Kleinere Mitteilungen,
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paralleler Schnitte gewonnen und auf gemeinsame Längen umgerechnet wurden,
3ö daß ihre Formen vergleichbar sind. Der Textband beschäftigt sich nach ein-
leitenden Abschnitten über die Aufnahmevorrichtung, ihre Ausbringung, die Aus-
messung der Platten und deren Genauigkeit mit einer ausführlichen Besprechung
der Karten und Schnitte.
Was an den Höhenschichtenkarten sogleich auffällt, ist die unruhige Kraus-
heit der Formen, die nicht etwa auf Unsicherheit in der Ausmessung beruht,
sondern der Wellenoberfläche in Wirklichkeit eigentümlich ist. Aber auch die
Großformen bieten oft genug auf den ersten Blick ein verwirrendes Bild, und
der Schwerpunkt des Textbandes liegt deshalb in der Zergliederung der einzelnen
Wellenpläne in die sich kreuzenden Systeme von Dünung (oft aus verschiedenen
Richtungen) und Windsee. Nicht immer überwiegt eins von ihnen so stark, daß
es das Kartenbild beherrscht; dagegen sind die verschiedenartigsten Entwick-
lungszustände von junger bis zu ausreifender Windsee und vorwiegender Dünung
vertreten sowie Wellenhöhen von etwa 1'/, m bis zu mehr als 11 m und Wellen-
längen von etwas über 20 bis zu mehr als 200 m und, wenn man Interferenz.
gebilde mitrechnet, sogar bis zu mehr als 300 m (gemittelte Welle!), Natürlich
fehlen auch nicht mächtige Interferenzgebilde, wie trogartige Täler und hoch-
MNächenartige Wellenberge. Besonderes Interesse verdienen mehrere Folgen von
Aufnahmen an Bord der „Deutschland“, mit denen es gelang, die aus einem
wandernden Sturmfelde nach allen Richtungen laufenden Wellen im Laufe eines
Tages nacheinander unter verschiedenem Winkel zu treffen, und die an der Hand
von Wetterkarten näher besprochen werden. An den zahlreichen im Atlas ge-
gebenen Schnitten, unter denen die gemittelten Wellenlinien für den Gebrauch
des Praktikers genauer durch ihre Koordinaten festgelegt werden, fällt am meisten
ihre durchschnittlich geringe Steilheit auf. Das häufigste Verhältnis von Höhe
zu Länge ist 1:40 bis 1:50; doch kommen vereinzelt auch sehr steile Böschungen
vor, die bis über 40° hinausgehen. Als „Scheitelwinkel“ des Wellenkamms er-
gaben sich Werte von 180° bis herunter zu 122°, während bekanntlich die Theorie
als Grenze, ehe die Welle bricht, einen Winkel von 120° behauptet. Am Schlusse
findet sich eine Tabelle mit den wichtigsten zahlenmäßigen Ergebnissen. Mit
Recht hat der Verf. darauf verzichtet, aus den Bildern Schlüsse über die Be-
wegung der Wellen und die in ihnen steckenden Kräfte zu ziehen, da es sich in
den Bildern ja stets gewissermaßen um eine „gefrorene“ Meeresoberfläche handelt;
er fordert für die Zukunft stereophotogrammetrische Kinoaufnahmen, um in
diese Fragen einzudringen, und man darf auf Erfolge in dieser Richtung gespannt
sein. Man wird daher in der vorliegenden Bearbeitung in der Hauptsache eine
ausführliche Sammlung von zahlenmäßig in verschiedenster Hinsicht aufbereiteten
tatsächlichen Unterlagen für eine Gestaltlehre der Wellen zu erblieken haben.
Als eine erste Anwendung gibt der Verf. einen Vergleich der üblichen Skala
der Schätzung des Seeganges mit seiner Ausmessung, bei dem sich zeigt, daß
für die Schätzung nicht nur die Höhe, sondern auch die Länge der Wellen in
Betracht kommt. Eine Karte der Häufigkeit der Seegangsstärken in den ver-
schiedenen Teilen des Weltmeeres hat das merkwürdige Ergebnis, daß überall
ruhige bis mäßig bewegte See (Seegang IV) durchaus vorherrscht, selbst in den
stürmischen Südbreiten und im Gebiete des Südwestmonsuns. H. Thorade.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Harang, Leiv: Das Polarlicht und die Probleme Darstellung der Nordlichterscheinungen und der
der höchsten Atmosphärenschichten, Probleme Ergebnisse der spektroskopischen Untersuchungen
der Kosmischen Physik, Bd. XX, hsg. von Ch. 'ührt er den Leser in die Probleme der Anregungs-
Jensen, Akad, Verl.-Anst. Becker & Erler, prozesse ein, die der Deutung der Linien und
Leipzig 1940. 120 5S,., mit 72 Fig. und 17 Tab. Banden zugrunde liegen. Die Strahltheorie von
Im vorliegenden Bändchen gibt der Leiter 3Störmer, die Modellversuche von Birkeland
des Nordlichtobservatoriums in Tromsö eine kurze »i8 Brüche werden kurz und prägnant dargestellt,
Zusammenfassung der neuesten Erfahrungen über 5ei der Frage nach Druck, Zusammensetzung und
den physikalischen Zustand und die Vorgänge der Temperatur wird, wegen der stark wechselnden lonen-
oberen Atmosphäre in der Nordlichtregion. Nach dichte, zugunsten starker Temperaturänderungen