Goedecke, E.: Die heutige Kenntnis v. d. Morphol, u. Hydr. d, Helgoländer Tiefen Rinne usw. 419
[solinien in hydrographischen Horizontalverteilungskarten oder besonders her-
voriretende Kurvenzacken in Jahresverläufen hydrographischer Feuerschiffs-
bdeobachtungen sprechen allein in vielen Fällen noch nicht für eine bevorzugte
Bewegungsrichtung des jeweils zu berücksichtigenden Wasserkörpers,
7. Rückblick,
{n zusammenfassender Weise soll noch einmal darauf hingewiesen werden,
daß für die hydrographischen Verhältnisse der Deutschen Bucht zum erstenmal
rein empirisch Neigungswinkel der Grenzflächen zwischen den beiden Wasser-
körpern dieses Meeresgebietes berechnet worden sind. Die Grenzwerte dieser
Winkel bewegen sich im vorliegenden Fall zwischen rund 11’ und 2’ [vgl. auch
“/ı8) auf 5. 8 bis 13]. Als vorläufiger Mittelwert kann bis jetzt der Winkel von
rund 6° angegeben werden.
Zum morphologischen Teil dieser Arbeit ist in diesem Zusammenhang noch
zu sagen, daß es, wenn man einer einwandfreien Erklärung der Entstehung des
Helgolandsockels näher kommen will, nötig ist, einmal Tiefbohrungen und zum
anderen vor allem noch ausführlichere Schweremessungen auf und um Helgoland,
besonders im Gebiet der Tiefen Rinne, anzustellen,
Zum hydrographischen Teil ist besonders in methodologischer Hinsicht
Grundlegendes hinzuzufügen. Denn die vorliegende Abhandlung hat wieder ein-
mal gezeigt, mit welch großen Schwierigkeiten es verbunden ist, eindeutige
Aussagen über großräumige Versetzungen von Wasserkörpern zu machen, wenn
die vorhandenen hydrographischen Beobachtungen nur einen Einblick in den
Momentanzustand des thermohalinen Horizontal- und Vertikalaufbaus der Deutschen
Bucht erlauben und nicht zu gleicher Zeit auch in den dynamischen Ablauf der
Verhältnisse. Trotz der Vergleiche von für verschiedene Jahreszeiten entworfenen
hydrographischen Verteilungskarten auf Grund bestimmter Terminbeobachtungen
der Oberfläche sowie der Tiefe und der Berücksichtigung fortlaufender hydro-
graphischer Aufzeichnungen von festen Beobachtungspunkten (Feuerschiffen)
der Deutschen Bucht ist es nicht möglich, auch nur im großen und ganzen ein
abgerundetes Bild von den wahrscheinlichen großräumigen Wasserbewegungen
insbesondere unperiodischer Natur zu erhalten. Alle Aussagen auch hierüber
können bis jetzt nur beschränkt qualitativ sein. Deshalb wendet sich der Ver-
[asser in diesem Zusammenhang an die meeresbiologischen Fachgenossen mit
Vorschlägen hydrographisch-methodischer Art, Will man nämlich auch von
Dviologischer Seite einen tieferen Einblick in die dynamischen Verhältnisse eines
Gezeitenmeeres wie der Deutschen Bucht gewinnen, um z. B. Aussagen über Be-
ziehungen zwischen den unperiodischen Wasserbewegungen und den ökologischen
Veränderungen der Meeresfauna und -flora machen zu können — denn das will
man doch heute immer mehr [siehe Caspers und auch neuerdings Linke (1)] —,
50 ist es unbedingt notwendig, neben den geläufigen Methoden der biologischen
Feldarbeit exakte hydrographische Arbeitsmethoden anzuwenden, Die bisherige
Arbeitsweise, nur Temperatur- und Salzgehaltsbeobachtungen an vielen Punkten
der Oberfläche und am wenigen der Tiefe in einem bestimmten Meeresgebiet
der Deutschen Bucht in nicht systematischer Reihenfolge auszuführen, ist für
den vorliegenden Zweck gänzlich unzureichend. Man kommt sehon einen großen
Schritt weiter, wenn man die zu einer bestimmten Jahreszeit auszuführenden
hydrographisch-biologischen Stationen in systematischer Weise zu sogenannten
Vertikalschnitten vereinigt und diese netzartig über das Untersuchungsgebiet
jegt. Dabei müssen viele Wiederholungsstationen getätigt werden, um die zeit-
lichen und örtlichen Veränderungen des hydrographischen Zustandes erfassen
zu können, Diese Methode setzt aber voraus, daß sehr viele derartige Unter-
nehmungen zu verschiedenen Jahreszeiten auszuführen sind, um sich aus den
aufeinanderfolgenden hydrographischen Momentanbildern ein Bild von den un-
periodischen Wasserbewegungen zu machen [siehe Poseidonfahrten unter (s)
and (10). Auf streng quantitativer Grundlage kommt man in hydrographischer
Hinsicht nur weiter, wenn über längere Perioden an bestimmten Punkten vom
verankerten Schiff aus laufend direkte Strommessungen mit Hilfe der Strommesser