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Änpalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1940,
dieser Auswahlmöglichkeit des Beobachtungsabends auch Zeitbestimmungen
geringerer Güte, d.h. mit nur sehr wenig oder ungünstig verteilten Sternen
vorhanden. waren. Parallel mit der Verkürzung des mittleren Beobachtungs-
intervalls lief eine Erhöhung der Sternanzahl je Zeitbestimmung, Im erstgenannten
Zeitraum betrug die mittlere Sternanzahl je Zeitbestimmung etwa 8.1 Sterne, im
zweiten Zeitraum etwa 10,2 Sterne, Diese beiden Veränderungen, Verkürzung des
Beobachtungsintervalls und Erhöhung der Sternanzahl, brachten es zwangsläufig
mit sich, daß vom 1, Oktober 1933 an Zeitbestimmungen, deren Sternanzahl unter
and über dem Normalwert lagen, In wesentlich. stärkerem Umfange auftraten als
in dem vorangehenden Zeitraum, So schwankt z.B. die Sternanzahl des zweiten
Zeitraumes zwischen 3 und 18 Sternen, Es ist wohl. bei Betrachtung gerade dieses
Beispieles selbstverständlich, daB man einer dreisternigen Zeitbestimmung, deren
geringe Sternanzahl ja schon. sagt, daß sie unter besonders ungünstigen äußeren
Verhältnissen angestellt wurde, eine geringere Genauigkeit zuerkennen muß, als
eiwa einer zehnsternigen Zeitbestimmung, die ihrer großen Sternanzahl zufolge an
einem einwandfreien Abend beobachtet wurde, Das Unterlassen einer Gewichtsertei-
Jung würde unter den ebengenannten Umständen zweifellos zu unsicheren Werten
der Zeitsignalverbesserungen und überhaupt des gesamten Zeitdienstes führen,
Eine Schwierigkeit bei der Belegung astronomischer Zeitbestimmungen mit
Gewichten bestand darin, daß man a priori nichts über die Genauigkeit einer
Zeitbestimmung aussagen kann, und daß andererseits das Gewicht von den ver-
schiedensten. äußeren und inneren Einflüssen abhängig sein kann. Diese Einflüsse
sind uns jedoch zu einem großen Teile noch unbekannt,
Theoretisch müßte z.B. das Gewicht einer Zeitbestimmung von den folgenden
Faktoren abhängig sein:
1, Von der Anzahl der Sterne innerhalb der Zeitbestimmung,
3. Von der Verteilung der Sterne nach Deklinationen innerhalb der Zeit-
bestimmung,
3. Von dem inneren mittleren. Fehler der Zeitbestimmung,
4, Von dem Instrument.
5, Von der Rube und Schärfe der Bilder und überhaupt von den meteorö-
logischen Verhältnissen während. der Beobachtung.
6. Yon dem Beobachter.
Zu diesen sechs Punkten wäre folgendes zu bemerken:
Zu 1. Die Abhängigkeit des Gewichtes von der Anzahl der zur Zeitbestim-
mung verwendeten Sterne kommt zweifellos der Definition des Gewichtes, das
ja der Anzahl der Einzelmessungen proportional ist, am nächsten, Es darf
hierbei jedoch nicht vergessen werden, daß das aus der Beobachtung von Sternen
verschiedener Deklination gewonnene Zeitbestimmungsergebnis nicht von allen
Sternen gleichmäßig, sondern infolge des größeren mittleren Fehlers bei der
Durechgangsbeobachtung von Sternen höherer Deklination von diesen In stärkerem
Maße beeinflußt wird als von Sternen niederer Deklination,
Zu 2. Ich erwähnte bereits oben die im diesem Zusammenhang veröffent-
lichten Arbeiten, die das Ziel verfolgten, ein Beobachtungsprogramm mit Sternen
ausgesuchter Deklinationen so aufzustellen, daß sich für das Gesamtergebnis ein
Maximum der Genauigkeit ergab, Abgesehen davon, daß ich oben bereits die
Gründe dargelegt habe, weshalb diese Methoden iür einen laufenden Zeitdienst
nicht oder noch nicht zu verwerten sind, lag bei meiner Untersuchung ja gerade
der umgekehrte Fall vor, nämlich, aus einer gegebenen Deklinationsverteilung,
bei der die Voraussetzungen und Ergebnisse der obigen Untersuchungen nicht
berücksichtigt wurden, auf die zahlenmäßige Genauigkeit des Ergebnisses zu
schließen. Denn für die auf der Deutschen Seewarte nachfolgende Ausgleichung
der Zeitbestimmungsergebnisse zur Ermittlung von Stand, Gang und Akzeleration
der Quarzubren und zur Bestimmung der endgültigen Verbesserungen für die
ausgesandten und aufgenommenen Funkzeitsignale genügt es nicht allein, genaueste
Zeitbestimmüungen zu erhalten, sondern es ist vor allen Dingen notwendig zu wissen,
wie genau die einzelnen Zeitbestimmungen sind, um sie bei dem Ausgleichungs-
prozeß mit einem ihrer Genauigkeit entsprechenden Gewicht versehen zu können,