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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1941,
6. Physikalische Erklärung.
Die physikalische Erklärung für das Übereinstimmen der 13tg. Welle mit
den auch auf anderen Wegen gefundenen Singrularitäten muß dieselbe sein, wie
sie bei den Spezialuntersuchungen von Wellen insonderheit von der Leipziger
Schule gegeben wurde. Die 12 bis 13tg. Welle wird als Überlagerung einer
22 bis 24tg. Polar-Welle mit der 33 bis 36tg. „kontinental-maritimen“ Steuerwelle
aufgefaßt (siehe bei Preusche). Die Polarwelle, die von Schwerdtfeger durch
die Abtropftheorie erklärt wird, hat zu der anderen ein bestimmtes Verhältnis,
sodaß daraus eine Konstanz der Ausbruchgebiete resultiert. Wenn auch der
Ausbruch nicht immer in derselben Richtung erfolgt, so wird sich doch an einem
bestimmten Ort im Mittel der Ausbruch der Kaltluft zu bestimmten Terminen
verfolgen lassen,
Eine weitere Erklärung kann von seiten der 7tg. Welle gebracht werden,
indem man von der Ungleichmäßigkeit dieser Welle ausgeht. Diese ist an diesem
Material schon bewiesen, Sie besagt, daß jedes Maximum nicht gleich hoch ist,
sondern vielmehr jedes zweite Maximum höher bzw, niedriger ist als das be-
nachbarte, Dies war bei den meisten Einzelfällen und daher auch im Mittel der
Fall, Es fiel nun fast immer dies höbere Maximum der 7tg. Welle mit dem
Maximum der 13tg. Welle zusammen, so daß sich beim Zusammenfassen der
beiden Wellen eine weitere Asymmetrie der dann ebenfalls überwiegend 7tg. Welle
ergibt. Oder m, a, W., es kann angenommen werden, daß der 13tg. Welle nur
eine rein formale Bedeutung zukommt (?*) Bei der Zerlegung der Wellen be-
kommt man dann eine verhältnismäßig gleich schwingende 7tg. Welle, Die vor-
handenen Ungleichmäßigkeiten der verschiedenen Maxima werden durch die
13tg. Welle dargestellt, da diese Welle an dem höheren Maximum der 7tg, Welle
gleiche Phase mit ihr hat. An dieser rein formalen Bedeutung kann auch so-
lange festgehalten werden, solange die oben gegebene Erklärung der 13tg. Welle
nicht durch andere Untersuchungen gestützt wird (8, a. Preusche).
Bei dem zuletzt gegebenen Gedankengang käme es auf eine Erklärung der
7tg. Welle hinaus, Diese ist aber bereits gegeben, einmal in der 6tg. Periode
der Bjerknesschen Zyklonenfamilien und zweitens in der etwa 7tg. Periode der
Kaltluftanusbrüche. Auch sonst ist eine 7tg. Welle im Wetterkartenbild oft vor-
handen, die beim Überwiegen der 7tg. Welle sehr auffallend und deutlich ist.
Da aber die 7tg. Welle offenbar unsymmetrisch ist, hat man nur bei jedem
zweiten Maximum eine Singularität zu erwarten. Zur Zeit des anderen Maximums
ist ein geringfügiges Ansteigen der Niederschläge gelegentlich zu erwarten.
VIL Auswertung der Singularitäten.
Die Betrachtungsweise — Singularitäten als Wellenvorgänge — gibt einen
anderen Ausblick zur Benutzung der Singularitäten für Vorhersagen in den ein-
zelnen Jahren, Allgemein sind die Singularitäten zu einer kurzfristigen Vorher-
sage nur als Warnungssignale aufzufassen und die tägliche Benutzung der ge-
fundenen Singularitäten bestätigt auch, daß ohne weiteres die Termine nicht zu
benutzen sind. Legt man aber einen Wellenvorgang zugrunde, so läßt sich von
der einen auf die nächste Singularität schon etwas besser schließen, wie auch oft
beobachtet werden konnte, daß für längere Zeit die Singularitäten eine bestimmte
Zeitspanne früher oder später fallen, als es die mittleren Termine angeben, Darüber
hinaus ist es vielleicht ratsam, auch für die einzelnen Jahre eine Zerlegung in
Wellen vorzunehmen und die einzelnen Wellen zu extrapolieren. Daß die Wellen
in den einzelnen Jahren sehr deutlich und fast noch stetiger ausgeprägt sind
als in den hier verarbeiteten Mittel- oder Summenwerten, zeigen die Kurven im
Anhang der Preuscheschen Arbeit (S, 67 ff).
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der Singularitäten durch die Wellen-
betrachtungsweise bieten die Spiegelungspunkte, Aus den Preuscheschen
Zeichnungen auf 8. 67 geht hervor, daß auch in dem einzelnen Jahr fast am
gleichen Tag wie an dem aus dem Material gefundenen mittleren Termin ein
gut ausgebildeter Spiegelungspunkt auftritt. Analog ähnlichen Fällen, z. B. beim
Luftdruck, wird sich die Niederschlagskurve bis zum Spiegelungspunkt für die