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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

Model, Fr.: Das Oberflächengefälle als Teilproblem der Ostsee, 303 
Wasserstandsschwankungen auf die Schiefstellung der Ostseeoberfläche aussagen?“ 
Wir beginnen unsere Studie mit einer Diskussion über den allgemeinen jähr- 
lichen Gang des Wasserstandes in Hangö, verglichen mit dem von Marienleuchte, 
1. Die Jahresschwankung, gemessen am Unterschied zwischen dem niedrigsten 
NW und dem höchsten HW, ist in Hangö fast um ein Drittel größer als in 
Marienleuchte, Die Extrema werden erreicht: 
Maximum cm über MW | Minimum cm über MW ee 
Kane a | 16, Oktober +15 26, März —19 34 cm 
Marienleuchte, . | 25, August -{- 12 | 18. März — 14 | 26cm | 
Der niedrigste Wasserstand wird sowohl im Westen wie im Norden in der 
zweiten Märzhälfte erreicht; er stellt sich in Hangö nur acht Tage später ein 
als in Marienleuchte. Der höchste Wasserstand hingegen tritt im Westen zwei 
Monate eher als im Norden auf. Dieses Ergebnis steht in Übereinstimmung mit 
unserer Kenntnis vom jährlichen Gang des Wasserstandes, gewonnen aus Monats- 
mitteln; auch da liegt das Minimum einheitlich im März, das Maximum im Norden 
dagegen im Oktober, wie erst jüngst Kägi (+) in dieser Zeitschrift wieder für 
die estländischen Stationen aufgezeigt hat. Wie immer man den Jahresgang 
auch erklären will, er scheint in Marienleuchte anders als in Hangö zu sein, 
Unsere vorhergehende Betrachtung (7) lehrte aber, daß er sich in Marienleuchte 
aus einer 74tägigen Periode winterlicher Störungen, im übrigen aber einem ver- 
hältnismäßig stetigem Auf- und Abstieg zusammensetzt. Ähnliches Verhalten zeigt 
die Jahreskurve von Hangö (Abb, 2): Das Minimum am 26. März erwächst 
organisch dem im Januar beginnenden gleichmäßigen Abstieg, während das 
Maximum dem Kurvenverlauf zufolge eigentlich im August, bestimmt aber nicht am 
16.Oktober erwartet werden muß, 
Auch hier ist also der in der 
zweiten Jahreshälfte beginnende 
Abstieg der Jahreskurve gestört, 
Diesem Jahresgang das Schema 
einer harmonischen Analyse auf- 
zuzwingen, ist offensichtlich eine 
rechnerische Willkür, Dies wird 
noch deutlicher, wenn wir unsere 
Aufmerksamkeit dem Oktober: 
maximum zuwenden. Die Kurve 
läßterkennen, daß es das Oktober 
monatsmittel wesentlich beein- 
flussen muß; ja, der vergleichs- Er Jahrosgang de be in Minlenlauchte 
3 3 5 Star mc ang SCH WAaC In ONatsmıttcl, Stren 
NEST (AD I Pa vergleichbar, Mittel der Jahre 1914 bis 1936. 8 
Jahresmaximum sogar im Oktober, Den gleichen Verlauf finden wir in den von 
Kägi (ı) vorgelegten Wasserstandskurven Estlands wieder, während unsere Dar- 
stellung vom Wasserstand in Marienleuchte in Abb. 3 und die der deutschen 
Ostseeküste z. B. von Kolberg bei Hahn und Rietschel (s) eindeutig im August 
das höchste Monatsmittel zeigen. 
Wir erinnern uns jetzt, daß auch in Marienleuchte im Oktober die auf- 
fäNligste Erscheinung, nämlich das kalendergebundene stärkste Niedrigwasser 
aufgefunden wurde. Ohne vorweggreifen zu müssen, zeigt die Abb. 2 deutlich 
den Zusammenhang zwischen dem Oktoberniedrigwasser in Marienleuchte und 
dem Oktoberhochwasser in Hangö. Diese beiden Extrema werden der Ostsee 
von außen aufgeprägt und haben mit dem statischen jährlichen Gang nichts zu 
tun, dessen Maximum muß vielmehr dem ganzen Kurvenverlauf zufolge im August 
angenommen werden, sowohl an der südlichen deutschen wie auch an der 
estländisch-finnischen (nördlichen) Küste. Ebenso hatten wir gesehen, daß das 
Minimum im ganzen Ostseebereich einheitlich im März auftritt. Dies muß als 
erstes Ergebnis unserer Darstellungsart festgehalten werden. Wenn man sich
	        
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