Reinicke, G.: Reisen der Schulschiffe »Herzogin Sophie Charlotte« und »Herzogin Ceciliex usw. 33
Hochdruckgebiete geriet, die im Südatlantischen Ozean den ostwärts bestimmten
Schiffen das Vorwärtskommen oft sehr erschweren (vgl. Segelhandbuch f, d. Atl, Oz,,
3. Aufl, S. 365, 399 und 409). Die nach Südwesten strebende »Herzogin Sophie
Charlottex konnte die südöstlichen Winde dort voll ausnutzen. Kapt. Gluud
schreibt darüber in seinem Bericht: »An der polaren Seite des Passatgebiets
wurde der SO-Wind bei hohem, beständigem Barometer (773 mm) allmählich
stürmisch und holte auf OSO (anscheinend ein Suestado). Um diesen Wind gut
ausnutzen und Segel fahren zu können, hielten wir mit aufgebraßten Rahen gut
voll weg. Dadurch wurden wir zwar bis auf etwa 60 Sm an die Mündung des
La Plata gedrängt, hatten dafür aber in zwei Tagen über 600 Sm gutgemacht
und eine gut westliche Stellung erreicht.“
Die Fahrt um Kap Horn ist von den beiden Schiffen bei gleicher Dauer
in derselben Weise ausgeführt worden. Sie sind beide durch die Straße Le Maire
gegangen und gegen starke, ihre Richtung nur wenig ändernde westliche Winde
mühsam nach Süden und Westen vorgedrungen, ehe sie Östliche Winde oder
Gelegenheit gefunden haben, auf B-B.-Halsen nach Norden und Westen zu segeln,
Die »Herzogin Sophie Charlotte« ist dabei am weitesten, nämlich bis nach
60.2° S-Br. nach Süden gedrängt worden und hat dort östlichen, später langsam
durch Süd nach West holenden Wind gefunden, der sie in wenig mehr als fünf
Tagen nach 50° S-Br. in 83.5° W-Lg. gebracht hat. Da die beiden Schiffe hier
in einem Abstande von etwa zehn Tagen hintereinander gesegelt sind, läßt sich
ein weiterer, eingehender Vergleich ihrer Fahrten um Kap Horn nicht ziehen,
und selbst der Verlauf ihrer weiteren Reisen durch das Passatgebiet gibt zu
sicheren Schlüssen keine Gelegenheit. Allerdings hat die »Herzogin Cecilie«
30° S-Br. in 81° W-Lg., 4° östlicher als die »Herzogin Sophie Charlotte« über-
schritten und hat von 30° bis 18° S-Br. nur ‚vier Tage zu einer Strecke gebraucht,
die der »Herzogin Sophie Charlotte« sechs Tage genommen hat, allein es läßt
sich daraus nicht schließen, daß in dem besonderen Falle die »Herzogin Sophie
Charlotte« besser getan haben würde, wenn sie 30° S-Br. auch östlicher ge-
schnitten hätte. Es darf aber gesagt werden, daß der östlichere Schnittpunkt
von 30° S-Br. bei der mittleren Luftdruckverteilung im allgemeinen empfehlens-
werter ist, weil er dann vom Hochdruckgebiet auf der Osthälfte des Stillen
Ozeans etwas weiter entfernt liegt. Dafür hat die »Herzogin Sophie Charlotte«,
wie wir bereits gesehen haben, auf ihrem westlicheren Wege im Südostpassat,
diesen sehr viel östlicher gehabt als die »Herzogin Cecilie«e, und hat dadurch
wieder. gewonnen, doch läßt sich auch hier .nicht feststellen, ob die »Herzogin
Cecilie« auf einem um 5° westlicheren Wege acht Tage später den Südostpassat
auch noch so östlich gefunden haben würde, wie die »Herzogin Sophie Charlotte«,
wiewohl auch hier bemerkt werden darf, daß der Südostpassat nach Westen hin
im allgemeinen eine Östlichere Richtung annimmt. .
Auf der Reise von Kolumbien nach Australien hat die »Herzogin Cecilie«
einen etwas öÖstlicheren Weg eingehalten und hat sich, indem sie 20° S-Br. in
166° W-Lg. zwischen den Samoa-Inseln und den Cook-Inseln überschritt, mehr
an die Anweisungen des »Segelhandbuches für den Stillen Ozean«!) gehalten,
als die »Herzogin Sophie Charlotte«, die an der Nordwestseite der Fidji-Inseln
vorüber einen ziemlich geraden. Weg eingehalten und 20° S-Br, in 170° O-Lg.
geschnitten hat. Auf diesem Wege hat die »Herzogin Sophie Charlotte« guten
Erfolg gehabt, doch würde es gewagt sein, diese Tatsache zu verallgemeinern
und ihren Weg für die Zeit des Westmonsuns im Stillen Ozean zu empfehlen.
Allerdings ist der Weg der »Herzogin Sophie Charlotte« etwa 200 Sm kürzer
als der der »Herzogin Cecilie«, allein er scheint in Anbetracht der unsicheren
Wind- und Stromverhältnisse im südlichen Sommer, zur Zeit des Westmonsuns
im westlichen Stillen Ozean, doch nicht ohne weiteres empfehlenswert. Sichere
Schlüsse lassen sich aus einzelnen Reisen überhaupt nicht, namentlich nicht ziehen,
wenn die Schiffe wie hier in einem Zeitabstande von zwei Wochen hintereinander
hersegeln. Man wird nach einzelnen Reisen nie ganz beurteilen können, wieviel
1) Herausgegeben von der Deutschen Seewarte, Hamburg 1897,
Ann. d. Hvdr. usw. 1910. Heft I