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Full text: 68, 1940

Kleinere Mitteilungen, 
359 
J. Plotnikow (s) anläßlich Untersuchungen im Ultrarot (2) entdeckt wurde, an 
Meerwasser nachgewiesen worden, Bei dieser Erscheinung handelt es sich darum, 
daß ein paralleles Strahlenbündel, und zwar ganz im Gegensatz zu den bisher 
bekannten optischen Streuungserscheinungen, die besonders im sichtbaren und 
altravioletten Gebiet wirksam sind, bevorzugt im Ultrarot in der Strahlungs- 
richtung eine kegelförmige Verbreiterung zeigt. Zahlreiche im Laufe der letzten 
Jahre angestellte Versuche haben erwiesen, daß der neue Effekt mit den bisher 
bekannten seitlichen Streuungserscheinungen in keinem inneren Zusammenhang 
steht, daß er vielmehr allein von der Anwesenheit hochmolekularer Substanzen, 
die im übrigen optisch leer sein können, abhängt. Es hat sich weiter gezeigt, 
daß der Effekt besonders deutlich auftritt, wenn es sich um einen fadenketten- 
artigen Aufbau dieser Moleküle handelt und daß die Streuung um so stärker wird 
und ihr Höchstwert um so ausgesprochener im Ultraroten liegt, je länger die 
Fadenketten der bestrahlten Stoffe sind. 
Nachdem auf diesem Wege in den letzten Jahren für Biologie und Medizin 
bereits wichtige neue Ergebnisse erzielt sind und sich auch für unsere Anschau- 
ungen über den Aufbau hochmolekularer organischer Stoffe neuartige Erkennt: 
nisse erhoffen lassen (siehe Literaturangaben unter 1), wurden die ersten tastenden 
Vorversuche jetzt auch auf das Meerwasser ausgedehnt. Jörg ging hierbei von 
der Überlegung aus, daß natürliche Wässer neben anorganischen Stoffen auch 
organische Verbindungen gelöst enthalten. Während sich die anorganischen 
Stoffe leicht nachweisen und aus dem Wasser entfernen lassen, sind hochmole- 
kulare organische Verbindungen, besonders wenn sie wie im Meerwasser in nur 
geringer Konzentration vorliegen, nur schwer zu identifizieren und teilweise nur 
nach mehrmaliger Destillation aus dem Wasser restlos zu entfernen. Um so 
erfreulicher ist es, in dem neuen Streuungseffekt ein Mittel gefunden zu haben, 
das die Aussicht eröffnet, auch in das wegen seiner Schwierigkeit bisher leider 
nur wenig bearbeitete interessante Gebiet der organischen Meereschemie ein- 
dringen zu können, 
Jörg benutzt für seine Versuche Oberflächenwasser aus dem Gebiet des 
Sargasso-Meeres, und zwar mit der Begründung, daß diese Gegend des Atlan- 
tischen Ozeans an Flora und Fauna sehr reich sei! Hier dürfte allerdings ein 
Irrtum vorliegen, da gerade das Sargasso-Meer seit der klassischen Forschungs- 
fahrt V. Hensens mit dem Kieler Forschungsdampfer „National“ im Jahre 1889 
als ein Meeresgebiet bekannt ist, das sich durch seine besonders ausgeprägte 
Armut an pflanzlichem und tierischem Leben vor allen anderen Gebieten des 
Ozeans auszeichnet. Dieser Befund hat sich auch im Laufe der folgenden Jahre 
immer wieder nicht nur auf rein biologischem, sondern ebenso auf chemischem 
and physikalisch-chemischem Wege bestätigt, Ob daher gerade mit der Auswahl 
dieses Wassers für seine erstmaligen Versuche von Jörg ein glücklicher Griff 
getan ist, dürfte hiernach fraglich erscheinen. Immerhin ist es erstaunlich, daß 
die Untersuchung bereits an diesem als extrem rein zu bezeichnenden Wasser 
ein positives Ergebnis zeitigt, 
Jörg hat seine Messungen über das Gebiet vom Ultraviolett über den sicht- 
baren Bereich bis ins Ultrarot ausgedehnt. Wir beschränken uns hier auf die 
Wiedergabe der uns von unserem Gesichtspunkt aus besonders interessierenden 
Messungseryebnisse im Ultraroten mit dem Schwerpunkt bei 850 mu. Das natür- 
liche Meerwasser zeigt in diesem Gebiet eine stark positive Reaktion (Durch- 
messer des Strenuungskranzes = 15.32 mm). Selbst fünfmalige Ultrafiltrierung 
und anschließendes Aufkochen ändert dieses Ergebnis nur unwesentlich (15.18 mm), 
Eine anschließende Destillation dagegen bewirkt ein Zurückgehen der Streuungs- 
kranzerscheinung auf einen Durchmesser von nur noch 9,5 mm. Da das primäre 
Lichtstrahlenbündel selbst 8 mm im Durchmesser mißt, ist der Streuungseffekt 
demnach auf den fünften Teil seines ursprünglichen Wertes zurückgegangen. 
Der Gegenversuch an dreimal im Vakuum staubfrei destilliertem Wasser ergab 
dagegen praktisch Streuungsfreiheit (8.0 bis 8.18 mm). 
Eine nähere Erklärungsmöglichkeit dieser Untersuchungsergebnisse wird 
von Jörg nicht versucht, Ob es sich in diesem Falle wirklich um primär im
	        
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