306 Auvalen der Hydrographie and Maritimen AMeteorologie, September 1940,
Als Superposition zweier wandernder Schwingungen aufgefaßt, ergeben sich
folgende Wanderungsgeschwindigkeiten:
X äenotig | Zknotig | Sknotig
Dänische Küste— Ende Botten-Büsen,.....4 | 66 km/h 66 km/h | —
Dänische Küste—Ende Fınniseher Busen... | 95 kmı 60km/h | 69 km/h
Die Wanderungsgeschwindigkeit der Wasserberge und -täler ist mit 28 km/h zu
gering, als daß die Vorgänge im Mittel durch Eigenschwingungen des Ostsee-
beckens erklärt werden könnlen. Sie können mur als erzwungene Schwingungen,
hervorgerufen durch das mit dieser Geschwindigkeit sich verlagernde Windfeld,
aufgefaßt werden®).
5. Als letztes wollen wir beachten, daß im Mittel aller 78 Fälle nach Be-
endigung der Störung — Also nicht während der Störung selbst, wie im
Absatz 3 besprochen — eine Erhöhung des Wasserstandes in der Kieler Bucht
und eine Erniedrigung in Hängö eingetreten ist. Dies ergibt sich, wenn der
Wasserstand des ersten mit dem des letzten Tages verglichen wird (Zahlen-
beispiel s, Tab, 1). Die Rechnung zeigt, daß die Erhöhung in Marienleuchte
siebenmal größer als die Erniedrigung in Hangö ist. Im Endeffekt rufen die
Wasserstandsschwankungen also eine Schiefstellung der Ostseecberfläche hervor,
die ihrerseits eine Ausgleichsströmung erzwingen muß, und zwar ostwärts. Ost-
wärts setzt im ungestörten Zustand nur der salzreiche Tiefenstrom. Es ist
scheinbar unbegründet im Fehmarnbelt mehrfach ein relativ starker Tiefenstrom
beobachtet worden, dessen Ursache zunächst statistisch durch die vorangegangenen
Wasserstandsschwankungen eine Erklärung‘ findet. Im allgemeinen aber wird
die Erhöhung des Wassers in der Kieler Bucht nach Beendigung der Störung
einen auswärtssetzenden Strom verursachen, auf den im Absatz 3 aus Kontinuitäts-
grühden bereits geschlossen worden war,
Mit dieser Betrachtung ist die Frage der Wassermassenzufuhr vom Kattegat
in die Ostsee berührt worden, Es sei deshalb kurz eine Überschlagsrechnung
angeführt: Wir betrachten die Verhältnisse an Tagen starker einwärtsgerichteter
Strömungen im Bereich der Beltsee. Nach der Tiefenkarte von Spethmann (11)
ergibt sich beim Feuerschiff „Halskov Rev“ im Großen Belt ein Querschnitt von
0.237 km? und beim Feuerschiff „Lappe Grund“ im Sund ein solcher von 0.098 km*;
der des Kleinen Beltes werde demgegenüber vernachlässigt. An Tagen stärk
einwärtsgerichteter Strömung (z, B. 10,1. 1933, 3. I 1935, 25. L 1986) ist auf
„Halskov Rev“ eine Geschwindigkeit von 3.0, auf „Lappe Grund“ eine solche von
2.3 sm/h im Tagesmittel beobachtet worden, Wohl treten gelegentlich um 50%
höhere Stromgeschwindigkeiten auf, aber der angegebene Tagesdurchschnitt
dürfte nur in seltenen Fällen überschritten werden. Durch den Großen Belt
werden dabei am Tage 31.5 km®% durch den Sund 10 km* Wasser in die Ostsee
verfrachtet. Bei einer Gesamtfläche?) von 400000 km?* ergibt sich eine Erhöhung
des gesamten Ostseespiegels um 1 dm — eine überraschend große Zahl. Es
wurde bei der Berechnung vorausgesetzt, daß die starke Überflächenströmung
bis zur Tiefe erhalten bleibt, was bei einwärtsgerichteten Strömen angenommen
werden darL Wenn die yernachlässigte Stromgeschwindigkeit im Kleinen Belt
eine Zehnerpotenz höher wäre als 50 km/h, würde ihre Berücksichtigung den
Zahlenwert um 25% vergrößern, Allein der Zustrom aus dem Großen Belt ist also
in der Lage, die gesamte Wassermasse der Kieler Bucht in einem Tage zu ersetzen.
Die durch die Belte setzenden Ströme sind demnach in der Lage, die auf-
tretenden Wasserstandsschwankungen in der Größe von 5% durch einen Wasser-
massengewinn oder verlust zu beeinflussen. Wie wir oben gesehen haben, wird
5 Rein rechnerisch ergibt sich allerdings beim Auftreten entgegengesetzter Extrema (im Mittel
1,3 Tage) eine Geschwindigkeit von 64 km/h, wenn man annimmt, daß dem entgegenzesetzten Extremum
am anderen Ende der mittleren Ostsee ein nach 0.65 Tagen aufgetretenes gleiches Extremum ent-
spricht. Docn gestattet die Untersuchungsmethode, die von Tagesmitteln ausgeht, wohl keinen Schluß
auf deramige Feinheiten, — 3 Die AD von Krümnmel (406 720 km*) bezieht sich auf eine Fläche
einschließlich des Kattegats: die von Krümmel gewählte Grenzlinie ist nicht bekannt (10).