Chraen, Aug; Die Jahresperiode des Niedersehlags in Europa nach Kerntrpen, 811
i. Effekt: Niederschlagshöhe (mm), geteilt durch die Zahl der Beobachtungs-
tage, Es liegen hier also absolute Werte vor, die auch der ungleichen Länge der
bürgerlichen Monate Rechnung tragen, so daß die Jahreswelle gleiche Intervalle hat,
2, Koeffizient (Methode Angot): Niederschlagsbetrag, geteilt durch den-
jenigen Betrag, der dem Zeitabschnitt zukommen würde, wenn der Niederschlag
über das ganze Jahr gleich verteilt wäre, Durch die letztere Fiktion schaffte
uns Angot Koeffizienten, die an jeder Stelle, in jeder Jahreszeit ein klares Bild
geben von dem relativen Regenreichtum, |
3. Tendenz, Darunter soll verstanden sein die Wahrscheinlichkeit dafür,
daß die Jahresperiode in diesem und jenem Monat den dem Monat nach seiner
Zeitlänge zukommenden Betrag erreicht oder überschreitet (Prozent!).
Um. dies finden zu können, berechnete ich aus der Niederschlagsmenge von
45 Jahren Schwellenwerte für die Monatslänge von 28, 29, 30 und 31 Tagen,
Hiernach war es dann möglich, die obigen Prozentwerte für jeden Monat des
Jahres zu finden.
Bei der „Tendenz“ liegen also auch Relativwerte vor, die als Prozentwerte
den mittleren Rang einnehmen zwischen den absoluten „Effekt“. Werten und den
„Koeffizienten“,
So haben wir die Möglichkeit geschaffen, die Jahreswelle von drei ver-
schiedenen Seiten zu schauen, um Einseitigkeiten zu vermeiden.
Unsere Kerntypen, Welche Zahl von Haupttypen eine Arbeit unterscheiden
will, hängt von der Stationszahl ab und von dem Ziel der Untersuchung.
Wenn zum Beispiel Paul Beelitz in seiner Dissertation „Haupftypen des
jährlichen Ganges der Niederschläge“, Berlin 1932, die er auf Anregung von
Knoch unter weitest gehender Literaturbenutzung und eigener Mittelberechnung
schrieb, 715 Stationen benutzte, so konnte deshalb bei der neunfachen Stations-
zahl natürlich eine viel größere Anzahl von Untertypen herausspringen,
Im Gegensatz hierzu sei hingewiesen auf die Klimatologie von Köppen, die
im Teil Europa ganz wenig Typen unterscheidet; überall ist Köppen offenbar
darauf bedacht, für den ganzen Erdball bei seiner Klassifizierung einheitliche
Typen zu benutzen,
Unsere Typenzahl soll eine mittelgroße sein, so wie sie sich aus unserem
Stationsnetz zwangläufig ergibt, Auf Vollständigkeit erhebt unsere Einteilung
keinen Anspruch, Vor allem in Südosteuropa ist unser Stationsnetz bedauerlich
weitmaschig, da wir uns die Forderung der 45jähr, Beobachtungszeit gestellt.
Kerntyp IL: Kontinental,
Dieser Typ ist der natürlichste von allen. Die Jahresperiode ist dadurch
charakterisiert, daß sie dem Sonnenstand mit geringer Verspätung in den Extremen
folgt. Durch örtliche Bedingtheiten wird an diesem Ideal da und dort varliert.
Die Stationen dieses Typs gehören dem Rumpf des Europa-Kontinents an,
vom. Ural hinstrahlend bis zum Rhein, einige andersgeartete Stations-Inseln
überspringend und selbst solche bildend:
Wir ordneten die Stationen nach vier Zonen, innerhalb der Zonen westöstlich,
Unsere Tabellen 1 bis 3 (Effekt, Koeffizient, Tendenz} enthalten die Werte
für die 12 Monate im: 45jährigen Mittel, daneben den analogen Jahreswert,
Außerdem sind bereitgestellt die zusammenfassenden und charakteristischen
Werte für die beiden Halbjahre Sommer (März bis August) und Winter (Sep-
tember bis Februar).
Da wir an anderer Stelle feststellten und durch Kärtchen erhärteten*), daß
an Nord- und Ostsee in den Monaten von März bis Juli der Niederschlag see-
landwärts steigt, vom August ab aber umgekehrt fällt, und ebenso bis zum
Februar hin, bildeten. wir am Schluß der Tabellen noch die Vergleichsmöglichkeit
zwischen den Jahresabschnitten März-Juli und August-Februar, Beim strengen
Kontinentaltyp zeigt sich auch hier ein Überragen des sommerlichen Regenplus,
beim nicht reinen Konfinentaltyp (vergleiche Typ III!) dagegen nicht mehr
*) A, Thraen: „Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag in der Norddeutschen
Tiefebene“, Ann, d, Hrydr. w marit, Met. 1015, Dezemberheit.