Kleinere Mitteilungen,
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25 km im Umkreis samt ihren dazwischenliegenden Tälern und Hochflächen von
ziner dicken vulkanischen Aschenschicht bedeckt sind, die Asche gleich einer
Rauchfahne oder in einem dichten Schleier durch die Luft, Noch ist hierdurch
die Sicht nicht getrübt, und die andine Gebirgswelt mit ihren zackigen Ketten,
den ihr aufsitzenden verschneiten Vulkankegeln und den tiefeingesunkenen Tälern
mit vereinzelten Seeaugen zeigt sich in ihrer bezaubernden Pracht, Bliutrot
sinkt im Westen die Sonne und übergießt die Gipfel dieser Gebirgswelt mit
einem feurigen Schimmer, während schon die Täler im blauschwarzen Schatten
des untergehenden Tages liegen. Ein unvergeßliches Bild!
Als wir nach längerem Ritt den Windschatten des Yulkans verlassen müssen,
um nach Überqueren einer Hochfläche die etwa 10 bis 15 km nördlicher gelegenen
Azufrales oder, wie ich es nennen möchte, das „Tal der zehn Fumarolen“, zu
erreichen, belästigt uns der mit unverminderter Stärke wehende Wind nicht in
dem Maße wie zuvor, da wir ibn im Rücken haben. Mit dem Untergang der
Sonne sinkt auch schnell die Temperatur, wenn auch vorerst noch der warme
Wind einen Ausgleich herbeizuführen scheint. Gegen 20L1 schlagen wir im
genannten Tal unser Lager auf, Der Mond steht voll und klar am Himmel und
beleuchtet die in einem Grau-Weiß gespenstisch erscheinende Landschaft, aus der
hier und dort gebleichte Baumstämme in Gruppen Oder vereinzelt hervorragen.
Der Wind wird stärker. Eine Stunde später kann man in der zuvor verhältnis-
mäßig klaren Landschaft nichts mehr erkennen. Dichte Aschenschleier wirbeln
durch die Luft, Aschenfahnen ziehen von den Hängen hinab über die Hochfläche
in nördlicher Richtung und nehmen jegliche Sicht, In Mund und Ohren, durch
die Sachen dringt die Asche ein. Unser notdürftig hergerichtetes Zelt bietet
auch keinen genügenden Schutz, denn überall schlägt sich die Asche nieder.
Beim Abendessen am Lagerfeuer kaut man mehr Asche als Brot. Es wird so
jästig, daß wir schnellstens unsere Lagerstätte im Zelt in Ordnung bringen, um
ans schlafen zu legen, Der Wind heult und droht des öfteren das festverankerte
und durch Steine beschwerte Zelt wegzureißen. . Fest in die Decken gerollt
liegen wir dicht beieinander und schlafen trotz des Sturmes und der Asche -vor
übergroßer Müdigkeit bald ein. Fröstelnd wachen wir am anderen Morgen auf.
Obwohl die Sonne schon am Himmel steht, ist die Luft eiskalt. Der Wind
weht mit ungebeugter Kraft. Wie am Abend zuvor, zieht in dichtem Schleier die
Asche durch die Luft. Fahlgelb erscheint das Licht der aufgegangenen Sonne.
Bei der Morgenarbeit werden die Hände vor Kälte klanım, so daß man sie
öfters über das entfachte Lagerfeuer halten muß. Nach kurzem Imbiß brechen
wir zum Rückmarsch auf. Auf der Hochfläche kann man sich nur schwer gegen
den Sturm im Sattel halten, Die Asche belästigt Reiter und Pferde, Gegen die
feine Asche schützen wir die Augen, indem wir die Mütze tief in das Gesicht
ziehen, und den Mund durch ein vorgebundenes Taschentuch, So geht es not-
dürftig. Die Pferde traben mit gesenktem Kopf langsam vorwärts, Ihr Körper
ist mit einer feinen Aschenschicht bedeckt, Die Zügel lassen wir locker hängen,
die Hände sind zu klamm, um sie fest, in der Hand halten zu können. So legen
wir unseren Weg zurück, ohne ein Wort miteinander zu sprochen; es hätte sich
überdies doch im Winde verloren, Wir reiten zu dritt und trachten nur danach,
in gemessenem Abstand einander zu folgen, um nicht noch mehr durch den
Pferdehuf aufgewirbelte Asche schlucken zu müssen. An den Abhängen des
Vulkans, besonders auf den steilen Schneeflächen, müssen wir mit aller Vorsicht
reiten, um nicht von dem böSigen Fallwind umgeworfen zu werden. Gegen 9b
läßt der Wind merklich nach. Wohltuend wirken die wärmenden Strahlen der
Sonne, Gegen Mittag erreichen wir unseren ersten Lagerplatz vom Tage zuvor.
Der Wind weht jetzt mit normaler Stärke, so daß ich von hier aus den Aufstieg
auf den Vulkan wagen darf, Nur vereinzelt ziehen noch Aschenfahnen durch
die Luft, Unter der Mittagshitze ist der Weg hangauf auf den Vulkan allerdings
sehr unangenehm, aber von seiner Höhe genießt man bei klarem Himmel und
strahlendem Sonnenschein einen wundervollen Rundblick über die weite Gebirgswelt.
Von den Termas de Puyehue war von dem Vulkan am Morgen des Tages
unserer Rückkehr nichts zu sehen, Eine dichte Aschenfahne, die weithin über
die Anden in das Längstal sich ausdehnte, verhüllte ihn völlig, Dr. H. Falke.