116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1942.
über Trappes, Der Unterschied scheint sich im Sommer etwas zu vergrößern,
im Winter zu verringern. Dieser Höhenunterschied erklärt sich wohl aus den
mittleren Temperaturunterschieden der Troposphäre über den beiden Orten:
Dieselbe Luftmasse, die über Trappes bis 10 km Höhe reicht, zieht sich, wenn
sie nach Nordosten nach Abisko bewegt und auf ihrem Wege abgekühlt wird,
auf jeden Grad Abkühlung um !;,4 ihrer Höhenerstreckung zusammen,
Aber die Temperatur der Troposphäre kann uns keine ausreichende Er-
klärung für die Höhenänderung der Tropopause geben; denn im Durchschnitt
muß offenbar vom Juli ab die Temperatur der Troposphäre sinken, während
die größte Höhe der Tropopause erst im September bzw. Oktober erreicht wird,
Zu einer Zeit also, zu der bereits die Abkühlung der Troposphäre stark fort-
geschritten ist, Und ebenso finden wir die niedrigste Höhenlage der Tropopause
nicht in der Zeit, in der die mittlere Temperatur der Troposphäre am niedrigsten
ist, d.h. im Januar oder Februar, sondern erst im Februar-März, zu einer Zeit,
zu der die Temperatur bereits merklich im Steigen begriffen ist. Die Erklärung
für diese Anomalie der Höhe wird uns offenbar durch die Temperaturänderungen
geliefert, die sich ausschließlich durch die Strahlung in der Stratosphäre voll-
ziehen, Vom März bis Mai steigt die Temperatur in der Stratosphäre infolge
Strahlungsabsorption sehr stark und dies bewirkt zugleich eine Erniedrigung
der Tropopause, Und ebenso sinkt in den Monaten August bis November die
Stratosphärentemperatur infolge der Ausstrahlung sehr stark, die Stratosphäre
zieht sich also zusammen und erniedrigt hierbei die Höhenlage der Tropopause.
Worauf dies physikalisch zurückzuführen ist, 1äßt sich bei der Unsicherheit der
bisher vorliegenden Zahlen nicht mit Deutlichkeit feststellen. Auch andere
Anomalien, die gesetzmäßig zu sein scheinen, lassen sich aus dem bisher vor-
liegenden Material nicht mit Sicherheit deuten, So finden wir, daß in Abisko
vorübergehend im Oktober ein sehr starker Abstieg der Tropopause statthat,
dem im folgenden Monat ein ebenso großer Aufstieg erneut folgt, während in
Lindenberg eine kleine Abnahme der Höhe im September und ein sehr starker
Sturz im Dezember eintritt, worauf wieder bis zum Februar eine Hebung erfolgt.
Erst dann tritt zwei Monate hindurch eine niedrigere Lage ein,
Es ist interessant, zum Vergleich mit diesen Zahlen, die alle in Europa
gewonnen wurden, die Beobachtungen der Deutschen Grönland-Expedition Alfred
Wegener zuzuziehen, die von mir nach dem Tode meines Bruders zu Ende
geführt wurde; deren Ergebnisse sind inzwischen erschienen‘) und ihre Zu-
sammenfassung habe ich im Schlußband bearbeitet. Hier zeigte sich, daß in der
Eismittestation im Herbst die Temperatur stark sank im November und dann
erneut anstieg. Als Deutung habe ich angegeben, daß zu dieser Zeit offenbar
infolge der verstärkten Ausstrahlung der Schneedecke im Herbst und der hieraus
Folgenden starken Abkühlung der Luft bis in große Höhen der Abfluß zunächst
zu schnell erfolgt, so daß adiabatische Kompression im Dezember die Temperatur
wieder erhöht,
Zugleich zeigte sich aus den Luftdruckbeobachtungen in Eismitte, daß auch
dort in Anbetracht der beobachteten Temperaturen mit einer Senkung der Strato-
sphäre im Winter gerechnet werden muß, und daß doch wohl auch im Sommer
die Tropopause dort in geringerer Höhe liegt als in der Umgebung Grönlands.
Das Bild, das wir aus diesen Verhältnissen bekommen, deckt sich mit dem Bild
des Hochdruckgebietes, wie es Ferrel vor langer Zeit entworfen hat: Im Winter
strömt die kalte, durch Ausstrahlung des Erdbodens (Schneedecke) abgekühlte
Luft nach außen und in der Höhe strömt Ersatzluft hinzu, die sich zu gleicher
Zeit abkühlt. Wir haben also im Winter ein statistisches Tiefdruckgebiet in der
Höhe gegenüber dem Hochdruckgebiet im Meeresniveau. Im Sommer kehren
sich offenbar auf dem europäischen Kontinent die Verhältnisse um und wir er-
halten hier ein statistisches Tiefdruckgebiet in der Troposphäre und ein Hoch-
druckgebiet in größeren Höhen, weil sonst die auf das Festland strömende und
aufsteigende Luft nicht wieder nach außen abströmen könnte. Grönland, wo die
1) Wissenschaftliche Ergebnisse der Deutschen Grönland-Expedition Alfred Wegener 1929 und
1930/31, Bd. 1—7, 1933-—1940, Verlag Brockhaus.