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Begegnungszone dieser beiden Passate, Nur wenige
Inseln, wie Midway auf der Nordhalbkugel, Norfolk
and die Oster-Insel auf der Südhalbkugel, reichen
jahreszeitlich in das Grenzgebiet der Westwind-
zone. In die Behandlung nicht eingeschlossen
sind. einige näher den Festländern gelegene Inseln,
die z. T. schon an anderer Stelle des Handbuches
berücksichtigt wurden, Die Gesamtfläche der zahl-
reichen Inseln macht mit 78500 km? nur etwa
die Größe Bayerns aus, doch liegen sie über ein
Gebiet. von der fünffachen Größe Europas ver-
streut. Der Verfasser teilt diesen riesigen Raum
schematisch in fünf Zonen, so daß, von Nord nach
Süd fortschreitend, zusammengefaßt werden:
* Inseln im Nordostpassat,
. . Inseln der äquatorialen feuchten Zone,
{1T, Inseln der äquatorialen trockenen Zone,
IV. Inseln im Südostpassat,
VY. Inseln im Grenzgebiet (Südostpassat gegen
Westwinde).
Vor Behandlung dieser Zonen im einzelnen
wird zunächst eine allgemeine Übersicht über
das Klima des (Gesamtraumes gegeben, in der die
Lufttemperatur, der Luftdruck, die Windyebiete und
die Niederschlagsverhältnisse besprochen werden.
Bezüglich der Temperatur haben die Inseln
durchweg tropischen Charakter; die Jahresmittel
liegen zwischen 20° und 28°C, und die regionalen
Wärmeunterschiede sind gering,
In Fig. 2 und 3 sind die Luftdruckver-
teilung und die Windgebiete über dem Stillen
Ozean dargestellt, und zwar für Januar-Februar
und für Juli-August, Die bemerkenswerteste Luft-
druckschwarnkung vollzieht sich, wie man aus
ihrem Vergleich sieht, im westlichen Teile, im
australischen und ostasiatischen Gebiet, Hier er-
weitert sich die äquatoriale Tiefdruckrinne, die im
Osten des Stillen Ozeans nur schmal ist und mit
geringer Schwankung Sommer wie Winter auf
Nordbreite liegt, zu einem umfangreichen Tief-
Jruckgebiet, das stärkere Lageänderungen erfährt,
[m Südsommer liegt es über dem Korallen-Meer
and den benachbarten Gewässern, im Nordsommer
vom Südchinesischen Meere nach den Karolinen
herüber, und entsprechend pendelt hier die äqua-
toriale Frontalzone von Südostpassat und Nord.
aetpassat (bzw, deren „Monsun“-Verlängernngen,
um größe Bel vg zwischen Südbreite und Nord-
breite, Die in den großen Strömungen bewegten
Luftmassen sind natürlich ganz maritimen und
dazu tropischen Charakters, doch geben m. E.
