14 Das Relief des Äsorensockels und des Meeresbodens nördlich und nordwestlich. der Azoren,
In etwa 48° N sind auf dem Hauptkamm wieder geringere Tiefen gelotet.
Wir befinden uns hier im Bereiche der umstrittenen Chaueer-Bank, jener
geringen Tiefen von 88, 91 und 128 m, welche das Schiff „Chaueer“ im Jahre 1850
zwischen 42° 42’ und 42° 52' N-Br. bzw. 28* 51° und 29° 10° W-Leg, auf Grund
von. Lotungen bei ruhigem Wetter und. auf festem {felsigem) Boden gemeldet
hatte. Die Nachprüfung dieser Untiefen durch das V,S. 8. „Delphin“ 1858 und
VS. 5. „Monongahela“ hatte ihre Existenz in Frage gestellt. Die Nachsuche
durch das deutsche Forschungsschiff „Deutschland“*) ergab im 42° 42 N und
28° 45’ W, also in unmittelbarer Nähe der fraglichen 88 m-Stelle, eine geringste
Tiefe von 1729 m. Kreuzer „Karlsruhe“ legte dann 1934 ein zonales Echolotprofil
mit engabständigen Lotungen über die Bank und fand mit 1120 m die geringste
Tiefe in 42° 58° N und 29° 9.5 W. Im Jahre 1938 fand Kreuzer „Emden“ auf
seinem Nord-Süd-Profil über die Bank bei systematischer Äblotung der von
„Chaucer“ gemeldeten Positionen als geringste Tiefe 1105 m in 42° 48,5’ N und
29° 5.5 W, Schließlich hat hier das britische Vermessungsschiff „Challenger“ in
den Jahren 1933, 1937 und 1938 einige systematische Lotreihen mit dem Echolot
ausgeführt, welche im etwa 42° 57'N und 28° 49' W als geringste Tiefe 738 m
ergaben und welche nach einer Mitteilung im' Bulletin Hydrographique Inter-
national 1938?) die Lotungen der „Chaucer“ und eine von „Tamar“ 1922 hier
gemeldete Untiefe von 135 m als „sehr zweifelhaft“ erscheinen lassen, Aus der
in diesem Bulletin veröffentlichten Spezialkarte in 1: 1000000 geht jedoch hervor,
daß der mittlere Abstand der „Challenger“-Lotungen schätzungsweise 5 sm und
mehr betragen haben dürfte, so daß bei systematischerer Ablotung immerhin
die Auffindung noch geringerer Tiefen als nicht ausgeschlossen bezeichnet werden
darf, eine Auffassung, die auch der Verfasser P, V, der genannten Mitteilung
mit der Bemerkung „Malgre ces beaux fravaux, l’ä&tude du banc ne peut encore
etre consideröe comme complete“ ausdrückt, Ohne Zweifel können die Positions-
angaben der Chaucer-Untiefen nicht zutreffen; denn auf diesen haben „Emden“
und „Challenger“ Tiefen zwischen 1105 m und 2887 m gelotet, Als geringste
auch in ihrer Position verbürgte Tiefe haben wir daher die „Challenger“-Lotung
mit 733 m in unsere Karte eingetragen, aus der im übrigen hervorgeht, daß die
Chaucer-Bank (besser würde man sie „Chaucer-Kuppe“*®) nennen) einen Teil des
Hauptkammes des Zentralrückens darstellt und sich an eine scharfe Umbiegung
desselben nach W knüpft.
Zwischen der Chaucer-Bank und dem Azorenplateau, d.h. zwisehen 43° und
40° N ist der Atlantische Rücken, der sich hier weiter verbreitert, durch. vier
eng beieinanderliegende „Altair“-Profile und das „Emden“-Profil in Richtung
NNW-SSE und drei senkrecht dazu verlaufende Lotprofile von „Altair“ und
„Karlsruhe“ relativ gut erforscht. Wir stellen dementsprechend wieder eine starke
Lebhaftigkeit des Reliefs fest: Vier parallele, von NzE nach SzW verlaufende
schmale Rücken mit Gipfelungen von weniger als 1500 bzw. 2000 m und drei
grabenförmige Senken (von 2500 bis 3000 m Tiefe} dazwischen verleihen dem
Atlantischen Rücken den Charakter einer reichgegliederten und stark zerspaltenen
Bruchstufenlandschaft, ganz ähnlich wie wir es auf dem Azorensockel, jedoch in
einer senkrecht dazu verlaufenden Anordnung, festgestellt haben, Der mittlere
Abstand der Hauptachsen der Rücken ergibt sich für diesen Abschnitt der
Zentralschwelle zu etwa 32 km, ist also etwas größer als der mit 24 km von
Cloos aus Abb, 5 entnommene mittlere Spaltenabstand innerhalb der Azoren,
Es muß dem Tektoniker überlassen bleiben, aus einer vergleichenden Analyse
dieser beiden relativ gut beloteten Teilgebiete des Atlantischen Rückens weitere
Folgerungen über die Entstehung zu ziehen,
Westlich und südwestlich des Azorensockels, der, wie oben näher darge-
legt, eine zungenförmige Verbreiterung der zentralen Groß-Schwelle nach ESE
!ı W“‘ Brennecke, aa 0. 1021, &. 23 bis 24, .
*) {P. V.) Sondes sur le Banc Chaucer, Bulletin Hydrographique International, No, V. (Sept.-
OÖet.) 1935, 5,86 bis 88. a .
%) Unterseeische Erhebungen, welche bis zum Niveau der Schelfe {in der Regel 200 m} oder
darüber hinaus aufragen, pflegt man als „Bänke“, hingegen Steilformen, deren Gipfel im tieferen
Niveaus Keygen, als „Kuppen“ zu bezeichnen. ;