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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

348 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorolögie, Oktober 140, 
keinen negativen Wert für Z—E aufweisen, zeigen im Mai und Juni wenigstens 
einen starken Rückgang des Zufuhrüberschusses; hier wirkt die durch Aufstieg 
der Luftmassen am Gebirge erzwungene Kondensation so stark, dal immer noch 
ein. kleiner Überschuß an Dampfeinfuhr bestehen bleibf. — Räumliche Ver- 
gleiche innerhalb der Gruppen und zwischen diesen Zeigen noch folgendes: Der 
Ausfuhrüberschuß im Mai und Juni nimmt bei den norddeutschen Flachlands- 
Müssen nach Osten hin. wieder ab (Netze, Warthe, Malapane); bei den Sudeten- 
flüssen (Oder-Ratibor, Glatzer Neiße, Bober}) wird er z. T, sogar zum Einfuhr- 
überschuß, Dies kann aus dem Gebirgseinfluß allein nicht erklärt werden; 
denn die weiter westlich liegenden Gebiete der Lausitzer Neiße, Mulde, Saale 
und Oberweser zeigen einen deutlichen Ausfuhrüberschuß im Frühsommer. 
Die Erklärung für die Wiederzunahme der Einfuhr in Ostdeutschland, die auch 
noch im Juli und August erkennbar ist, liegt in den allgemeinen Luftströmungen, 
Während West- und Mitteldeutschland im wesentlichen nur von der Westströmung 
beherrscht wird, kommen in Ostdeutschland neue feuchtwarme Lüuftmassen hin-« 
zu, die den Weg um den Ostfuß der Alpen nehmen, Diese treffen auf der Zug-« 
straße Ya mit kühleren Luftmassen zusammen, die über das norddeutsche Flach- 
land herangeführt werden. Das Aufgleiten feuchter Luft aus dem Süden auf 
diese kälteren Luftmassen ist als Hauptursache der sommerlichen Hochwasser 
in der Oder und Weichsel anzusehen; sie findet hier eine neue Beleuchtung in 
dem Wiederanstieg der Wasserdampfzufuhr im Osten. Karl Fischer 
hat auf die Bedeutung dieser Zugstraße für die Sommerhochwasser im Osten 
wiederholt hingewiesen; es wäre eine interessante Aufgabe, dieser Frage, der 
schon eingehende Untersuchungen gewidmet worden sind, auf Grund neueren 
serologischen Materials wieder nachzugehen. — Gruppe € in Tab. 3 zeigt nicht 
bloß die Zufüuhrsteigerung, die die Gebirge im ganzen ausüben, sondern z. T. 
auch die Zunahme der Ausfuhr, die im Lee der Gebirge eintritt (Ammer und 
Würm auf der Ostseite des Schwarzwaldes): Die zufuhrsteigernde Kraft des Ge- 
birges wird auf der dem Wind abgewandten Seite teilweise wieder aufgehoben. 
Es ist aber zu beachten, daß die Leewirkung nicht schon. am Kamm des Gebirges, 
sondern erst eine geräumige Strecke dahinter beginnt; Glatt und oberste Enz 
sind eher den Gebieten mit Luvwirkung zuzurechnen, obwohl sie gegen den 
Osten (zum Neckar hin) entwässern. «= Gruppe d bringt eine Auswahl von 
Gebieten, die der Donau zugehören oder (Schussen und Argen) den Alpen vor- 
gelagert sind, Die Gebiete, die mit ihren Spitzen. in die Alpen hineinragen, 
zeigen natürlich besonders hohe Zufuhrbeträge, die auch den Sommer über an- 
halten. Wenn auch an dieser Tatsache nicht zu zweifeln ist, so muß doch be- 
merkt werden, daß die Zahlenangaben hier sehr unsicher sind. Das kommt 
einmal davon her, daß die Niederschlagshöhen und damit die Verdunstungs- 
beiträge im Gebirge nicht genau bekannt sind, und daß die Verteilung der Jahres- 
verdunstung auf die Monate hier anders sein kam als im Flachland; außerdem 
findet durch Schneeanhäufung eine Übertragung von Niederschlagsmengen auf 
die Folgemonate statt. Die berechneten Dampfüberschüsse der Wintermonate 
erscheinen, weil das N als A zum Teil erst später wirkt, zu niedrig, die Zufuhren 
zur Zeit der Schnesschmelze als zu hoch. Bemerkenswert ist, daß das große Gebiet 
der Donau bei Vilshofen, das sowohl gebirgige als tief liegende Flächen umfaßt, 
noch einen leichten Zufuhrüberschuß im Sommer aufweist. Der Wasserentzug 
bei nördlichen Zuflüssen (Brenz, Wörnitz) wird also durch die Wirkung der 
Alpenzuflüsse mehr als aufgehoben. — Bei den großen Gebieten des Mains bei 
Klingenberg und des Neckars bei Offenau, die wir in Gruppe e finden, findet 
vom Mai bis zum Juli ein Entzug von Wasser auf dem Luftwege statt, Daß bei 
den Quellspitzen der kleineren Zubringer (z. B. Glatt in Gruppe c) auch im 
Sommer ein Zufuhrüberschuß vorhanden ist, vermag an der allgemeinen Tat- 
sache nichts zu ändern, daß unsere großen Flußgebiete (außerhalb der Alpen) 
im Frühsommer Zehrgebiete sind in dem Sinn, daß der Niederschlag nicht im- 
stande ist, die verdunstenden Wassermengen zu ersetzen und daß für Abfluß 
und Verdunstung auch die Vorräte im Boden angebraucht werden, Dies findet 
sich auch an den Gebieten der Elbe und Oder in Gruppe £ bestätigt, Als
	        
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