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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1940,
Zweifellos ist diesmal in den Strombeobachtungen eine ausgesprochene
stärkere westliche Strömungskomponente zu erkennen [siehe (13) 1936 auf S, 35
und 83]. In der Temperaturverteilung‘ (Abb. 11a und 11b) ist allerdings von
einem Westwärtssetzen des zu dieser Jahreszeit stark abgekühlten Ostwassers
nicht viel zu bemerken, Dies ist um sO schwieriger, als jetzt durch die zu-
nehmende Abkühlung die Konvektionsbewegungen eine gute Durehmischung von
der Oberfläche bis zum Boden vollzogen haben, so daß in vertikaler und auch
horizontaler Richtung keine großen thermischen Gegensätze zu erwarten sind.
Der Temperaturunterschied zwischen Oberfläche und Boden beträgt auf 54° N
und 08° E rund 1.3°C, Sowohl innerhalb des Gebietes der Tiefen Rinne als
auch in den Kerngebieten herrscht entweder geringe Temperaturzunahme oder
Homothermie vor, Nur im ostfriesischen Küstengebiet sind, durch die stärkere
Abkühlung des Oberflächenwassers hervorgerufen, größere Temperaturunter-
sehiede vorhanden, Die Temperaturzunahme zum Boden beträgt im Mittel
rund 22°C
Die Salzgehaltsverteilung in beiden Horizonten dagegen zeigt den Einfluß
der Wetterlage sehr deutlich (Abb, 12a und 12b). Durch die vorherrschenden
starken bis stürmischen Ostwinde sind die Wirbelregionen vor der Jade— Weser-
und Elbmündung im. besonderen Maße an der Oberfläche und weniger stark im
Bodenwasser ausgestaltet. Die halinen Gegensätze besonders in horizontaler
Richtung sind dadurch verstärkt worden, Der vertikale Salzgehaltsgradient da-
gegen beträgt auf 54° N und 08° E rund 10%. Im Gebiet des Kernes des Ost-
wasserkörpers nimmt der Salzgehaltsunterschied zwischen Oberfläche und Boden
bis auf rund 15% zu. Das salzhaltigere Wasser befindet sich wiederum im
Gebiet der Helgoländer Tiefen Rinne und ihrer Umgebung. Die Salzgehalts-
zunahme zum Boden ist allerdings nicht groß, sie beträgt nur etwa 0.5 bis 0.9 %o.
Betrachtet man die horizontale Lageverschiebung der 31.75 %/.-Ischaline zwischen
beiden Horizonten, so beträgt die Neigung dieser Isohalinenebene als angenommene
Grenzfläche zwischen den beiden Wasserkörpern durchschnittlich 6° 50”,
6. Die {jahreszeitlichen Schwankungen der hydrographischen Verhältnisse in der
südöstlichen Deutschen Bucht in Beziehung zu den Terminbeobachtungen deutscher
Nordseefeuerschiffe im Jahre 1935,
Im vorhergehenden Abschnitt wurde schon wiederholt darauf hingewiesen,
daß es sehr schwierig ist, Schlüsse über jahreszeitliche Schwankungen des hydrö-
graphischen Zustandes und über wahrscheinliche großräumige Wasserbewegungen
der Deutschen Bucht allein aus dem Vergleich der in verschiedenen Jahreszeiten
gewonnenen hydrographischen Momentanbilder für Temperatur- und Salzgehalts-
verteilung zu ziehen. Daher soll im folgenden versucht werden, die im vorigen
Abschnitt gewonnenen Ergebnisse mit den hydrographischen Aufzeichnungen
ortsfester Beobachtungsstationen in der südöstlichen Deutschen Bucht zu ver-
binden. Zu diesem Zweck werden zuerst die Temperatur- und Salzgehaltsbeob-
achtungen des Oberflächen- und Bodenwassers von F. Sch. „Elbe 1* des Jahres
1935 herangeholt. In den Abb. 13 und 14 sind die entsprechenden Jahresver-
Jäufe. der Beobachtungen in situ, die mittleren Jahresgänge und der Verlauf der
Extremwerte wiedergegeben, Die Kurven für den jährlichen Temperatur-
(Abb, 18a} und Salzgehaltsverlauf (Abb. 14a} sind aus Mittelwerten, die aus den
beiden an dem betreffenden Beobachtungstag gewonnenen Temperatur- und Salz-
gehaltsbeobachtungen der Oberfläche und des Bodens (aus etwa 20 m Tiefe) be-
rechnet wurden, entstanden, Diese einzelnen Mittelwerte sind praktisch das
arithmetische Mittel aus dem beobachteten Hoch- und darauffolgenden Niedrig-
wasserwert oder umgekehrt, Alle Termintage mit nur einer Beobachtung, wenn
die zugehörige zweite am nächsten Tag nicht in entsprechender Weise nachge-
holt worden ist, sind weggelassen [siehe die Anmerkungen dazu in der Ein-
leitung von (12)]. Über den Kurven (siehe Abb. 13a und 14a} sind dann die im
vorigen Abschnitt behandelten Pentaden und die Tage der hydrographischen
Momentanbilder besonders gekennzeichnet. Die November-Pentade und -Fahrt
des Jahres 1936 sollen in diesem Zusammenhang nicht weiter erwähnt werden,