regelmäßiger und in größerem Umfanze, als Schott
es angibt, Kaltluftvorstöße von Süden her in das
Passatgebiet. Die australischen Wetterkarten zeigen
dies für die Tasman-See und das Gebiet um Neu
Seeland, und die Rolle dieser Kaltluftvorstöße
als Regenbringer ist vielleicht äquatorwärts viel
weiterreichend als heute gemeinhin angenommen,
Als besondere Erscheivung sind die Orkane
der Südsee zu erwähnen, die sich im wesentlichen
auf die Westhälfte der Ozeane beschränken, das
Gebiet westlich der Marshall-Inseln (bis Ostasien)
einerseits, das westlich der Tuamotu-Inseln (bis
Australien) anderseits, Wenn sie auch relativ
wenig häufig sind, so können sie doch durch die
sie begleitenden gewaltigen Regengüsse manchmal
die monatlichen Regenmengen entscheidend be-
einflussen und miedrige Atolle mit ihren Sturm-
fluten gefährden,
Da Wärme als Bedingung organischen Lebens
auf den Südsee-Inseln ständig in reichlichem Maße
zur Verfügung steht, kommt es für dessen Ent-
wicklung wesentlich auf die zweite Bedingung, das
Wasser, an. Die Niederschlagsverhältnisse
spielen daher klimakundlich die größte Rolle, weil
ste trotz der „Maritimität“ des Klimas keineswegs
gleichartig sind, und der Verf, widmet ihnen mit
Recht den Hauptteil seiner Darstellung. Er unter-
scheidet folgende Regeniypen, für die er in
Fig. 4 zahlreiche Beispiele gibt:
(1) Aquatorialregen zu allen Jahres-
zeiten, in der Frontalzone zwischen den
beiden Passaten (Jaluit)
(2) Sommerregeninden Passatgebieten,
der umfangreichste Typus, den „Zenital-
regen“ entsprechend, mit den sommerlichen
Monsunregen als Abart (Apia, Guam)
'3) Winterregen in den Passatgebieten,
im polaren Grenzsaum der Tropenzone
(Henohuu, Norfolk)
‘4) Geländeregen, orographisch bedingt, bei
den hohen Südsee-Inseln ausschlaggebend
‚Hilo auf Hawaii}
Aquatoriale „Gelegenheitsregen‘“,
wie man vielleicht sage könnte, in einer
äquatorialen Trockenzone (Malden,
Banaba),
Besonderes Interesse beanspruchen die letzten
beiden Typen. Zum Verständnis der Gelände-
regen, bei denen das Zusammenwirken der Luft-
strömungen und des Bodenreliefs zu berücksichtigen
ist, gibt Schott daher bei allen Inseln eine kurze
geographische Beschreibung, wozu er hei seiner
umfassenden Kenntnis der Geographie des Stillen
Ozeans wie kaum ein anderer in der Lage st,
Ebenso kommt es der Behandlung der „Gelegen-
heitsregen‘“ der iq uatorialen Trockenzone zu-
gute, daß der Verf, selbst die hier hineinspielende
Erscheinung der sog. el niNo- Perioden vor der
peruanischen Küste erforscht hat.
Der allgemeinen Übersicht läßt Schott als
Hauptteil der Klimakunde die spezielle Behand-
lung der fünf Zonen mit ihren verschiedenen
Inselgruppen bzw. Inseln folgen,
Zur Zone I; den Inseln im Nordostpassat,
gehören die Hawali-Inseln und die Marianen, Von
den ersteren liegt ein sehr reichhaltiges klimatolo-
gisches Material vor, und dem entspricht Schötts
eingehende Darstellung dieses „Paradise of the
Pacitie“, Was sich hier besonders schön ausprägt,
ist der Einfluß des Reliefs auf die Regenver-
teilung (Fig. 5 bis 8), In der Stadt Honolulu steigt
lie jährliche Regenmenge auf je 1 km Entfernung
in Richtung SW—-NO um rund 500 mm an! Auch
tie zeitliche Veränderlichkeit der Regenmengen
von Jahr zu Jahr ist hier nıcht unbetiächtlich;
der Verfasser wählt zu ihrer Darstellung — nach
dem Vorgange von Q. Castens — die (abellarische
Angabe des „Spielraums’‘, wie er das im übrigen
auch für alle anderen Südsee-Inseln durchführt,
wegen der tiefgreifenden Bedeutung, die die un-
periodischen Niederschlagsschwankungen auf ihnen
haben, Die Marianen zeichnen sich durch reiche
Spätsommer. Regen aus, zu denen die äquatoriale
Front und die an ihr gebildeten Taifune beisteuern,
die für Hawali keine Rolle spielen,
Die Zone II mit den Inseln der äquatori-
alcn feuchten Zone zieht sich als schmaler
Streifen zwischen etwa 4° und 10° Nordbreite hin,
ron Fanning bis Palau die Marshall-Inseln und
die Karolinen einschließend. Hier gibt es auf
den ganz flachen, kaum den Meeresspiegel über-
ragenden Atollen Fanning und Washington schon
2500 bis 3000 mm Jahresniederschlag, auf Jaluit
sogar 4000 mm, Mengen, für die im eben
Gebiet Berge als Regenfänger unerläßlich sind.
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