102 Annalen der Hydrographie und Maritirmen Meteorologie, März 1941.
Gebirgsrücken von einer grauen, einförmigen Wolkenmasse eingehüllt, die am
südlichen Hang in die tief eingeschnittenen Täler hinabsinkt. An einzelnen Stellen
schweben Nebelfetzen, Die Luft ist klar und läßt Felsen und Schrunden gut
erkennen, Im N türmen sich weiße Cu hinter dem Bergkamm auf. Nach W und
8 lockert sich das Gewölk mehr und mehr auf, Die Ebene ist in blauen Dunst
gehüllt, — 20%: Das Thermometer zeigt noch 18°. Leichter Zug aus N. Alle
Wolkengebilde sind verschwunden, Ein sternklarer Himmel ist an ihre Stelle
getreten. Nur draußen im W und S sind einzelne Ci zu erkennen. Die Gesamt-
regenmenge des Tages betrug 17.5 mm. Grass, Geh. Reg.-Rat iR,
38. Stereophotogrammetrische Wellenaufnahmen von A. Schumacher?)
Weitaus das meiste, was man heute über die in der Natur vorkommenden
Meereswellen weiß, beruht auf Schätzung mit dem bloßen Auge unter Zuhilfe-
nahme einfachster Instrumente, wie Stoppuhr, Windmesser usw, Dem steht
gegenüber eine hochentwickelte mathematische Theorie; um aber die sich ihr
entgegenstellenden außerordentlichen Schwierigkeiten der Analysis zu bewältigen,
hat die Mathematik eine Reihe vereinfachender Voraussetzungen einführen müssen,
von denen keineswegs sicher ist, ob sie der Natur nicht Gewalt antun, Nur ganz
wenige Berührungspunkte gibt es zwischen Theorie und Beobachtung, sofern
man von den übrigens nicht zahlreichen Versuchen im Laboratorium absieht,
Aber auch hier steht die Übereinstimmung auf unsicherem Boden: So sind z.B.
die von der Theorie hergeleiteten Formeln für die Zusammenhänge zwischen
Länge, Periode und Geschwindigkeit der Wellen durch vielfache Messungen recht
gut bestätigt, und doch waren sie abgeleitet auf Grund der Annahme, daß die
Wellenlinie die Gestalt einer Trochoide hat, einer Annahme, die schon nach dem
bloßen Augenscheine und dem Zeugnisse wohl aller Beobachter nicht zutrifft,
ja, so wenig berechtigt ist, daß der Verfasser auf Grund seiner Messungen sogar
umgekehrt verwundert feststellen darf, daß „nahe Übereinstimmung zwischen
mathematischen Wellenlinien und tatsächlichen Schnitten auch unerwarteter-
weise {!} vorkommt“!
Es kann angesichts dieser Lage nicht nachdrücklich genug die Forderung
erhoben werden, daß zunächst einmal eine gesicherte Grundlage für alle theo-
retischen Überlegungen geschaffen werden muß, ehe man in der Lage sein wird,
die häufig nicht nur aus der Wissenschaft, sondern gerade aus der Praxis der
Schiffahrt, des Schiffbaus usw. herantretenden Fragen mehr als obenhin zu
beantworten.
Einen ersten Schritt hierzu stellt die Anfang unseres Jahrhunderts von
Laas eingeführte Stereophotogrammetrie dar, Nachdem dies Verfahren mehrfach
versucht ist — der bisher am besten gelungene Versuch dürfte derjenige auf
der Hochseemeßfahrt der „San Francisco“ 1934 sein, vgl, ®) —, legt A. Schu-
macher in der oben genannten Veröffentlichung die bisher umfangreichste und
eingehendste Bearbeitung dieser Art vor. Der Atlas enthält zunächst 17 Wellen-
pläne mit farbigen Höhenschichten und mit Höhenlinien von 20 zu 20 cm Höhen-
unterschied (') im Maßstabe 1:1000, die auf der Meteorexpedition aufgenommen
wurden; um auch ausgedehntere Sturmwellen untersuchen zu können, ergänzte
der Verf. seine Aufnahmen auf „Meteor“, bei denen sich nur ein Gesichtsfeld
von etwa 200 m Tiefe gewinnen ließ, durch solche an Bord der „Deutschland“
auf dem im Winter sturmbewegten Dampferwege von Europa nach Nordamerika
(13 an der Zahl}; hier stand ihm eine Standlinie von fast 15 m Länge und einer
Höhe von 24 m (auf „Meteor“ 6 bzw. 14 m) über dem Wasser zur Verfügung, die
ein Gesichtsfeld von 500 m Tiefe ermöglichte, An die Karten schließen sich zahl.
reiche Schnitte im Längen- und Höhenmaßstab 1: 500 und eine Reihe von Wellen-
linien an, die in langwieriger Rechenarbeit als Mittel aus einer großen Anzahl
1) Wissensch. Erg, der Deutschen Atlantischen Expedition a. d. Forschungs- und Vermessungs-
schiff „Meteor“ 1923—27, hersg. im Auftr. d. Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft von
A, Defant, Bd. VII, 2, Teil: Ozeanographische Sonderuntersuchungen, 1. Lieferung, — 86 Seiten m.
24 Abb, i. Text und 35 Autotypien a. 16 Taf, dazu ein Atlas mit 51, teilweise mehrfarbigen Beilagen, —
Berlın 1939, W, de Gruyter u, Co. — 4 Weinblum u. Bock: Stereophotogrammetrische Wellenauf.
nahmen. — Jahrb. d. Schifibautechoischen Ges, XXXVII, Berlin 1936, S. 214—250, 27 Abb. i. Text.