304 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1940,
nämlich um die Erklärung des Jahresganges im großen bemüht, sei es nun
statisch nach dem Dichteaufbau oder astronomisch nach Periodizitäten, und
dieser Untersuchung die harmonische Analyse nach Monatsmittel zugrunde legt,
dann muß man durch die scheinbar vorhandene Phasendifferenz im Ostseeraum
auf Trugschlüsse geführt werden?),
2, Wir wollen. uns mit dieser Bemerkung begnügen und auf den Jahresgang
als solchen nicht weiter eingehen; die in der £rüheren Arbeit (7) gegebene Be-
gründung dieser Einschränkung gilt auch für die vorliegende Untersuchung.
Das Wesen der von der Meteorologie hier auf die Ozeanographie übertragenen
Arbeitsmethode besteht vielmehr in der Behandlung der auftretenden Schwan-
kungen, in der Diskussion des Auf und Ab der Kurvenzüge der Abb. 2,
Es fällt auf, daß diese Störungen in Marienleuchte eine wesentlich größere
Amplitude als in Hangö besitzen. Wie später berechnet werden wird, ist das
Amplitudenverhältnis 2:1. Dies entspricht unserer Vorstellung von den Schwan-
kungen des Wasserstandes in der Ostsee, Wir wissen, daß der Unterschied
zwischen höchstem und niedrigstem Wasserstand im Osten nur die Hälfte des
Beirages in der Kieler Bucht ausmacht (s). In den Kurven von Abb. 2
haben wir mithin ein Bild vom Jahresgang des Wasserstandes gewonnen, das
die Verhältnisse plastisch und anschaulich zur Darstellung bringt, Betrachtet
man allein den jährlichen Gang, wie er sich aus Monatsmittel berechnet (Abb. 3),
so muß man, wenn man nicht die wirklichen Verhältnisse kennt, unbedingt den
Eindruck gewinnen, daß die Wasserstandsschwankungen in Hangö größer als in
Marienleuchte sind. Dieses Beispiel vom eingeschränkten Wert der Monatsmittel
ist so lehrreich, daß es geradezu als Muster gelten kann, Über das Methodische
hinaus ist es aber für das Ostseeproblem deshalb von Interesse, weil es beim
Studium mittlerer Stromversetzungen oder mittleren Salzgehaltes usw. zur Vorsicht
mahnt, die ja mit dem Wasserstand in enger Verbindung stehen müssen.
Bei näherer Betrachtung scheinen die Zacken der Marienleuchter Kurve mit
denen die Verhältnisse in Hangö darstellenden in keinem Zusammenhang zu
stehen, obwohl das Synchrone beider Bilder so betont worden ist, Geht man
aber mit der Hypothese, daß einem HW in Marienleuchte ein NW in Hangö
entsprechen müßte (Schaukelbewegung!), an die Analyse heran, so erwartet man
zuviel. Beispielsweise bewege sich eine Zyklone nördlich der Linie Borkum—
Archangelsk (13) nach Nordosten, so wird das Windfeld zunächst in Marienleuchte
ein NW, nach ein oder zwei Tagen bei seinem Eintreffen in Hangö ein HW
und, wenn die Kaltfront die lettische Küste passiert hat, die Rückseitenströmung
schließlich in Marienleuchte ein HW erzeugen, In diesem Falle gehören zwei
HW und ein NW zusammen, die aber nacheinander und nicht gleichzeitig auf-
treten werden. Es fällt nicht schwer, durch Auswahl weiterer Wettervorgänge
beliebige HW-NW-Gruppierungen zusammenzustellen. Unsere Untersuchung soll
deshalb mit einer Auszählung folgender Typen beginnen:
Charakter
Typ3
auf ein
Maximum in Marienleuchte
Minimum in Marienleuchte
Maximum in Hangö
Minimum in Hangö
Minimum in Marienleuchte
Maximum ia Hangö
Minimum in Hangö
Maximum In Marienleuchte
folgt ein
Maximum in Hangö
Minimum in Hangö
Maximum in Marienleuchte
Minimum in Marienleuchte
Maximum in Hangö
Minimum in Marienleuchte
Maximum in Marienleuchte
Minimum in Haneö
N*
B*
;*
a*
r
A
PA
1) Was bier für den Wasserstand gilt, muß in gleicher Weise bei der Diskussion des jährlichen
Ganges etwa der Dichte oder der Strämungen beachtet werden, denn diese Elemente müssen in irgend-
einer Weise mit dem Wasserstand verknüpft sein.
2) Durch die Symbolik ist der Typ festgelegt, es bedeuten:
Deutsche Buchstaben: Maximum in Marienleuchte.
Antiqua-Buchstaben: Minimum io Marienleuchte,
Große Buchstaben: Die Extrema treten zuerst in Marienleuchte auf,
Rleine Buchstaben: Die Extrema treten zuerst in Hangö auf,
Stern: Gleichsinnige Extrema in Hangö und Morlenleuchte,