Prüfer, G.: Funkortung in hohen Breiten (Eigenpeilung).
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Stück des Kreisbogens zwischen zwei vollen Breitengraden ersetzt, gleich der
Sehne {von der Länge 1° Breitenunterschied) eines Kreises mit dem Radius
F= 10° und der größte mögliche Abstand der Sehne vom Kreisbogen wird
dar (BB yo = 0.0129 ws 0.7’ (Äquatorminuten) == 0.7 sm,
Die Genauigkeit einer Ortsbestimmung durch Funkpeilung ist bei weitem nicht
so gut. Ein Funkazimut, das mit einer Genauigkeit von 0.5° bestimmt wird,
ergibt bei einer Entfernung des Funkfeuers vom Schiffsort von 300 sm eine
Ungenauigkeit des Schiffsortes von 2.3 sm quer zum Azimut der Funkbake.
2. Die Azimutgleiche
veotga BEA) ag Cat =,
wobei (w, k) die Koordinaten einer Funkbake seien, ist eine Kurve, deren Gestalt
in der Umgebung des Pols nicht erheblich von der eines Kreises abweicht, Für
k=0 geht sie in die oben unter (7) bezeichnete Kreisform über, Wären die
Meridiane gerade Linien und die Breiten Kreise, so würden die Azimutgleichen
für k—0 bei einer Verschiebung um = 0, 4=kKk ihre Gestalt nicht verändern,
d. h. alle Azimutgleichen Kreise bleiben,
Die Linien @ = const haben die Gestalt
{un #9) = Wootgie + vicost a,
Für große g@ ist cotg gg cos p «1. Um so mehr ist cotg* g cos? p. (Für 9 = 65°
ist cos g = 0.423, cotgg= 0,466, für p= 60° ist cos gp = 0,500, cotg p = 0.577.)
Damit haben die Linien g = const die Gestalt
ut vie! für g > 60°,
Aus (6a) erhält man
2) sing SZ tgA,
wenn man das negative Vorzeichen in v außer acht läßt, das hier ohne Belang
ist, denn das Kartenbild ist symmetrisch, In Polarkoordinaten u = g COS @,
Y == g8sing@ ausgedrückt, wird (12)
sing = colgatg A.
Für hohe Breiten, # > 60°, gilt daher
sing rules cotgatg 2A, mithin such ac 2,
Für genügend große @ weichen die Breitenparallele nicht sehr von Kreisen, die
Meridiane nicht sehr von Geraden ab. Also ist die Gestalt der Azimutgleiche
(11) für genügend große @ nicht wesentlich von der eines Kreises verschieden,
um so weniger die Gestalt eines Bogenstückes der Azimutgleiche von der eines
Kreisbogens, Daher gilt die unter 1. durchgeführte Genauigkeitsabschätzung,
und es gilt das oben dargestellte und von A, Klose für das Weirsche Diagramm
vorgeschlagene Auswerteverfahren von Funkpeilungen für die durch (6) bezeichnete
Abbildung.
(11
Meteorologische Beobachtungen in Bathurst (Westafrika).
Yon W, Portig, Deutsche Seewarte, Gruppe Seeflug.
Die Deutsche Lufthansa hatte in den Jahren 1934 bis 1939 auf der Resde
von Bathurst (136° N, 16.6° W) in der Mündung des Gambiaflusses zur Durch-
führung ihres Flugdienstes nach Südamerika ein Flugsicherungsschiff ausgelegt,
auf dem dauernd — auch wenn der Meteorologe auf dem zweiten, vor der süd-
amerikanischen Küste liegenden Schiff eingesetzt war — meteorologische Be-
obachtungen und Höhenwindmessungen durchgeführt wurden.
Bathurst liegt im Grenzgebiet zwischen der Sahara und dem Regenwald der
Ouinealänder. Während der Trockenzeit befindet sich dies Gebiet im Bereich
des Nordostpassats, der, soweit er über Land weht, als Harmattan bezeichnet
wird. Die Luft, die der Harmattan heranführt, ist häufig so stark mit Staub
aus den Trockengebieten Nordafrikas durchsetzt, daß die Sonne erst drei bis
vier Stunden nach Aufgang sichtbar wird, und auch dann nur als fahle, weiß-
gelbliche Scheibe, Mit dem Vorrücken des meteorologischen Äquators wird im