Meißner, O,: Über die 24jährige Temperaturperiode und. ihre Unterperioden uew. 357
mußten auch zu Vergleichszwecken die Temperaturen für Jahr und Sommer auf
die gleiche Zeit umgerechnet werden, was mit Hilfe der (hier wegen zu großen
Umfangs nicht abgedruckten) Urtabelle leicht ging; die „Epoche“, d. h, das Jahr 1
der Tab. 12 ist von der der Tab. 1 und 7 um eine volle Periodenzahl verschieden,
was für die Untersuchungen des nächsten Paragraphen von Wichtigkeit ist,
Die Abkürzungen brauchen nicht weiter erläutert zu werden. — Die Gewitter-
anzahl läßt die Periode doch ziemlich deutlich erkennen; ja man kann sie als
Fouriersche Reihe darstellen, was eine reelle Bedeutung hat, wie die mittleren
Fehler zeigen (obwohl die Extreme nicht „an der richtigen Stelle“ liegen); es
gilt für die Anzahl A der Berliner Gewitter im Zeitraum von 1849 bis 1890
(+ hier also die m. F):
Am 14.52 4 0.40 -}- (1.10 4 0.21} 008 (60j — 332°),
worin j das Jahr der Epoche in Tab, 12 bedeutet. Die relative Amplitude ist
zwar nur 0.07, aber sie kann nur mit Vorsicht als wahres Maß ihrer Intensität
verwandt werden; die Abnahme des m. F, auf die Hälfte bürgt mehr für ihre
Realität; wollte man z, B. die Temperatur in einer Fourierreihe darstellen, so
sänke die Quadratsumme der Abweichungen nur von 6001 auf 5853, während
der m. F. wegen des kleineren Divisors, sogar von -+ 14 auf + 157 steigen würde!
8 14. Betrachtung der Korrelationskoeffizienten. Diese sind in der unteren
Hälfte der Tab. 12 aufgeführt, Sommerregen und Sommertemperatur verhalten
sich entgegengesetzt, d. h. die zu warmen Sommer sind i. a. auch zu trocken; daß
der Kf, zwischen Sommerregen und Jahrestemperatur noch etwas größer ist, ist
wohl aus der ‚Größe der m. F. erklärbar! Daß Sommer- und Jahresregen in so
enger Korrelation stehen, war kaum zu erwarten, Die regenreicheren Jahre
haben auch eine größere Gewitteranzahl, was besonders für den Sommerregen
gilt — begreiflicherweise, da ja für unsere Binnenlandstationen die Gewitter
wesentlich eine sommerliche Erscheinung sind. Daher denn auch der Kf, der
rorletzten Zeile negativ ist. — Der der letzten Zeile zeigt, daß die regenreicheren
Jahre auch zugleich die kühleren sind. Alles dies bildet natürlich keinen ent-
scheidenden Beweis für das Vorhandensein einer 6jährigen Periode, zeigt viel-
mehr nur zahlenmäßig bekannte bzw. zu erwartende Beziehungen der meteoro-
logischen Faktoren untereinander, — Nur die Gewitteranzahl läßt, wie schon
oben gesagt, die 6jährige Periode, als reell erscheinen.
Man sieht auch hieraus, daß sich solche langjährigen Perioden fast immer
nur in gewissen meteorologischen Erscheinungen. deutlich zeigen, so daß man
aus einem negativen Ausfall einer Untersuchung niemals mit Sicherheit schließen
kann, daß die Periode überhaupt nicht vorhanden ist; wohl allerdings aber, daß
sie für die betr, Elemente, sagen wir also etwa, die Lufttemperatur, bedeutungs-
los ist.
8 15. Vergleichung der 6jährigen Temperaturperiode für zwei verschiedene
Zeiträume. Es handelt sich um die zuerst behandelten von 1779 bis 1902 und
den zu Vergleichszwecken berechneten von 1849 bis 1890. Allerdings ist dieser
ganz im vorigen enthalten, Man sieht nun aus der folgenden Tabelle folgendes:
die Amplituden der Periode sind bedeutend größer! Das müßte auch bei reiner
Zufallsverteilung so sein, und zwar, da die größere Reihe 144 Jahre = 24 Pe-
rioden, die kleinere nur ihrer sieben umfäßt, müßte das Verhältnis der Quadrat-
summe der Abweichungen vom Mittel (Zeile 8 der Tab. 13) 7:24 ==0.29 sein.
Das trifft aber nur für den „Winter“ annähernd zu, Beim Jahr ist das Ver-
nältnis viel zu klein, beim Sommer umgekehrt zu groß. Der Periodengang ist
auch bei beiden Reihen für das Jahr so verschieden, daß der Korrelationsfaktor
zwischen beiden Reihen (die Kff. bilden den untersten Teil der Tab. 13) nur sehr
xlein ist, Man wird daraus schließen können, daß die Periode, wenn als reell
anzusehen, nicht genau sechs Jahre umfaßt, In solchem Falle muß eine kleine
Reihe ein besseres Resultat ergeben als eine größere, wegen der bei dieser auf-
tretenden stärkeren Verschiebung der Phasen. Das ist das gleiche, was uns
schon bei der 12jährigen Periode ($ 10) aufgefallen war. Es liegt die Vermutung
nahe, daß es in Wirklichkeit nur die 11jährige Sonnenfleckenperiode ist; eine