102 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1940,
wart herauskommt. Der Sommer 917 900 (vor Charles E. Deppermann, Typhoons and De-
1850) und der Winter 938 600 (vor 1850) hatten —pressions Originating to the Near East of the
(in 45° Breite) das größte Bestrahlungsdefizıt gegen- Philippines. Veröff, d, Weather Bureau, Manil®
über der Gegenwart: hierfür würde ich das Öentr, Office, Manila, Bureau of Printing 1939.
skandinavische Vereisungszentrum als 14458.)
etwa einen halben bzw. ganzen Grad CC Mit dieser Schrift, die von 22 erläuternden
kälter als heute ergeben. Das erscheint nicht Wetterkarten des Philippinengebiets begleitet ist,
eben viel. Erheblich kälter allerdings ist Sibirien, setzt der Verf. die Reihe seiner Arbeiten zur Wetter-
und in der Kaltluftadvektion von dort erblickt and speziell Taiftunkunde des Fernen Ostens fort.
Spitaler ein für die Herbeiführung der eiszeit- Er untersucht hier nur solche Taifune (im ganzen 18
lichen Temperaturerniedrigung in Europa wesent. der Jahre 1924 bis 1938), die mit Bestimmtheit
liches Moment, obzwar, wie wir hinzufügen möchten, im Raume zwischen Philippinen, Bonin-Inseln,
in den Ieothermen bzw. Isallothermen der Anteil Marianen und Karolinen ihren Ursprung haben.
jedenfalls der gegenwärtigen Advektion bereits mit Nicht behandelt wird — aus Mangel an Beob-
enthalten jst. schtungen ron dort — die wohl bedeutungesrvollste
Neben der Temperaturerniedrigung ist auch Art von Taifunen mit Geburtsstätte südlich und
reichlicher Niederschlag für das Zustande- Östlich der Marianen und Karolinen,
kommen einer Eiszeit zu fordern, aber wenn der Das Ergebnis seiner Untersuchung faßt
Verf. (S. 38) aus allgemeinen Zirkulationsbetrach- Deppermann wie folgt zusammen:
mngen sowohl für besonders kalte Winter wie für (1) Die Wetterlagen zur Zeit der Bildung von
besonders warme und sowohl für besonders kalte Depressionen und Taifunen im nahen Osten
Sommer wie für besonders warme — also eigent- der Philippinen grappieren sich zwanglos
lich für alle nichtnormalen Sommer und Winter — in Überraschend wenige charakteristische
vergrößerte Niederschläge folgert, so möchte man Typen, deren bedeutendste das gewöhnliche
doch ein Fragezeichen setzen. Kinige spezielle Dreimasseneck („triple-point“ bei Depper-
Untersuchungen über die Temperatur-Niederschlag- mann) ist und ein neutraler Punkt zwischen
Beziehung in der Jetztzeit, die Spitaler im Passat und sich verzweigendem Südwest-
weiteren anstellt, liefern denn auch keineswegs mMONsSUB,
besonders eindeutige Ergebnisse, mit Ausnahwe Nur eine kleine Depression fand sich,
des einen, daß zu kalte Sommer (und weniger die mit Sicherheit auf den Philippinen
ausgeprägt die milden Winter) nicderschlagsreich selbst. ihren Ausgang nabın,
sind, ‚Dementsprechend sieht Spitaler kalte Kein Taifun wurde festgestellt, der in
Sommer und milde Winter als das hauptsächliche einer homogenen Lultmasse entstanden
Erfordernis für das Zustandekommen einer Eis- wäre, ein Ergebnis, das gleicherweise bereits
zeit an, für die Taifune des Südchinesischen Meeres
In den Kapiteln XII und XIII seines Buches vefunden wurde.
interpretiert der Verf, die von ihm gewonnene eis- Wenn man hauptsächlich nach den Boden-
zeitliche und nacheiszeitliche Bestrahlungskurve eobachtungen urteilt, so scheint es, daß
im einzelnen und setzt. sie zu den bekannten Eis- ein Taifun sich bildet, wenn starke, un-
zeit- und Zwischeneiszeit-Abschnitten in Beziehung, Kompensierte Konyektion feuchter tropischer
so deren absolute Chronologie festlegend, Darüber Luft an einer Frontalzone über einem aus-
ainaus findet er, auf Farlands Daten der Exzen- gedehnten Gebiet stattfindet, wobei die
;rizität fußend, noch Wärme- und Kälteperioden Konvektion zum mindesten durch Boden-
aöherer Ordnung, nämlich (bezogen auf das Jahr konvergenz verschiedenen Type, mit oder
1850): ohne den dynamischen Effekt einer Höhen-
Kalte Periode von 3 300 000 —— 2 252 000 divergenz, verursacht wird und im all-
= 10418000 Jahre. gemeinen durch ein schon . vorhandenes
Warme Periode von 2252 000 — 1 330 000 Gebiet. tiefen Druckes und eine Tendenz
= 922 000 Jahre zur Zirkulation im Gegenzeigersinne da-
Quartäre Eiszeit von 1 330 000 —>- 50 000 selbst unterstützt wird.
= 1280000 Jahre ‚ Deppermann kommt also zu einer modifi-
Warme Periode von 50 000 —- 480 000 zerten Konvektionstheorie der Taifune, Ihr gegen-
= 530000 Jahre über Abt es aber doch zu denken, daß es die ein-
Kalte Periode von 480 000 => 1 500000 ige Zyklone, deren Entstehung über den Phbilip-
= 1020000 Jahre, pinen selbst studiert werden kann und die mit
Hiernach wäre in etwa einer halben Million Jahren ner kräftigen Steigerung‘ und Ausbreitung der
eine neue Eiszeit fällig. Konvektion einhergeht — am Haupttage haben
Bezüglich der verflossenen Eiszeit kommt mindestens 31 Stationen über 50 mm, davon 7 über
Spitaler zu dem eek daß sie, bei 100 mm Regenfall! — nur auf 3 mm Drucktall
allen Gletschervorstößen und -rückzügen, doch bringt und hiernach über See wieder verschwindet,
eine einheitliche Erscheinung war, in der Sollte vielleicht eben hiermit ein Beispiel. für das
die alpine Gliederung nicht als eine ausgesprochene zyklogenetische Vermögen der „reinen Konvektion“
anzusehen ist, M. Rodewald. gegeben sein? M. Rodewald.
B. Bücher- und Zeitschriftenschau.
a) Neue Bücher.
Brown’'s Naukical Almanae. Incorporating von der geomagnetischen Lage des Beob-
„Pearson’s Nautical Almanae“. Daily Tide achtungsortes. Dresden, Techn, Hochschule,
tables for 1940, Ed. by J. R.Brown, Glasgow: Dissertation 1940. 768, 8%
Brown, Son and Fergusson. Gebhard, M, Über den Einfluß des Welters
Burdack, H. Die tägliche Variation der auf die Darmpassage, Jena, Medizin, Disser-
magnetischen Deklination in Abhängigkeit tation 1940. 438. 8%
4)