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Full text: 68, 1940

100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1940, 
Atmosphäre und durch die Meeresströmungen, 
„Im nächsten Teil bringt der Verfasser die 
Übertragung der Temperaturanomalien durch die 
Atmosphäre und zeigt, daß, da die Lufttemperatur 
ler untersten Schichten der Atmosphäre schr wenig 
ron der Wassertemperatur abweicht, beziehungs 
weixe diese schnell annimmt, sich dadurch die 
Druckverteilung verändert oder verschiebt, die 
wiederum Veränderungen und Verschiebungen in 
den. benachbarten Gebieten nach sich zieht, Diese 
Veränderungen und Verschiebungen der Drueck- 
verteilung in einem bestimmten Gebiet des Ozeans 
rufen auch in anderen Gebieten, die manchmal 
sehr weit vom ersten entferat liegen können, Tempe- 
-atar- und Druckveränderungen hervor. Zeit und 
Richtung, in der sich die Anomalie ausbreitet, ist 
tür jedes Gebiet bestimmt, aber von dem anderen 
verschieden. 
Zeichnung } zeigt den Unterschied zwischen 
der Temperatur des Wassers und der der Luft, 
Auf der Abszissenachse ist der Unterschied der 
Temperatur der Wasseroberfläche und der Luft in 
Celsiusgraden angegeben, auf der Ordinatenachse 
lie Zahl der entsprechenden Beobachtungen von 
Juli bis September 1935 im Grönland-, Barents- 
and Karischen Meer, gemessen auf der Expedition 
der Sadko. Zeichnung 2 bringt Abweichungen der 
Temperaturschnitte längs des Kolameridians vom 
15, Januar vom vieljährigen Mittel, Abweichung 
der Wintertemperatur der Luft (Dezember-Februar} 
auf der Halbinsel Wellen vom vieljährigen Mittel 
and zuletzt die Eisrerhältnisse im Tschukotskischen 
Meere in Ballen gemessen, Zeichnung 3 bringt den 
Druck für eine Reihe von Jahren im Dezember 
auf Kap Barrow und im Zentrum des isländischen 
Minimums. In einem weiteren Abschnitt behandelt 
ar die Frage, wie sich eine entstandene Anomalie 
‚m oberen Teil der Strömung bei bestimmten Vor- 
aussetzungen auf die tiefer gelegenen Teile der 
Strömung auswirkt, Zur Veranschaulichung bringt 
er in Zeichnung 4: I =- mittlere Maitemperaturen 
der Schnitte am Sognefjord; IL= mittlere Mai. 
ijemperaturen der Schnitte bei den Lofoten; III = 
mittlere Maitemperaturen der Schnitte längs der 
Kolameridians; IV = Fläche offenen Wassers im 
Barentsmeer während des Mai (Zeichnung 4 ist 
Schokalskis Lehrbuch der Ozeanographie ent 
nommen). Selbstverständlich werden neben der 
Temperatur- und Druckanomalie auch alle anderen 
Anomalien physikalisch-chemischen Charakters 
übertragen, was aber nur in ziemlich großen Zeit- 
räumen erfolgt. Beispielsweise braucht eine Tempe- 
raturanomalie der atlantischen Gewässer, die im 
Nordwesten von Spitzbergen beobachtet worden ist, 
4 bis 4,5 Jahre, um bis zur Beringstraße zu gelangen, 
Im tetzten Teil bespricht der Verfasser eine 
Entstehung einer Temperaturanomalie bei Verände- 
rung der Stromgeschwindigkeit und bringt eine 
Formel der Differentialrechnung, die von Somow 
in die ozeanologische Praxis eingeführt worden ist. 
Aus seinen Darlegungen folgt, daß eine Geschwin- 
digkeitserhöhung oder Erniedrigung der Strömung 
einae Verstärkung «der Schwächung des hydrau- 
schen Druckes zur Folge hat und die Bildung 
ner freien Welle nach sich zieht. Hierauf kann 
an unter bestimmten Voraussetzungen die be- 
gannte Formel von Lagrange anwenden, und zwar 
=D, 
darin ist g == Schwerebeschleunigung, p = die Tiefe 
les Meeres und € = dıe Geschwindigkeit der Welle, 
Diese Formel kann mit großer Annäherung auch 
auf die Temperaturweile angewandt werden und 
so erhalten wir, daß Temperaturanomalien, die sich 
als Resultat einer Geschwindigkeitsänderung der 
Strömung gebildet haben, von einem Gebiet des 
Meeres zum anderen mit einer (jeschwindigkeit 
ausbreiten, die wesentlich höher ist, als die Ge 
schwindigkeit, mit der sich Temperaturanomalien 
durch die Atmosphäre oder die Meeresströmungen 
übertragen, M. Wentzel-ron Glasenapp. 
