Lange, E.: Über die Gewichte astronomischer Zeitbestimmungen,
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Zu 8. Die Abhängigkeit des Gewichtes von dem inneren mittleren Fehler
der Zeitbestimmung zur Definition heranzuziehen, ist sowohl verlockend als auch
bis zu einem gewissen Grade gefährlich. Dieser innere mittlere Fehler muß ja
durch Quadrierung aus den Abweichungen gebildet werden, um die sich die aus
den einzelnen Sternen ergebenden Uhrstände von den aus der Gesamtzahl aller
Sterne sich ergebenden mittleren Uhrständen unterschieden. Da bei der Beob-
achtung der einzelnen Sterne trotz Abblendung durch Gitter- oder Lochblenden
noch immer Helligkeitsunterschiede übrig bleiben, andererseits der eine oder
andere Stern infolge Bewölkung auf Hin- und Rückweg nicht mit gleichen Blenden
beobachtet wird, können einzelne Sterne infolge dieser Einflüsse größere Ab-
weichungen im Uhrstand gegen das Mittel aufweisen, die dann ihrerseits wieder
eine beträchtliche Unsicherheit in der Bestimmung des inneren mittleren Fehlers
darstellen, In diesem Zusammenhang wären weiterhin die immer noch zum Teil
vorhandenen Katalogfehler einzelner Sterne zu nennen sowie eine mit der Zeit
fortschreitende Ermüdung oder aber auch Gewöhnung des Beobachters innerhalb
einer Zeitbestimmung und schließlich der Einfluß der Gesichtsfeldhelligkeit, der
nach N. Stoyko (6) verhältnismäßig große Werte annehmen kann und besonders
bei den Zeitbestimmungen eine nicht unwesentliche Rolle spielt, die infolge der
Witterungsverhältnisse in der Dämmerung begonnen werden müssen, Inwieweit
eine Abgleichung der Gesichtsfeldhelligkeit durch Benutzung eines Polarisations-
filters, dessen Notwendigkeit und Anwendung ich an anderer Stelle dargelegt
habe (1), gelingt und damit diesen Einfluß ausschaltet, läßt sich infolge zu
geringer Erfahrungen zunächst nicht ohne weiteres feststellen. Auch wären hier
nochmals die bereits unter 1. angeführten Genauigkeitsunterschiede bei der Beob-
achtung von Sternen verschiedener Deklination zu nennen. Alles in allem kann
man also sagen, daß die Heranziehung des mittleren Fehlers einer Zeitbestimmung
zur Gewichtsermittlung derselben, wenn überhaupt, dann nur mit größter Vor-
sicht erfolgen darf,
Zu 4. Es ist selbstverständlich, daß nach der von Th. Albrecht gegebenen
Formel für die Genauigkeit der Durchgangsbeobachtungen (7) ein größeres Durch-
gangsinstrument genauere Zeitbestimmungsergebnisse liefert als ein kleineres,
sofern die Möglichkeit einer dauernden und schnellen Kontrolle der Instrumental-
konstanten unangetastet bleibt. Doch können wir diesen Punkt der Beeinflussung
des Gewichtes durch das Instrument bei unseren Betrachtungen vollständig aus-
schalten, da das bei der Untersuchung verarbeitete Zeitbestinmungsmaterial von
ein und demselben Instrument herrührt. |
Zu 5. Unsere Erfahrungen über die Abhäugigkeit der Zeitbestimmungs-
genauigkeit von den meteorologischen Verhältnissen sind noch äußerst gering.
Wir wissen wohl aus Erfahrung, daß schr ruhige Bilder, verursacht durch Hoch-
nebel, gelegentlich stark verfälschte Zeitbestimmungen liefern, während andererseits
Zeitbestimmungen, die bei Rückseitenwetter angestellt werden, trotz ihrer in bezug
auf Ruhe und Schärfe keineswegs vorzüglichen Bilder im allgemeinen recht gute
Resultate liefern. Unser geringes Wissen über die meteorologischen Einflüsse
auf Zeitbestimmungen erstreckt sich heute zunächst nur auf die Wirkung der
unteren Luftschichten. Eine von H. CC. Freiesleben und dem Verfasser gemeinsam
durchgeführte Untersuchung dieses Einflusses der unteren Luftschichten ermög-
lichte die Feststellung desselben nur nach dem Korrelationsprinzip (8), und die
Größenordnung des Einflusses ergab sich als innerhalb des mittleren Fehlers
der Zeitbestimmung liegend, woraus wohl am deutlichsten die Unsicherheit unserer
Kenntnis auf diesem Gebiete hervorgeht, Wir sind also hier auf das mehr oder
weniger richtige Gefühl erfahrener Beobachter angewiesen, Das heißt aber mit
anderen Worten, daß eine strenge mathematische Formulierung des meteoro-
logischen Einflusses auf die Genauigkeit astronomischer Zeitbestimmungen heute
noch nicht möglich ist,
Zu 6. Soweit es sich um den Einfluß des konstanten Teiles der persönlichen
Beobachterfehler handelt, können wir diesen bei unseren Betrachtungen vernach-
lässigen, denn nach dem oben Gesagten und meiner seinerzeitigen Untersuchung
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