Wegener, K.: Die Tropopause in Europa,
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könnte das auch bei einer schnellen Höhenänderung auf engem Gebiet der
Fall sein, wenn die Luft keine Zeit hat, seitwärts abzufließen.
8. Nur zur Zeit der Hebung der Atmosphäre wächst der Luftdruck in der
Tropopause ein wenig, weil sonst keine Hebung stattfinden könnte (Vormittag,
Frühjahr); zur Zeit der Senkung (Abend, Herbst) fällt der Luftdruck entsprechend.
4. Wird die Stratosphäre nur über einer beschränkten Fläche gehoben (etwa
auf dem schmalen Hochdruckrücken zwischen zwei benachbarten Tiefdruck-
gebieten — in diesem Fall werden extreme Verhältnisse erreicht), so fließt die
Stratosphärenluft ab in die Mulden, die über den Tiefdruckgebieten liegen, so
daß der Druck am Boden der Stratosphäre über dem Rücken, und damit die
Temperatur ebenfalls, sinkt. In diesen Fällen erhalten wir auf den Hochdruck-
rücken in unseren Breiten, wo die Wintertemperatur, wie unsere Liste zeigt, mit
kaum — 60° nur wenig tiefer liegt als die Sommertemperatur, die tiefste Tem-
peratur in der Stratosphäre, und die Temperatur der untersten Teile der Strato-
sphäre stimmt dann überein mit der Temperatur der Tropopause, d, h. der Tem-
peratur der Oberfläche der Troposphäre.
5. Über den Tiefdruckgebieten fließt in der Tropopausenmulde die Luft zusam-
men, der Druck ist hier erhöht, und hier finden wir die Höchsttemperaturen der
Stratosphäre, Aber sie gehen am Boden der Stratosphäre mit einer mehr oder
minder mächtigen Inversion zur Temperatur der Tropopause über. Die Tem-
peratur der Tropopause ist also hier nicht charakteristisch für die Temperatur
der Stratosphäre,
6. Wenn über Abisko die Temperatur in 18 gkm Höhe im Winter — 69° C,
im Sommer — 38° C beträgt, in unseren Breiten aber im Sommer und Winter
rund — 55° C, so kann in der Stratosphäre eine selbständige Zirkulation vor-
handen sein, die im Sommer die untersten Schichten der Stratosphäre zwischen
Abisko und unseren Breiten nach Norden, im Winter nach Süden in Bewegung
setzt. Nach den Erfahrungen über bewegliche Tiefdruckgebiete der Troposphäre
sollten die so sich bildenden Tiefdruckgebiete der Stratosphäre im Sommer nach
Westen, im Winter nach Osten abrollen. Die Untersuchung dieser Vorgänge in
der unteren Stratosphäre ist schwieriger als die der troposphärischen Tiefdruck-
gebiete, Bei den letzteren stören die Gebirge, schon wegen der Schwierigkeit
der Höhenreduktion der Beobachtungen. Bei ersteren aber handelt es sich um
bewegliche Gebirge der Tropopause(!), wenn diese auch niedriger sind als die
Gebirge der Erdoberfläche, |
Prüfen wir nun diese gewissermaßen apriorischen Ergebnisse an den Be-
obachtungswerten nach, die in Monatsmittelwerten der Tropopausenhöhe zahlen-
mäßig dargestellt sind (Tab, 3).
Tabelle 3. Mittlere Höhe der Tropopause in geodyn. Kilometern.
7 — m —
LO aa bay Li vaL ya] ax.) x. 7 x | xaL
Abisko...... 8,8, | 94 10.0° 9.28 9.68 9,36
Köln.......] 96 | 086° 104!104 105 118
Warschau ..| 9.4 | 9.7 1289| 96 10.7 ı 107
Trappes ....j 10.7 (12.30!'] 30.2 | 10.2 {10.1 } 11.0;
Lindenberg .| 10.1 | 10.2 | 9686| 96 101 104
(1910—1916)
Köln.......4 212 8
Warschau ..| 10 15
Trappes ....! 25 26
7162 31075 10,5
); 3 114
37 | - —
1L1 | — !122
06 107 108
3° ar
10.59
; 11.4
(3) 9.9
12,5 | 11.7
109 | 104
9.2
10.1
9.4
10.9,
9.3
Die Zahl der Beobachtungen vdefru),:
| 3 | 11 9 | 8 711281 9 | 9 di
18 | aa 6 | — | © 5 | 7
28 22 | 28 28 m = | a 15 | 24 29
— —— DL Ct
Der Februarwert für Trappes ist kaum glaubhaft. Man kann sich doch
wohl kaum vorstellen, daß auf wenige hundert Kilometer Entfernung zwischen
Trappes und Köln im Monatsmittel ein Höhengefälle der Tropopause um rund
2 km existiert, während sonst die Beobachtungsreihen gut in sich übereinstimmen.
Die Quelle des Fehlers können wir hier nicht untersuchen.
Die Zahlen zeigen zunächst deutlich eine schon länger bekannte Erscheinung:
die Tropopause liegt über Abisko in 68*/,° N-Breite um rund 1000 m tiefer als