Johannes Georgi: Im Eis vergraben. Erlebnisse 
auf Station „Eismitte‘* der letzten Grönland- 
Expedition Alfred Wegeners. 5. vermehrte 
Aufl, München: Verlag des Blodigschen Alpen- 
kalen ders Paul Müller [1440]. Preis geb, 4.50 RM. 
Sieben Jahre nach dem ersten Erscheinen (vgl. 
diese Zschr. 1934, S, 221) kommt der 80 anschau- 
liche Erlebnisbericht nun zum fünften Male heraus 
and zwar um rund 40 Seiten erweitert, ein Beweis 
dafür, wie stark die Anteilnahme am damaligen 
Geschehen noch ist und wie für künftige Aufgaben 
vorgearbeitet wird, 
Besonders das Eingeheo anf die wissenschaft- 
lichen, seelischen und reisetechnischen Voraus- 
setzun gen der Forschungsreise trug zur Ver- 
breitung des Buches bei, und so fügte der Verfasser 
in dieser Richtung noch einıges hinzu, wie 
Außerungen Wegeners und vor allem drei An- 
hänge, Der wichtigste unter diesen ist die 
„Denkechrift über eine Inlandeis-Expedition nach 
Grönland“ von A. Wegener selbst, ein wort- 
getreuer und vollstäcdiger Abdruck des Expeditions- 
Planes, wie er den Leitern der verschiedenen 
Arbeitsgebiete einst. von Wegener zur Vorbereitung 
übergeben wurde, Dieser Plan war bisher nur in 
Heft 2 der Schriftenreibe „Deutsche Forschung‘, 
herausgegeben von der Notgemeinschaft der 
Veutschen Wissenschaft, abgedruckt und ist im 
eigentlichen Expeditionswerk nicht enthalten. (Dort 
ist nur ein vorläufiver Bericht an die Notgemein- 
schaft aufgenommen, der auf der Reise jedoch in 
yesentlichen Punkten verlassen wurde.) Der zweite 
Anhang bringt eine Zusammenstellung der Aus- 
:üstungs-Gewichte der Station Kismitte, der dritte 
Angaben über den Proviantbestand von Eismitte 
'or Wegeners Abreise am 1, November 1430, 
Aufzeichnungen, die, wie die gesamte Darstellung, 
nicht nur für diese Expedition von Wert sind, 
Ebenfalls im Hinblick auf spätere Unternehmungen 
wurden an einigen Stellen Überarbeitungen vor- 
Zenommen; vor allem wurde der Abschnitt über 
Jie Erforschung des Inlandeises auf den heutigen 
Stand der Wissenschaft gebracht. Der größere 
zeitliche Abstand hingegen jührte dazu, einige 
Bemerkungen fortzulassen, die für neue Planungen 
nicht von Belang sind, 
Es liegt also ein Werk vor, das als Erginzung 
zu den ‚Wissenschaftlichen Ergebnissen der Deut- 
schen Grönland-Expedition A, Wegener‘ anzusehen 
ist und das, ein Zeugnis lebendigen deutschen 
Forschergeistes, den Weg in die Zukunft weist. 
IL Charisins. 
Seemannschaft, Handbuch für Unterricht und 
Praxis, Auf Veranlassung der Inspektion des 
Bıldungswesens der Marine bearb. v. Admiral 
W. Gladisch und Fregattenkapitän A. Schulze- 
Hinrichs, 2.durchgesehene u. erweiterte 
Auflage, Berlin: Miuler & Sohn, 1940. 4168, 
358 Abb. im Text, 5 Taf, Preis geb. 10 RM, 
Das Handbuch, dessen erste Auflage 1935 an 
Stelle des vergriffenen „Leitfadens der Seemann. 
schaft“ von Admiral Dick erschien und starken 
Erfolg hatte, ist für die Zwecke der K rTiessmarine
	        
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