Georgi, J.: A. Behm, der Erfinder des Echolotes, 60 Jahre alt, 97
Aufsätzen erstmalig die neue Methode bekanntgemacht, sondern auch die
Bedingungen ihrer Anwendung für die Schiffahrtspraxis wie für die
Forschung in zahlreichen Abhandlungen entwickelt wurden. Dieser Gang ist
aus dem angefügten Verzeichnis von 22 Annalen-Aufsätzen über das Echolot
aus dem Jahrzehnt 1921 bis 1932 abzulesen. Es reicht von der ersten Veröffent-
lichung von Dr. Behm selbst im Jahre 1921 bis zur Kodifizierung der Echolot-
methode durch die 3. Internationale Hydrographische Konferenz in Monaco 1932,
Wie so manche bedeutende Erfindung verdankt auch diejenige des Echo-
iotes ihre Entstehung dem starken Eindruck, den ein großer Unglücksfall erregte:
Der Zusammenstoß der „Titanic“ am 15, April 1912 mit einem Eisberg veran-
laßte den jungen Gelehrten A. Behm, der sich als
Universitäts-Assistent in Karlsruhe unter Prof. Leh-
mann und als Leiter eines Forschungslaboratoriums
in Wien besonders mit der Ausbreitung des Schalles
beschäftigte, zu der Frage, ob man durch Auffangen
des an einem Eisberg unter Wasser (wegen der
viermal größeren Schaligeschwindigkeit in letzterem!)
arzeugten Echos diesen Eisberg und ebenso andere
Schiffahrtshindernisse rechtzeitig, auch bei Nacht
and Nebel, wahrnehmen könne, Hierbei wurde er
auf das viel allgemeinere Problem der akustischen
Lotung geführt. Seine ersten Versuche im Kieler
Hafen schienen allerdings die bis dahin herrschende,
durch u. a. von dem berühmten Hydrographen Maury
ausgeführte Versuche begründete Ansicht zu bestä-
tigen, daß wegen des im allgemeinen allmählichen
Überganges des Wassers in den Untergrund ein etwa
entstehendes Echo infolge seiner Schwäche nicht be-
merkt werden könne. Erst durch bewundernswürdige,
geradezu klassische Laboratoriumsversuche von zu-
gleich höchster Präzision und höchster Einfachheit konnte Behm in einem
gewöhnlichen Goldfisch-Aquarium die Schallreflexion an den Wänden und an
der Wasseroberfläche, auch z. B. an einem dünnen Löschblatt, aber auch ebenso
den Durchgang der Schalldruckwelle, z. B. durch Hartgummi, im Lichtbild auf-
langen und ausmessen. Bemerkenswerterweise waren es schon damals ultra-
kurze, also unhörbare Schallwellen, die Behm für diese Versuche benutzte. Im
Anschluß hieran gelangen auf dem denkbar ungünstigsten Gelände, im flachen
Wasser des Kieler Hafens, die ersten Echolotungen von Bord eines Schiffes,
Rückwärts betrachtet sind es gerade diese überaus schwierigen Anfangs-
bedingungen gewesen — sie verlangten von vornherein für eine Lotgenauigkeit
von 1 Meter eine Messung des Echoabstandes auf */,., Sekunde genau, die auch
äußerst scharf einsetzende Schalle forderte, damit Schall und Echo zeitlich
vetrennt werden konnten! —-, die schließlich Behm dazu führten, in seinem
Kurzzeitmesser auf rein mechanischem Wege; ohne Benutzung der damals
noch in den Anfängen stehenden Verstärkertechnik, eine Meßgenauigkeit von
etwa 1,00 Sekunde zu verwirklichen.
Auf vorstehender Grundlage schuf Behm nun praktisch verwendbare Lot-
geräte für die verschiedenen Anforderungen — auch diese rein mechanisch ohne
Verstärkereinrichtungen — für geringe, mittlere und große Wassertiefen, schließlich
die Ohrlot-Methode für Forschungszwecke. Er schuf das Luftlot, für das er 1927
mit der goldenen Plakette der „Union pour la Securit& en Aeroplane“ aus-
gezeichnet wurde und das auf dem deutschen Luftschiff „LZ 126“ erprobt wurde,
schließlich auch ein Lot, mit dem aus dem Luftfahrzeug Wassertiefen erlotet
werden konnten. Außerdem hat Behm, sogar vor seinem Echolot, das Fallot
geschaffen und hat die Lotmethode zur Untersuchung der Beschaffenheit des
Untergrundes empfohlen, ist also auch mitbeteiligt an der heute so bedeutsamen
„seismischen Untergrundforschung“, Bemerkenswert ist besonders, daß das Behn-
Luftlot im Gegensatz zu der sonst üblichen barometrischen Flughöhenmessung
PL
BE na % n