Defant, A: Die ozennograph, Verhältnisse während der Ankerstation des „Altair“ usw. 13
im Mittelstrom scheinen während der 3!/, Tage der Beobachtungszeit nicht vor-
gekommen zu sein. Wie die Stromdiagramme in Abb. 1 und 2 zeigen, ließ sich
manchmal bei der einen oder anderen Komponente, abgesehen von den kurzen
Schwankungen eine bessere Deckung zwischen beobachtetem Stromverlauf und
der Kurvenanalyse finden, wenn die Kurvenüberlagerung der Trägheits- und
Gezeitenwelle auf etwas geneigte Graden aufgesetzt wurde, Dies würde bedeuten,
daß langsam vor sich gehende Anderungen auch in der Grundströmung vorhanden
gewesen sein dürften, aber sie können nicht sehr bedeutend gewesen sein. In
Abb. 8 (s. S. 14) habe ich für die Tiefen bis 50 m diese Änderungen der Grund-
strömung in Vektordiagrammen zur Darstellung gebracht. Diese Änderungen
sind ganz charakteristisch und zeigen sofort, daß während der ganzen Unter-
zuchungsperiode die Grundströmung von einem stationären Zustand weit ent-
fernt war, Man erkennt, um eines der Vektordiagramme zu erläutern, wie z.B.
in 5m Tiefe vom 17. Juni Oh bis 19. Juni 0b der Strom mit Geschwindigkeits-
zunahme nach links gedreht hat, und zwar etwa von N 60° W nach S 80° W, also
um 40° in 2 Stunden, dann aber bis zum 20. Juni 12b mit Geschwindigkeitsabnahme
nach N 85° W, also nach rechts zurückgedreht hat, also um 15° in 1!/, Stunden.
In den verschiedenen Tiefen sind diese unperiodischen Änderungen jedes-
mal mehr oder minderer Art; in allen ist aber der Zeitpunkt 19. Juni 0b ein
Wendepunkt. In 5m und 50 m Tiefe ist er sehr scharf, weniger in den Tiefen
15m und 30 m. Daß diese Änderungen des Stromvektors mit den Windschwan-
kungen in Beziehung stehen müssen, war zu erwarten. Bei dem Diagramm der
Tiefe von 15 m ist die Windrichtung und -stärke bei den einzelnen Zeitpunkten
eingetragen und man erkennt schon an diesen Pfeilen, daß bis kurz nach
19, Juni 0» Nordwind abnehmender Stärke geherrscht hat, während nach diesem
Zeitpunkt W- bis SW-Wind einsetzte und bis zum Ende der Verankerungszeit
bis zur Stärke Beaufort 5 anwuchs. Unter dem Einfiuß dieser Windschwankung
hat sich auch die Grundströmung geändert, und zwar ganz regelmäßig. Bei
Nordwind wurde die Stromkomponente nach Norden stetig kleiner, die Strom-
komponente nach Westen stetig größer,
Bei WSW—SW-Wind wurde die Komponente nach Norden in 5m und in
50 m Tiefe verstärkt, in 15 m bis 30 m Tiefe geschwächt (die Komponente nach
Süden verstärkt), die Westkomponente stetig in allen Tiefen geschwächt.
Diese Verhältnisse kann man ohne weiteres deuten als Wirkungen eines sich
unter Einwirkung des Windes ausbildenden Triftstromes, der aber von stationärem
Zustand noch absteht. Aber man bemerkt deutlich das Bestreben, eine Ablenkung
des Stromes nach rechts von der Windrichtung hervorzubringen, Das ist in der
Zeitperiode bis 19. Juni 0* ganz klar, dann wehte aber der WSW—SW-Wind fast
genau gegen den Grundstrom, In der Oberflächenschicht bestand seine Wirkung
in erster Linie in einer Schwächung dieser Grundströmung, in den unteren
Schichten ist aber bei Ausbildung der Ekman-Spirale zuerst eine Drehung des
Stromes nach links und dann wieder nach rechts zu erwarten und das ist auch,
was die Beobachtungen zeigen.
In den großen Tiefen ab 100 m sind die unperiodischen Änderungen etwas
kleiner als in der Deckschicht bis 50 m und gleichzeitig in den verschiedenen
Tiefen ungleichartig, sodaß in ihnen kein System zu sehen ist; aber unperiodische
Schwankungen waren auch in diesen größeren Tiefen unbedingt vorhanden, Die
unperiodischen Änderungen bis 50 m Tiefe wurden in Abb. 8 etwas ausführlicher
dargestellt und hier besprochen, weil solche Beobachtungen von Stromänderungen
unter unmittelbarer Einwirkung von Windänderungen im freien Ozean sehr selten
sind und deshalb einiges Interesse beanspruchen können.
2. Die ozeanographischen Serien auf der Ankerstation des „Altair“,
Die 88 ozeanographischen Serien, die stets genau in einstündigem Intervall
während der ganzen Verankerungsperiode durchgeführt wurden, geben ein aus-
zezeichnetes Material, die mit den Trägheitsschwingungen und mit der halb-
tägigen Gezeitenwelle verknüpften Schwankungen im 0Ozeanographischen Aufbau
an der Ankerstation näher zu verfolgen. Um die zeitlichen Änderungen in der