Wichmann: Eine vollautomat. Registrier-Druckeichrorrichtung für Radiosonden, 827
Im Gegensatz zu den Meteorographen fehlt hier vorerst jede Registrierung,
die bei ersteren ohne weiteres gegeben ist. Weiter stellt die große Zahl der
zu eichenden Radiosonden wesentlich höhere Anforderungen an das Eichpersonal,
sowohl in Hinsicht ihrer Anzahl als auch in Hinsicht ihrer physischen Belastung,
welche die Eichung, d, h. das genaue Ablesen vieler Instrumente nacheinander
mit sich bringt.
Hieraus ergeben sich drei Punkte, die an eine einwandfreie Eichmethode
gestellt werden müssen!
i Die Impulse, die die Radiosonde als Funktion von Druck, Temperatur,
Feuchte usw. liefert, müssen entsprechend den Meteorographen regi-
striert werden,
Es müssen möglichst viele Apparate gleichzeitig geeicht werden können,
Die Tätigkeit des Eichpersonals, soweit sie sich auf Ablesung von
absoluten Bezugswerten bezieht, muß auf ein Minimum herabgedrückt
oder gänzlich vermieden werden, um die bei langem Eichen durch
Ermüden nicht zu vermeidenden Ablesefehler auszuschalten,
Die ideale Methode wäre danach eine solche, die eine Registrierung möglichst
vieler Radiosonden oder einzelner Meßelemente gleichzeitig, zuzüglich der ab-
soluten Bezugswerte, liefert, aus der durch einfache Interpolation die Eichwerte
bestimmt werden können. Es bleibt dann dem Eichpersonal nur die Herrichtung
der Eichapparatur und die einfache oben angeführte Auswertung.
Die in folgendem beschriebene Eichmethode wurde vom Verfasser entsprechend
den oben genannten Notwendigkeiten entwickelt,
Am einfachsten ist die Lösung der Eichfrage bei der Druckeichung, da hier
die Vorbedingungen besonders günstig sind. Fast alle Radiosonden benutzen
eine stufenweise Druckmessung, und zwar konstruktiv derart, daß ein Aneroid
bei bestimmten‘ Drucken Kontakte schließt und unterbricht, die irgendwie
elektrisch mit dem Sender gekoppelt sind, Es würde damit die Druckeichung
bei allen Systemen mit der gleichen Methode möglich sein. Ein zweiter günstiger
Umstand ist die Tatsache, daß es in einfacher Weise möglich ist, eine mit der
Zeit kontinuierliche Druckabnahme zu erzeugen, was bei den anderen Elementen
Temperatur und Feuchte nicht ohne weiteres möglich ist, Es ist also lediglich
notwendig, auf einen in gleichmäßigem Tempo bewegten Papierstreifen durch
ein geeignetes Verfahren die Kontakteinsätze und -unterbrechungen der Druck-
meßelemente sowie bestimmte Druckmarkierungen zu registrieren, an Hand derer
nachher durch Interpolation die gesuchten Druckwerte bestimmt werden können.
Zu diesem Zweck mußte eine geeignete Registrierapparatur sowie eine Vor-
richtung geschaffen werden, die auf einfache Weise die Markierung bestimmter
Bezugsdruckpunkte ermöglicht,
In folgendem wird daher eine hierfür geeignete Schreibvorrichtung sowie
gine halbautomatische und schließlich die vollautomatische Eichmethode und die
zugehörige Hilfsapparatur beschrieben:
A. Der Registrierapparat.
Wir haben es bei der Druckmessung in Radiosonden mit einer elektrischen
Kontaktgebung zu tun. Es liegt somit nahe, bei der Eichung die Registrierung
derselben mit elektro-magnetisch betriebenen Schreibfedern vorzunehmen, Da
aber beabsichtigt ist, mindestens 30 oder sogar noch mehr Druckmeßelemente
gleichzeitig zu eichen, würde eine solche Anordnung mit etwa 30 Magnetsystemen
und Tinten- oder Rußschreibfedern unübersichtlich und schwierig zu handhaben
sein, Eine derartige Konstruktion ist daher möglichst zu umgehen, zumal die
Registrierung auf einem einigermaßen schmalen Papierstreifen kaum möglich
sein wird.
Eine sehr elegante Lösung gestattet hier das elektrochemische Schreib-
verfahren. Bei dieser Methode gleitet lediglich ein mit chemischen Stoffen ge-
tränkter und mit destilliertem Wasser angefeuchteter Papierstreifen zwischen
siner Metallunterlage (Kathode) und einem Metallstift (Anode) hindurch, Nach
Art der Elektrolyse scheidet sich beim Anlegen einer Stromquelle an der Anode