Wundt, W.: Die Wasserdampfverfrachtung über Mitteleuropa im jährlichen Gang, 345
Zahlenreihen ergeben, die für den Jahresgang der Verdunstung in Mitteleuropa
wenigstens allgemeine Schlüsse zuläßt. Die Abweichungen in den von ver-
schiedener Seite vertretenen Reihen [K. Fischer, Friedrich, Mayr, Fickert,
Seelhorst-Koehne, Trossbach, Baumann, siehe (12)] sind verhältnismäßig
klein: im folgenden (Tab. 1, 2, 3) sind die von K. Fischer angenommenen
Hundertsätze zugrunde gelegt. Tab. 1 zeigt an dem Beispiel der Böhmi-
Tabelle 1, Zufuhrüberschuß Z—E im Luftraum, -— Beispiel einer Berechnung,
Böhmische YEilhe (Tetschen) 1876/1890, _ Fläche 51000 km®,
[x zul 1 | aan vi v | VELVIE VE IX | X Daher
a) Überschlägige Berechnung aus XN—V.
Jahresniederschlag 692 mm. Jahresabfluß 192 mm, ‚Jahresverdunsting 500 mm.
f — Januar, II — Februar usw
® £& a ı 2 a v 19 19 15 { 4 11
V (Monatsverdunslung AP 515 ]5 30.120 0 195 19% 195 |75 |35 120 300
N (Monatsniederschlag) mm [44 45 33 |31 44/42 3 63/87 90 /S1 20 34 692
NV (cd. Z—E, roh) mm{|29 140 128 |21 24 7 2.832 8 |_5) 9 |35 34 |102
b) Verbesseruntzs we m peicherung Sı im Lu’traum,
Dampfdruck am Boden e, {mm} AU! a4 “4! 3,8! 46 5% 8.2102 11.3112 9.5 A
Wassergehalt d. Lufthülle (2.3.0, 12 110 | 8 9 lı2 [3 * 19 3 27 36 12 7
8 (Anderung gegen Vormonat} A 1-2 „2 112 3" 575 | 3 1-1 |-4 5 .
Z—-BE=N— VS mm) 34 138 [26 122 [26 10 -27 1-3 —2 | 8 1891 129 [292
schen Elbe für den Durchschnitt der Jahre 1876/1890, wie sich die Berechnung
von N—V (oder roh genommen Z-— E) gestaltet, Die letzte Zeile des Teils a
gibt in überschlägigen Werten an, um wieviel die Dampfzufuhr Z in der
Bilanz der einzelnen Monate für diesen Fluß die Dampfausfuhr E
übersteigt oder hinter ihr zurück bleibt, Für das gemittelte Durchschnitts-
jahr stimmt N—V und Z—E mit dem Jahresabfluß A (hier 192 mm) überein;
in den einzelnen Monaten dagegen ist N—V und Z—E von A verschieden, da
weder Sy noch S, gleich Null gesetzt werden kann. Die a, a. OÖ. (12) genauer ver-
folgte monatliche Speicherung am Boden Sy=N—V—A hebt sich wie die
Speicherung Sı im Luftraum im Laufe des Durchschnittsjahres wieder auf, — An
der Monatsberechnung von Z—E kann wegen des. wechselnden Dampfgehaltes
der Lufthülle noch eine Verbesserung angebracht werden. Da die Luft gegen
den Sommer hin reicher an Wasserdampf wird, so ist der Monatsbetrag dieser
Steigerung Sı dem Z hinzuzurechnen, und gegen den Winter hin ist ein kleinerer
Teil des Niederschlagsüberschusses N—V nicht auf Veränderung von Z oder E,
sondern durch eine Speisung aus Vorräten im Luftraum zurückzuführen,
Freilich sind diese Vorräte nicht in der Weise greifbar, wie die in der obersten
Bodenschicht; es kann Tage im Winter geben, die einen höheren Dampfgehalt
für die Atmosphäre aufweisen, als manche Tage im Sommer. Aber im Durch-
schnitt betrachtet ist der Wassergehalt der Atmosphäre im Juli zweifellos höher
als im Januar, und diese abwechselnde Steigerung und Abnahme kann durch
das Glied Sı berücksichtigt werden, das sich für Mitteleuropa wenigstens schätzen
läßt. Nach den Angaben von Conrad(s) hat der Dampfdruck in Wien.die in
Tab. 1 Teil b angegebenen Werte; nach der Formel von Süring ist der Wasser-
gehalt der gesamten Lufthülle darüber auf das 2,3fache dieser Werte zu ver-
anschlagen, Bildet man für jeden Monat den Unterschied gegen den Vormönat,
so ist dieser gleich der (positiven oder negativen) Speicherung im Luftraum,
die von einem Monat zum andern stattfindet. — Man kann einwenden, daß die
Verwendung nur eines Beobachtungsortes für ganz Mitteleuropa und die Zu-
grundelegung der Süringschen Formel den Einzelheiten der Wasserdampfver-
teilung nicht voll gerecht werde, Aber das Glied S; hat bei der Berechnung
von Z—E, wie eine Durchsicht der Zahlenreihen ergibt, nur die Bedeutung eines
Verbesserungsgliedes, durch das der jährliche Gang von N—V kaum mehr ge«
ändert wird, Ferner bringt schon die Annahme einheitlicher Hundertsätze bei
VY für verschiedene Gegenden Mitteleuropas mit sich, daß aus den Reihen für