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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Frank, Hans: Über Seewinde. 
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Über Seewinde. 
Von Haus Frank, 
Bei Seewinden gibt es eine ganze Reihe von Fragen, die nicht alle bearbeitet 
wurden, aber zur Vorhersage dieser Erscheinung wichtig sind. Wann kommt 
der Seewind? Welche Stärke wird er erreichen, wie weit reicht er nach Land 
und nach See? Allgemein gültige Antworten auf diese Fragen gibt es nicht, 
sondern in jedem Revier herrschen bei jeder Wetterlage besondere Verhältnisse. 
Besonders kompliziert sind diese z.B, in der dänischen Inselwelt, wo die See- 
winde aus drei Meeresgebieten, der Nordsee, der Ostsee und dem Kattegat 
miteinander streiten, aber auch in einfacheren Revieren, wie der Kieler und 
Flensburger Förde, herrschen besondere Verhältnisse, der Wind kommt in der 
Außenförde eher als in der Innenförde und hat hier andere Richtung und 
Geschwindigkeit. Manchmal weht er nur in der Außenförde, während innen 
ganz andere Windverhältnisse herrschen, 
Auf die Frage, wann der Seewind kommt, gibt es die Antwort: Wenn die 
Temperatur an Land 10° höher geworden ist als auf See, setzt der Seewind ein. 
Im Sommer muß es also an Land 30° warm sein, damit bei 20° Wassertempe- 
ratur Seewind durchkommt, im Mai, wo das Wasser 10° hat, genügen 20° über 
Land, was ja leichter erreicht wird als die 30° im Sommer. Oft fällt das Ein- 
setzen des Seewindes mit dem Beginn stärkerer Konvektion zusammen, wenn 
sich die ersten Haufenwolken bilden. Kurz danach kommt der Seewind von 
draußen herein; er kommt meist langsamer als er weht, weil er sich gegen die 
Küste vorarbeitet. Für jeden Ort gibt es im allgemeinen einen Erfahrungswert, 
wann in bestimmten Monaten der Seewind durchkommt. Es kommen natürlich 
erhebliche Ausnahmen vor, die außer vom Revier von den verschiedenen verti- 
kalen. Temperaturgradienten herrühren. Besonders in den Frühjahrsmonaten 
April und Mai kommen bei den dann sehr niedrigen Wassertemperaturen starke 
Inversionen über der Seeoberfläche vor, die sich deutlich durch Dunstschichten 
oder meilenweite Ausbreitung von Dampferrauch ausprägen. 
Eine besonders ausgebildete Kaltlufthaut über der Seeoberfläche verhindert 
jeden Seewind, und nicht nur diesen, sondern auch die normalen Winde. Nur in 
Fällen normalen Austausches liefern besonders große Temperaturgegensätze 
zwischen See und Land starke Seewinde, vor einem Wetterumschlag z.B., wenn 
im Hoch starkes Absinken der Luft vor sich geht, bleibt trotz drückender Hitze 
an Land der Seewind aus und die See bleibt Öölig glatt. Der Seewind weht dann 
allenfalls in 10 bis 20 m über dem Wasser, Ganz allgemein gilt als Erfahrungsregel 
in Nord- und Ostsee: Bei ausgebildeten Dunstschichten dicht über der See ist mit 
verspätetem Einsetzen der Seewinde und geringerer Stärke als normal zu rechnen, 
Ein normaler Seewind hat bei uns etwa Windstärke 4, bei Dunstschichten Stärke 2. 
Allgemein ist in den Frühjahrs- und Frühsommermonaten der Wind über 
See oft erheblich schwächer als den Gradienten entspricht, die Zähigkeit der 
Luft ist dann in den unteren Schichten zu groß, Es ist dies auch aus der 
Arktis und Antarktis bekannt, wo über Treibeisfeldern die Luft merklich ruhiger 
ist als über offenem Wasser, nicht etwa infolge der größeren Reibung an den 
Eisschollen, sondern wegen der „Eiskühlung“ der unteren Luftschichten, 
Wird durch irgendeinen Einfluß die zähe Kaltlufthaut über dem Wasser zer- 
stört, so springt der Wind dann sofort auf seine normale Stärke. Diese Zer- 
störung leisten schon kleine Hindernisse wie freiliegende, sonnenbeschienene 
Sand- oder Wattenflächen, eine kleine Insel usw. In Lee von solchen Hindernissen 
ist der Wind regelmäßig etwa 2 Beaufort stärker als in Luv. In der umstehenden 
Skizze ist für die Flensburger Förde auf Grund vieler Erfahrungen der Seewind 
dargestellt, 
Schwache Gradienten, die ja für das Zustandekommen von Seewinden Vor- 
aussetzung sind, hat man nicht nur in Hochs, sondern oft auch in sich auffüllenden 
Tiefs. Während es nun im Hoch meist wolkenlos ist oder sich tagsüber Haufen- 
wolken bilden, hat ein Tief ausgedehnte Wolkenfelder vom Altostratus-Altocumulus- 
Charakter. Der Seewind weht dann erheblich schwächer als bei Hochdruckwetter,
	        
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