, — %) Nach Herrn H. H. Kritzinger
„hat die 10jährige Periode einen echten Bestandteil, der dem halben synodischen Umlauf von Jupiter
und Saturn entspricht, und einen »unechten«, der von Merkur— Venus herrührt.‘“ (Nach einem Brief
vom 16. IV. 19234 an mich.) — Ich möchte die Ursache doch noch in der Schwebe lassen.