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Full text: 68, 1940

12 Das Relief des Äzorensockels und des Meeresbodens nördlich und nordwestlich der Azoren, 
II. Das Relief des Meeresbodens nördlich und nordwestlich der Azoren. 
1. Das Quellenmaterial und die Konstruktion der Tiefenlinien, 
Für die Bearbeitung der Reihenmessungen (t° und S°/„) der Internationalen 
Golfstromuntersuchung 1938 ist zunächst die Schaffung einer neuen detaillierten 
Tiefenkarte des Gebietes zwischen 36° und 49° N-Br. bzw. zwischen 25° und 
40° W-Lg. im Maßstabe der Arbeitskarten (Merkatorprojektion 1: 2500000) erfor. 
derlich, eine Aufgabe, die wegen der außerordentlich ungleichmäßigen Verteilung 
der Lotpunkte ziemlich schwierig ist und ohne eine morphologische Arbeits- 
hypothese nicht durchgeführt werden kann, Das Ergebnis dieses Versuches ist 
hier auf den Maßstab 1: 5000000 verkleinert wiedergegeben und stellt die südliche 
Fortführung einer ähnlichen Spezialuntersuchung G. Böhneckes!) dar, dessen 
Tiefenkarte das Gebiet etwa zwischen 48° und 67° N-Br. bzw. zwischen 20° und 
50° W-Lg. ebenfalls im Maßstabe 1: 5000 000, jedoch in flächentreuer Projektion, 
umfaßt. 
Die Verteilung der Lotpunkte zeigt Tafel III, Das Quellenmaterial ist im 
allgemeinen dünner gesät als zwischen den Azoren. Es setzt sich zusammen aus 
den Echolotprofilen vornehmlich deutscher Schiffe und den Drahtlotungen älterer 
Forschungs- und Vermessungsfahrzeuge, welche der Kartothek bzw. den Arbeits- 
karten des Instituts für Meereskunde entnommen wurden, Einige ergänzende 
Lotungen lieferte das Blatt A1 der „Carte gönerale bathymetrique des oetans“ (der 
sogenannten „Monaco-Karte“, Maßstab 1: 10000000, 2. Ausgabe 1935), deren Posi- 
tionen infolge der Kleinheit des Maßstabes nur angenähert abgelesen werden konnten. 
Als besonders wertvoll erweisen sich die engabständigen, vorwiegend meri- 
dional verlaufenden deutschen Echolotprofile des „Altair“2) und des Kreuzers 
„Emden“ 1938, ferner die mehr zonal angeordneten Echolotreihen des Kreuzers 
„Karlsruhe“ 1934 bis 1936, des Linienschiffes „Schlesien“ 1939, der Lloyd-Dampfer 
„Bremen“. Europa" 1930/31 und „Columbus“ und des Kabeldampfers „Neptun“ 1930. 
Dieses nicht weniger als 15 Echolotprofile umfassende Material ist von der Amts- 
gruppe Nautik des Oberkommandos der Kriegsmarine in den „Beiheften zu den 
Nachrichten für Seefahrer“ veröffentlicht *) bzw. dem Verfasser handschriftlich zur 
Verfügung gestellt worden. Tafel III, in der die deutschen Echolotungen be- 
sonders gekennzeichnet sind, zeigt deutlich, daB den Hauptanteil an der Ent- 
schleierung des Bodenreliefs hier seit 1930 die deutschen Forschungs-, Kriegs- 
und Handelsschiffe haben. 
Die Lotdichte schwankt zwischen 0 und 240 im Eingradfeld, ist also höchst 
ungleichmäßig. Die Gesamtzahl der Lotungen (von mehr als 200 m Tiefe) beträgt 
für die 183 Eingradfelder der Karte 4729. Die mittlere Lotdichte beläuft sich 
also auf 28 Lotungen im Eingradfeld. 
Es ist klar, daß bei einer so ungleichmäßigen Verteilung der Lotpunkte von 
vornherein auf einen einheitlichen Stil der Isobathenkonstruktion verzichtet 
werden muß, will man nicht gerade die neuesten Erkenntnisse über das feinere 
Relief in den gut beloteten Gebieten über Bord werfen. Vergegenwärtigt man 
sich noch einmal die oben erkannte Vielgestaltigkeit der submarinen Vulkan- 
bauten zwischen den Azoren, so wird man auch in der nördlich anschließenden 
Störungszone des Atlantischen Rückens mit einer ähnlichen Auflösung der Boden- 
formen in eine Reihe von langgestreckten, mehr oder minder parallelen. Rücken, 
die jedoch im Gegensatz zu den Azoren meist von NNE nach SSW bzw. von N 
nach S verlaufen, rechnen müssen, Die Echolotprofile bestätigen allenthalben 
im Bereiche des Zentralrückens diese naheliegende Vermutung, so daß der Versuch 
durchaus gerechtfertigt ist, auch über die weniger gut beloteten Abschnitte der 
1) A. Defant, G. Böhnecke u. H. Wattenberg: Die ozeanographischen Arbeiten des Ver- 
messungsschiffes „Meteor“ in der Dänemarkstraße und Teminger-Sen, 2. Teil. Voröff, Inst. f, Meeres- 
kunde N. F. Reihe A, Heft 32. Berlin 1935. . 
%) Das gleichzeitig tätige norwegische Forschungsschiff „Armauer Hansen“ verfügte über ein 
britisches registrierendes Echolot, das nur bis 1000 m anzeigte und daher für die Entschleierung des 
Bodenreliefs im den Golfstromprofilen praktisch ausfiel. 
3) Beihefte zu den Nachrichten für Seefahrer Nr. 12 (1931), Nr. 51 (1932), Nr. 25 (1934), Nr. 21 
(1933, Nr, 19 (1936), Nr. 7 (1938), Nr. 19 (1939) — Berlin 1931—39.
	        
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