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Volltext: 68, 1940

388 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1940. 
anscheinend wegen des geringen vertikalen Austausches bei Schichtbewölkung. 
Der Seewind kommt dann meist nicht von draußen herein, sondern weht schwach 
unmittelbar unter der Küste. 
Eine interessante Frage ist es, wie sich die vorhandenen allgemeinen Druck- 
gradienten zu den Seewindgradienten verhalten, ob sie sich vektoriell addieren 
oder nicht. Die Erfahrung zeigt, daß sie sich im allgemeinen nicht addieren, 
höchstens wenn sie gut parallel sind. Bei allgemeinen westlichen bis südwest- 
lichen Winden findet man oft folgende Erscheinung: Der West- oder Südwest- 
wind setzt plötzlich in den Irühen Nachmittagsstunden aus und statt dessen 
kommt ein schwacher Seewind zum Durchbruch, der nur geringe Reichweite 
nach Land hat. In Swinemünde z, B. weht dieser Wind kaum 2 km land- 
einwärts, | 
Es sel in diesem Zusammenhang noch auf besondere, verkehrte Seewinde 
hingewiesen, die man dicht unter der Küste und auch auf Binnenseen findet. 
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Bei sehr heißem Wetter wehen nämlich oft unmittelbar unter der Küste leichte 
ablandige Winde, während es auf See still ist. Dann wehen über Land die dem 
Druckgefälle entsprechenden Winde, über dem Wasser aber bildet sich eine Kalt- 
Jufthaut ohne Austausch aus, die zäh über dem Wasser liegt und den Wind über 
sich gleiten läßt, Diese Kaltluft keilt flach nach Luv aus, so daß man Wind 
bis etwa 500 m von der Küste findet, während die eigentlich auflandige Küste, 
die Wind haben sollte, keinen hat, eine etwas merkwürdige Sache. 
Über die Reichweite der Seewinde finden sich die verschiedensten Angaben, 
Oft ist sie größer als man annehmen sollte, Im Mai beobachtete ich in einem 
Abstand von 50 sm vor der norwegischen Küste Seewinde, die die Nebelfelder 
mittags regelmäßig in die Fjorde hineintrieben. In Hamburg erhält man in den 
Mittagsstunden gelegentlich Ostsee-Seewind, in Hannover in den Nachtstunden 
einen verspäteten Nordsee-Seewind aus Nordwest, der Nebel bringt. Besonders 
interessant sind. die Verhältnisse im Kattegat und den Ostsee-Eingängen, 
Am Rande des gewöhnlichen sommerlichen Hochs über der Nordsee bilden 
sich dann Schwingungen aus, In den Mittagsstunden entsteht durch die starke 
Erwärmung des norwegischen Berglandes hier ein kleines Tief, das zyklonale 
Krümmungen in die Isobaren des Nordseehochs drückt, Diese wandern nun an 
seinem Östrande entlang mit der allgemeinen Strömung nach Süden und bringen 
im Kattegat frische nächtliche Nordwinde. Diese Nordwinde laufen sogar manch- 
mal durch Belte und Sund in die Ostsee hinein.
	        
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