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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1940, 
Bei der Betrachtung des Wasserkreislaufs ist die Gleichung 
Abfluß A = Niederschlag N — Verdunstung V 
grundlegend für die Verhältnisse am Erdboden, Unter Hinzunahme des zu- 
gehörigen Luftraums kann man ihr die Gleichung gegenüberstelien: 
Abfluß A = zugeführter Wasserdampf Z — en tweichender Wasserdampf E. 
Diese Beziehung ist (in etwas anderer Form) von Karl Fischer (1), (2)*) in 
verschiedenen Abhandlungen weiter entwickelt worden, — Bei beiden Gleichungen 
müssen wir im Auge behalten, daß sie nur so lange richtig sind, als keine Vor- 
ratsänderung oder Speicherung am Boden (Sp) bzw. in der Luft (Sj) stattfindet, 
Ist eine solche anzunehmen, so tritt neben den Abfluß in beiden Gleichungen 
das Zusatzglied + Sy; die rechte Seite der zweiten Gleichung muß mit dem 
Zusatzglied — 3, versehen werden, da eine Dampfspeicherung im Luftraum, 
z. B. gegen den Sommer hin, den Abfluß schwächt. Die Gleichungen lauten dann 
Aus diesen beiden Beziehungen folgt unsere Hauptgleichung: 
ZEN VS 
In Worten: Waagerechter Einfuhrüberschuß im Lultraum ist gleich senk- 
rechtem Abgabeüberschuß an den Boden plus Dampfspeicherung (und weiterhin 
gieich Abfluß plus Summe der Boden- und Luftspeicherung). &ı und Sy können 
das Vorzeichen im Laufe der Zeit wechseln, d. h. Dampfspeicherung kann in 
Dampfentzug, Speicherung am Boden in einen Aufbrauch von Wasser übergehen. 
Für die Bilanz des Durchschnittsjahrs (als Mittel einer längeren Reihe) kann 
Sp gleich Null gesetzt werden, nicht aber für Einzeljahre und Monate, Si ist 
wegen der geringen Speicherfähigkeit der Atmosphäre an und für sich klein und 
kann schon für die Bilanz des Einzeljahres außer acht gelassen werden. — Was 
die hier gebrauchten Abkürzungen anlangt, so ist A, N und V allyemein ge- 
bräuchlich, auch E hat sich durch die Veröffentlichungen Fischers eingebürgert, 
An Stelle des bisher gebrauchten M („Meereszufuhr“) ist hier der Buchsiabe Z 
gewählt; es hat sich nämlich herausgestellt, daß die Wasserdampfzufuhr zu einem 
Gebiet nur in den seltensten Fällen als Zufuhr vom Meere schlechthin ange- 
sprochen werden kann, Die Abflußmengen der Flüsse gehen zwar schließlich ins 
Meer und kommen auf dem Luftwege wieder zurück; die Dampfmassen erleiden 
aber auf diesem Wege soviele Veränderungen durch Ausscheidung und Wieder- 
verdunstung, daß sie besser als Zuführ aus dem Luftraum der Nachbargebiete 
angesehen werden. Die Zufuhr Z erfolgt in Mitteleuropa, worauf noch näher 
eingegangen werden soll, vorwiegend von Westen, die Entführung E geht nach 
Osten. Der Buchstabe E erinnert auch an „Export“ während A als Anfangs. 
buchstabe von „Ausfuhr“ zu Verwechslungen mit dem Abfluß A geführt hätte, 
Endlich werden in früheren Abhandlıumgen positive Vorratsänderungen als Rück- 
lage R, negative als Aufbrauch B bezeichnet; hier wird für R—=-—B der einzige 
Buchstabe Sy, (Speicherung am Boden) bzw, Sı (Speicherung in der Luft) gewählt, 
Von all den genannten Größen ist im allgemeinen nur N und A direkt 
meßbar. Schon die Landesverdunstung**) V muß aus dem Unterschied N— A 
erschlossen werden, Dies ist, wie schon angedeutet, für das Durchschnittsjahr 
möglich, nicht aber für die Monate (im Sinne von Durchschnittsmonaten), weil 
hier außerdem die Vorratsänderungen mit hereinspielen,. Doch kann man mit 
Hilfe einer prozentualen Verteilung der Jahresverdunstung auch Werte für die 
Monate gewinnen. Die Grundlagen für die Verteilung liefern die Lysimeter- 
beobachtungen; bei diesen wird die Wasserbilanz von Erdklötzen ermittelt, die 
unter möglichst natürlichen Bedingungen in das umgebende Land eingesenkt 
werden, Besondere Bedeutung haben hier die Messungen von Friedrich und 
Bartels (8), (4) in Eberswalde gewonnen. Naturgemäß schwanken die ermittelten 
Hundertsätze je nach den benützten Versuchsbedingungen, Jahrgängen und Orten; 
doch hat sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung in den verschiedenen 
*) Vgl. das am Schlusse angegebene Schrifttum. — **) Auch Gebietsverdunstung benannt, im 
DE zur örtlichen und zur möglichen Verdunstung, die z. B. mit der Wildschen Waage 
estmmt wird.
	        
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