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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Ann. d. Hydr, usw., LXVIIL Jahrg. (1940), Heft II. 
79 
Über die Gewichte astronomischer Zeitbestimmungen. 
Von Erich Lange, Hamburg, Deutsche Seewarte. 
Zusammenfassung: Als Vervollständigung: der in dieser Zeitschrift Baud 66, Seite 404 bis 419, 
1938 erschienenen Arbeit des Verfassers über die auf der Deutschen Seewarte beschrittenen Wege zur 
Genauigkeitssteigerung des Zeitdienstes wird in der nachstehenden Untersuchung gezeigt, daß nicht 
nur die seinerzeit dargelegien Methoden der Weiterverarbeitung und Ausgleichung der Zeithestimmungs- 
orgebnisse zu dieser Genauigkeitssteigerung geführt haben, sondern daß dabei auch eine rein rechnerische 
Genauigkeitssteigerung der Zeitbestimmungen selbst mitgewirkt hat. Nach einer kritischen Betrachtung 
aller Einflüsse, denen astronomische Zeitbestimmungen unterworfen sind und die zu einem Mißver- 
hältnis zwischen der Genauigkeit der Zeitbestimmungen einerseits uud den Angaben der heute benutzten 
Quarzuhren andererseits führen, werden drei Methoden besprochen und erläutert, die Zeitbestimmungs- 
zrgebnisse vor der Ausgleichung mit Gewichten zu belegen. Es wird gezeigt, daß die abgeleiteten 
Gewichtskurven neben der Lieferung einer durchaus plausiblen Maximalgenosehakeit tatsächlich eine 
nicht unbedeutende Genauigkeitssteigerung darstellen und auch sonst in jeder Beziehung unseren 
heutigen Kenntnissen über die Genauigkeit astronomischer Zeitbestimmungen entsprechen. 
In der Geschichte der Zeitmessung kann man einen immerwährenden, wechsel- 
seitigen Kampf um die Leistungssteigerung bei den Instrumenten und Methoden 
der astronomischen Zeitbestimmung einerseits und bei den Gangleistungen der 
zur Zeitbewahrung benutzten Präzisionsuhren andererseits beobachten, Augen- 
blicklich liegen die Verhältnisse so, daß die Genauigkeit der an den modernsten 
visuellen Durchgangsinstrumenten angestellten Zeitbestimmungen in keiner Weise 
den hervorragenden Gangleistungen der Quarzuhren, wie sie an der Deutschen 
Seewarte seit sechs Jahren zur Zeitbewahrung benutzt werden, entspricht. Um 
diese Genauigkeit der Quarzuhren wirklich erschöpfend ausnutzen zu können, 
müßte die Genauigkeit der Zeitbestimmungen etwa um das Hundertfache gesteigert 
werden. Eine derartige Steigerung ist aus Gründen, die ich an anderer Stelle 
ausführlich dargelegt habe (1)’), außerordentlich schwer zu erreichen, 
Noch vor einem Jahrzehnt war man gewohnt, das Ergebnis einer Zeitbestim- 
mung, d.h, also den durch die astronomische Beobachtung ermittelten Stand 
einer Präzisionspendeluhr als unumstößlich richtig anzunehmen, Etwaige Ab- 
weichungen dieses Standes wurden zumeist der Pendeluhr zur Last gelegt, 
Unsere Erkenntnisse über die Unzulänglichkeit der durch Zeitbestimmungen 
ermittelten Uhrstände sind jedoch seit der Inbetriebnahme der Quarzuhren soweit 
vertieft worden, daß wir heute bereits diese Unzulänglichkeiten und Fehler der 
Zeitbestimmungen mit Hilfe der Quarzuhren untersuchen und bestimmen. So 
bemühen wir uns, das oben angedeutete wechselseitige Spiel fortsetzend, die 
Genauigkeit der astronomischen Zeitbestimmungen den Gangleistungen der Quarz- 
uhren nach und nach anzupassen, 
Während wir z.B. früher über die persönlichen Beobachterfehler nichts oder 
zumindest nur sehr wenig aussagen konnten, diese also mit ihrem vollen Betrag 
yerfälschend in den gesamten Zeitdienst eines Institutes eingingen, können wir 
heute durch Vergleich der Zeitbestimmungsergebnisse mit den Angaben der 
Quarzuhren bereits mit ziemlicher Sicherheit Angaben über das Vorzeichen und 
zum Teil auch über die Größe dieser Fehler machen, 
Diese Ungleichwertigkeit der Zeitbestimmungsergebnisse und der Gang- 
leistungen. der Quarzuhren steht heute im Vordergrund der Zeitmessungsprobleme 
und verlangt gebieterisch, jeden Weg zu beschreiten, der eine Genauigkeitssteige- 
rung der Zeitbestimmungsergebnisse zur Folge hat, selbst wenn dieser Steigerungs- 
betrag auch nur gering ist, 
Ich habe in dieser Zeitschrift bereits über die Ausgleichungs- und Glättungs- 
methoden ausführlich berichtet (2), die dazu dienen sollten, diese Inhomogenität 
zwischen Zeitbestimmungsergebnis und Gangleistung der Quarzuhren wenigstens 
zum Teil zum Verschwinden zu bringen. Durch geeignete Methoden ließ sich 
dies, wie ich gezeigt habe, auch weitestgehend — allerdings durch Inkaufnahme 
einer recht beträchtlichen Rechenarbeit — erreichen, und diese Maßnahmen 
bedeufeten sogar eine Genauigkeitssteigerung des Zeitdienstes der Deutschen 
') Diese und die folgenden Ziffern beziehen sich auf das Schriftenverzeichnis am Schluß dieser 
Abhandlung. 
Ann. d. Hydr. usw. 1940, Heit IT.
	        
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