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Anzyalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1940,
Seewarte um 33%, womit wohl am besten die Richtigkeit und Zweckmäßigkeit
des eingeschlagenen Weges belegt ist.
Ich habe mich bei den seinerzeit geschilderten Methoden darauf beschränkt,
nur die rein rechnerischen Maßnahmen aufzuzeigen, denen die Zeitbestimmungs-
ergebnisse nachträglich unterworfen wurden, um auf diese Weise die starke
Streuung durch Ermittlung und Anbringung der Beobachterfehler sowie durch
Anwendung besonderer Ausgleichungs- und Glättungsmethoden zu vermindern,
um so zu Ergebnissen zu gelangen, die der Wahrheit möglichst nahe lagen.
D.h. mit anderen Worten, bei dieser seinerzeitigen Untersuchung wurden
die Zeitbestimmungsergebnisse unverändert, also so, wie sie sich aus der
Beobachtung und der Berechnung der Zeitbestimmung ergaben, für die weitere
Verarbeitung übernommen. Ich deutete jedoch schon damals einen weiteren
Weg der Genauigkeitssteigerung an, der darin besteht, durch Belegung der Zeit-
bestimmungen mit Gewichten die starke Streuung der Zeitbestimmungsergebnisse
vor ihrer Weiterverarbeitung zu beseitigen. Es ist selbstverständlich, daß ein vor der
Weiterverarbeitung seiner starken Streuung entledigtes Ausgangsmaterial im End-
ergebnis genauere Werte liefern muß als ein stark streuendes Ausgangsmaterial,
Die Aufgabe läuft also, ganz allgemein betrachtet, darauf hinaus, diesmal
nicht die Methoden der Weiterverarbeitung, sondern die Zeitbestimmungen selbst
zu verbessern, Die unmittelbare Anbringung der persönlichen Beobachterfehler
als eine Verbesserung an die Zeitbestimmungsergebnisse würde z.B. eine solche
gewünschte Verminderung der Streuung mit sich bringen. Das bis jetzt vor-
liegende Zahlenmaterial über diese Fehler ist jedoch noch zu gering, um zu
einer wirklich durchgreifenden Genauigkeitssteigerung zu gelangen. Deshalb
wird hier noch der Weg einer nachträglichen Bestimmung und nur mittelbaren
Anbringung dieser Fehler weiterhin zu beschreiten sein, wie ich ihn bereits
früher dargelegt habe (%).
Ebenfalls sei bei diesen Betrachtungen der Weg ausgeschlossen, die Zeit-
bestimmungsergebnisse durch Konstruktion eines neuen Beobachtungsinstrumentes
öder durch Entwicklung neuer Beobachtungsmethoden genauer zu gestalten,
Bei diesem letzteren Punkte wäre z.B, die reichhaltige Literatur kurz anzu-
deuten, die sich damit beschäftigt, durch eine besondere Deklinationsauswahl der
zu beobachtenden Nord- und Südsterne für die jeweilige Breite ein Maximum
der Genauigkeit für das Endergebnis der Zeitbestimmung zu erreichen.
So haben N.E, Nörlund (s) und B, Äurell (4) von den Grundformeln der
astronomischen Zeitbestimmung ausgehend für alle Breiten Kurven (Niveaukurven)
angegeben, die die Gewichte der Zeit- und Azimuntbestimmungen für verschiedene
Kombinationen der Sterne liefern. Die Ergebnisse — gleichzeitig bestmögliche
Zeit- und Azimutbestimmungen zu erreichen — lassen sich besonders bei Längen-
rermessungen, für die ein eigenes Sternprogramm aufgestellt wird, mit Erfolg
anwenden, nicht aber in einem laufenden Zeitdienst, wo bei einer solchen Häufung
der Zeitbestimmungen, wie sie heute notwendig ist, die Sterne möglichst in der
anmittelbaren Reihenfolge ihrer Rektaszension beobachtet werden müssen, und
wo infolge Zeitmangels die Auswahl und Bevorzugung bestimmter Deklinations-
bereiche nicht berücksichtigt werden kann, Abgesehen hiervon gehen die beiden
Verfasser bei ihren Untersuchungen von bestimmten Voraussetzungen aus, womit
also die Frage über die günstigste Wahl der Sterne bei Zeitbestimmungen „Im
allgemeinen“ noch nicht gelöst ist. Auch aus diesen Gründen schieden beide
Methoden bei der vorliegenden Untersuchung aus, Auch Th. Niethammer (3)
hat sich neben vielen anderen Autoren mit diesem Problem ausführlich beschäftigt
und gelangt, allerdings mit einer formelmäßigen Vernachlässigung, zu verhältnis-
mäßig einfachen und plausiblen Ergebnissen. Diese laufen jedoch ebenfalls auf
die Festlegung ganz bestimmter Deklinationsbereiche für die zu beobachtenden
Sterne hinaus und schieden damit aus den oben genannten Gründen für die vor-
liegende Untersuchung aus,
Mit dem Einsatz der Quarzuhren als Zeitnormale erfolgte ab Oktober 1988,
gleichzeitig mit der zu diesem Datum beginnenden internationalen, funkentele-
graphischen Längenvermessung, eine vollständige Umstellung des Zeitdienstes