Ann. d. Hydr. usw., LXIX. Jahrg, (1941), Heft IV.
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Fluchtentafeln zur Bestimmung der horizontalen Schallgeschwindigkeit
(vmisec) aus Salzgehalt ($’.) und Temperatur (t’C) des Meerwassers.
Von Kurt Kalle, Hamburg, Deutsche Seewatte.
(Hierzu Tafeln 7 und 8.)
Entsprechend der in den vorhergehenden Jahren veröffentlichten Darstellungen
der Fluchtentafeln zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung (1) und der Dichte des
Meerwassers (2) ist hier das gleiche Prinzip zur Bestimmung der horizontalen
Schallgeschwindigkeit angewandt. Als Grundlage für diese Darstellung diente
die entsprechende von der englischen Admiralität herausgegebene Tabelle der
horizontalen Schallgeschwindigkeit im Meerwasser (s), die als die zur Zeit wohl
genaueste Darstellung auf diesem Gebiet gelten kann,
Da das Darstellungsprinzip der Fluchtentafeln bereits in der Abhandlung (1)
besprochen ist, braucht hier nur die Anwendungsweise der Fluchtentafeln be-
handelt zu werden. Das Wesentliche ist, daß jede durch die Fluchtentafel gelegte
Gerade drei einander zugehörige S% 97, t°C- und vm/sec-Werte miteinander ver-
bindet. ‚Es besteht demnach die Möglichkeit, zu zwei Bekannten die dritte
zugehörige Unbekannte zu bestimmen. Legt man also die Kante eines (zweck-
mäßigerweise durchsichtigen) Lineals an die beiden bekannten S°/gg- und t°C-
Werte, so kann man an der zugehörigen vm/sec-Skala den gesuchten Wert der
Schallgeschwindigkeit ablesen?),
Um einen genügend großen Maßstab zu erzielen, wurde das in Frage kom-
mende Gebiet auf zwei Tafeln aufgeteilt, und zwar von 0 bis 20°, 5 und von
20 bis 41% 0 5. Auf den einzelnen Tafeln wurde weiter eine dreifache Unterteilung
der von —2° bis + 30° C reichenden Temperaturskala vorgenommen, Die einander
zugehörigen Meßstäbe sind durch entsprechende Umrahmung der Zahlenwerte
kenntlich gemacht. Auf eine Besonderheit der Abb. 1 muß hier noch hingewiesen
werden. Die in der englischen Tabelle angegebenen Zahlen zeigen für Süßwasser
und den Temperaturbereich oberhalb 18°C eine mit steigender Temperatur zu-
nehmende Abweichung von der der Tabelle zugrunde liegenden Funktion. Es
mußte daher eine Lösung gesucht werden, um in der Fluchtentafel eine graphische
Angleichung an diese Verhältnisse zu ermöglichen, Als beste Lösung aus dieser
Schwierigkeit ergab sich der bei 10%, 5 aus der Salzgehaltsskala abzweigende
Kurvenast, dessen entsprechende S°/.,-Werte nach links unten verlagert erscheinen.
In praktischer Hinsicht ist zu beachten, daß die normale (gerade) S°/„,-Kurve
anterhalb 10%. S für den Bereich von — 2°C bis +18°C und der gebogene
Ast der S°/,-Skala für den Bereich von +18°C bis +30°C gültig ist.
Es ergeben sich beispielsweise folgende Werte:
So w°C v m sec | Su „t°C v m/sec
1.00 25.00 1494.4 | 21.17 14,50 1486.2
2.00 16.00 1492,7 2987 + 2.00 14478
17.43 4.00 1440.7 39.79 27.00 1541.4
Schrifttum.
1. Kalle, K. 1939, Einige Verbesserungen zur Bestimmung des gelösten Sauerstoffa im Meerwasser.
Ann. d. Hydr, usw. 1939, 267— 269.
2. Kalle, K. und Thorade, H. 1940, Tabellen und, Tafeln für die Dichte des Seewassers, Aus
dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums, Bd, 60, Nr. 2. .
3. Tables of the velocity of sound in pure water and sea water for use in echo-sounding and sound
ranging. Hydrographice Department, Admirality, Londen, 1927. 21/22.
de Erleichterung der Arbeitsweise empfiehlt es sich, in der linken unteren Tafelecke mittels
eines Reißbrettstiftes einen schwarzen Zwirnsfaden zu befestigen. Legt man diesen Faden, dessen
anderes Ende man mit der rechten Hand führt, über eine Nadel, die man mit der linken Hand lose
auf den jeweiligen S%/,g-Wert setzt, so ist es ein Leichtes, durch Strammziehen des Fadens und
Einspielen auf den entsprechenden Temperaturwert den dazugehörigen Wert der Schallgeschwin-
digkeit abzulesen.
Ann. d. Hydr. usw. 1941. Heit IV.