Kleinere Mitteilungen,
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J. Plotnikow (s) anläßlich Untersuchungen im Ultrarot (2) entdeckt wurde, an
Meerwasser nachgewiesen worden, Bei dieser Erscheinung handelt es sich darum,
daß ein paralleles Strahlenbündel, und zwar ganz im Gegensatz zu den bisher
bekannten optischen Streuungserscheinungen, die besonders im sichtbaren und
altravioletten Gebiet wirksam sind, bevorzugt im Ultrarot in der Strahlungs-
richtung eine kegelförmige Verbreiterung zeigt. Zahlreiche im Laufe der letzten
Jahre angestellte Versuche haben erwiesen, daß der neue Effekt mit den bisher
bekannten seitlichen Streuungserscheinungen in keinem inneren Zusammenhang
steht, daß er vielmehr allein von der Anwesenheit hochmolekularer Substanzen,
die im übrigen optisch leer sein können, abhängt. Es hat sich weiter gezeigt,
daß der Effekt besonders deutlich auftritt, wenn es sich um einen fadenketten-
artigen Aufbau dieser Moleküle handelt und daß die Streuung um so stärker wird
und ihr Höchstwert um so ausgesprochener im Ultraroten liegt, je länger die
Fadenketten der bestrahlten Stoffe sind.
Nachdem auf diesem Wege in den letzten Jahren für Biologie und Medizin
bereits wichtige neue Ergebnisse erzielt sind und sich auch für unsere Anschau-
ungen über den Aufbau hochmolekularer organischer Stoffe neuartige Erkennt:
nisse erhoffen lassen (siehe Literaturangaben unter 1), wurden die ersten tastenden
Vorversuche jetzt auch auf das Meerwasser ausgedehnt. Jörg ging hierbei von
der Überlegung aus, daß natürliche Wässer neben anorganischen Stoffen auch
organische Verbindungen gelöst enthalten. Während sich die anorganischen
Stoffe leicht nachweisen und aus dem Wasser entfernen lassen, sind hochmole-
kulare organische Verbindungen, besonders wenn sie wie im Meerwasser in nur
geringer Konzentration vorliegen, nur schwer zu identifizieren und teilweise nur
nach mehrmaliger Destillation aus dem Wasser restlos zu entfernen. Um so
erfreulicher ist es, in dem neuen Streuungseffekt ein Mittel gefunden zu haben,
das die Aussicht eröffnet, auch in das wegen seiner Schwierigkeit bisher leider
nur wenig bearbeitete interessante Gebiet der organischen Meereschemie ein-
dringen zu können,
Jörg benutzt für seine Versuche Oberflächenwasser aus dem Gebiet des
Sargasso-Meeres, und zwar mit der Begründung, daß diese Gegend des Atlan-
tischen Ozeans an Flora und Fauna sehr reich sei! Hier dürfte allerdings ein
Irrtum vorliegen, da gerade das Sargasso-Meer seit der klassischen Forschungs-
fahrt V. Hensens mit dem Kieler Forschungsdampfer „National“ im Jahre 1889
als ein Meeresgebiet bekannt ist, das sich durch seine besonders ausgeprägte
Armut an pflanzlichem und tierischem Leben vor allen anderen Gebieten des
Ozeans auszeichnet. Dieser Befund hat sich auch im Laufe der folgenden Jahre
immer wieder nicht nur auf rein biologischem, sondern ebenso auf chemischem
and physikalisch-chemischem Wege bestätigt, Ob daher gerade mit der Auswahl
dieses Wassers für seine erstmaligen Versuche von Jörg ein glücklicher Griff
getan ist, dürfte hiernach fraglich erscheinen. Immerhin ist es erstaunlich, daß
die Untersuchung bereits an diesem als extrem rein zu bezeichnenden Wasser
ein positives Ergebnis zeitigt,
Jörg hat seine Messungen über das Gebiet vom Ultraviolett über den sicht-
baren Bereich bis ins Ultrarot ausgedehnt. Wir beschränken uns hier auf die
Wiedergabe der uns von unserem Gesichtspunkt aus besonders interessierenden
Messungseryebnisse im Ultraroten mit dem Schwerpunkt bei 850 mu. Das natür-
liche Meerwasser zeigt in diesem Gebiet eine stark positive Reaktion (Durch-
messer des Strenuungskranzes = 15.32 mm). Selbst fünfmalige Ultrafiltrierung
und anschließendes Aufkochen ändert dieses Ergebnis nur unwesentlich (15.18 mm),
Eine anschließende Destillation dagegen bewirkt ein Zurückgehen der Streuungs-
kranzerscheinung auf einen Durchmesser von nur noch 9,5 mm. Da das primäre
Lichtstrahlenbündel selbst 8 mm im Durchmesser mißt, ist der Streuungseffekt
demnach auf den fünften Teil seines ursprünglichen Wertes zurückgegangen.
Der Gegenversuch an dreimal im Vakuum staubfrei destilliertem Wasser ergab
dagegen praktisch Streuungsfreiheit (8.0 bis 8.18 mm).
Eine nähere Erklärungsmöglichkeit dieser Untersuchungsergebnisse wird
von Jörg nicht versucht, Ob es sich in diesem Falle wirklich um primär im