Defant, A: Die Lage des Forschungsschiffes „Altair“ auf der Änkerstation usw. 18
3fache Expektanz (nach A. Schuster), ein notwendiges Kriterium dafür, daß die
Periode nicht durch zufällige Verteilung der Einzelwerte vorgetäuscht wird.
Reell sind demnach nur die Perioden von 22,3 und 14.5 Stunden, während die
11.3-Stunde die geforderte Amplitudengröße nur um weniges unterschreitet. Die
Expektanz wurde aus der Formel E = berechnet, wobei vl die mitt-
lere Abweichung und n die Gesamtzahl der verfügbaren Werte bedeuten. Aus
den 174 Werten ergibt sich v=22.6 und E=282, Bei einer Amplitude, die
größer als 3E ist, was bei den beiden erwähnten Perioden zutrifft, ist die Wahr-
scheinlichkeit, daß die Periode mit dieser Amplitude auf eine zufällige Anordnung
per Einzelwerte beruht, kleiner als 1: 1000,
Von den erwähnten drei Perioden von 22.3, 14.5 und 11.3 Stunden sind die
erstere und letztere wohl auf die Beeinflussung der Schiffsstellung durch die
Gezeitenströme, d. h. durch ihre ganztägige Komponente von 23.9 Stunden Dauer
und durch die halbtägige Komponente von 12,3 Stunden Dauer zurückzuführen,
Vielleicht ist auch die tägliche Periode der Windrichtung und -stärke etwas
dabei mitbeteiligt. Die Abweichungen von den letzteren Werten ist von nicht
großer Bedeutung, um so mehr als bei der ersteren Schwingung das Perioden-
band über der fachen Expektanz von etwa 25 bis 21 Stunden reicht. Die
(2-Stunden-Schwingung ist andererseits nur wenig ausgesprochen, Die Haupt-
schwingung ist jedenfalls die mit einer Periode von 14.5 Stunden.
Ihre Amplitude überwiegt die Expektanz um fast das Vierfache, Die Zufalls-
wahrscheinlichkeit dieser Schwingung ist nur 0.3X10—°, und da die Beobach-
tungsreihe diese Periode sechsmal enthält, besteht kein Zweifel ihrer Realität.
Was ist das für eine Periode? Die Aufdeckung ihres Wesens wäre wohl
schwierig gewesen, wenn nicht, wie später bei der Bearbeitung der Strom-
messungen der ÄAnkerstation gezeigt werden wird, auch in diesen eine 14-Stunden-
Periode als charakteristische Schwankung, und zwar in beiden Geschwindigkeits-
komponenten aufträte und sie sich hier zweifellos als eine Überlagerung der
halbtägigen Gezeitenperiode und der Trägheitsperiode erwiesen hätte, In der
Breite g = 44° 33 ist die Periode der Trägheitsbewegung En Stunden == 17.1
Stunden, Sind beide Schwingungen während der ganzen Beobachtungsperiode
vorhanden gewesen, was für die halbtägige Gezeitenperiode selbstverständlich
ist, nach den Strombeobachtungen auch bei der 17.1-Stunden-Periode, und zwar
mit konstanter Phase, der Fall war, dann gibt ihre Überlagerung eine Schwin-
gung von rund 14 bis 15 Stunden Dauer. Denn bei gleicher Amplitude beider
Wellen, was ungefähr der Fall sein dürfte, ergibt
32 2x 2 2x
& 008 a5 1 8008 zz l = Zac0s zul COS ab
also eine Welle mit einer Periode von 14,3 Stunden und einer Amplitude, die
mit einer Periode von 43,8 Tagen zwischen 0 und 2a schwankt. Vielleicht ist
88 diesem letzteren Umstand zuzuschreiben, daß zeitweise die 12.3-Stunden-
Periode doch zum Durchbruch kommt und das Periodogramm mit einem sekun-
dären Maximum bei dieser Periode reagiert. Die hauptsächlichsten Schwoj-
bewegungen des „Altair“, die einer Periode von 14.5 Stunden folgen, sind durch
die Gezeiten- und Trägheitsströme verursacht, die zusammen dieser Periode
folgen.
Daß dies wirklich der Fall ist, läßt sich auch durch Betrachtung der Phasen
bekräftigen. Der mittlere Kurs des verankerten Schiffes ergibt sich für die
ganze Beobachtungszeit zu rund 5°; die Amplitude der 14.5-Stunden-Periode be-
irägt rund 12°, ihre Phase (bezogen auf 0% M.G. Z. des 17. Juni) ist rund 1b, d.h,
um 1.05 war der Kurs 17° und das Schiff stand zu dieser Zeit am weitesten im
Westen, um 8.2h war der Kurs — 7°=353° und das Schiff war dann am weitesten
im Osten, Die mittlere Phase der Ostkomponente der Trägheits- und Gezeiten-
ströme — denn nur die Ostkomponente der Ströme vermag bei einem mittleren
Kurs von 5° in erster Linie den Schiffskurs zu ändern — ergab sich, wie in der
folgenden Lieferung gezeigt wird, zu 3.4h. Von etwa —0.21 bis 7.0h herrscht