6 Das Relief des Azorensockels und des Meeresbodens nördlich und nordwestlich der Azoren,
aus den Temperaturen in situ t, und den üblichen Dichtewerten g, beantwortet
werden, Vielmehr ist es notwendig, die potentiellen Temperaturen . und die
potentiellen Dichten o,, heranzuziehen. In der folgenden Tabelle sind diese
Werte für drei Stationen außerhalb und innerhaib des „Hirondelle“- Tiefs be-
rechnet worden, und zwär für die beiden „Altair“-Stationen 17 und 97 und die
„Deutschland“-Station 33, die mitten zwischen beiden in je 140 m Abstand ge-
legen ist (Tab. 1).
Tabelle 1. Schichtang außerhalb und Innerkalb des Hirondelle-Tiefs,
Deutschland-Station 33 Altair-Station 97
{27—29) 30° 47 N, 24° 22 W
38° 00’ N, 26° 06 W 140 sm nordöstlich
im Hirondelle-Tiet vom Hirondelle-Tief
ts | 6 7 So | %p 6 ! So | On
1500 | 5.70 35.23 27,81
2000 | 3.86 35.01 27.85
2500 | 310 34,96 | 27.88
2540B2 — MA
2800 | 291° © 4054 27.00
2032.89) | — nn
3000 | 286 2.60 34.94 27.90
3200 | 282 | Sa [3405 [2791
U
3400 I 274 | 2.da [3105 27,91
589 5.04
557} (D.37)
462 | 0 7
„60 3
5
X
4,55
52
R
=>
| 2A 5
35.22
35.00
27.79
277911)
+44
77
3.14
2.04%
5.80
3.60
2.00
70
35.22 2783
35.00 27.85
534.98*27,91
Me Era
2m
| 388 262 34,07 127,93
2 — y 282* 254* 3.4.08 |27.01*
35.04 Po — 8 — | —
(34.99)5| (27.78) | — | — ' nn | um
= dog 247 134.95 127.90
erte mit * Änterpotiert, Werte in ( } zweifelhaft.
Pot, Dichte ganz heraäusfallend, .
Bodenwerte von. Deutschland-Station 28 (37° 50' N, 26° 02.5 W}).
Bodenwerte von. Deutschland-Station 29 (37° 51‘ N, 36° 05 W}
Bodenwerte von Deutschland-Station 27 (37° 59.5” N, 28° 07 W).
Boden wasserprobe tonig, S 5 wahrscheinlich zu. niedrig.
Aus dieser Zusammenstellung der potentiellen Temperatur und des Salz-
gehaltes, und nöch deutlicher aus Abb, 2 geht hervor, daß das „Hirondelle“-
Tief allseitig vom offenen Ozean abgeriegelt ist, und daß die Ein-
sattelungen in seinen Wandungen maximal bis rund 1800 m Tiefe
hinabreichen, Denn die potentielle Temperatur von 4.2° und der Salzgehalt
von 35,04% am Grunde (3261 m) dieser isolierten Senke entsprechen den Ver-
hältnissen in rund 1800 m Tiefe außerhalb derselben. Im offenen Ozean ist in
3300 m Tiefe die potentielle Temperatur um 1,7° C{!) niedriger als im „HMiron-
delle“-Tief, Zu dem Effekt der Abriegelung tritt bei letzterem in den Tempe-
raturen in situ noch der adiabatische Effekt, Aber die potentiellen Temperaturen,
die mit der Tiefe abnehmen, lehren, daß dieser zusätzliche Effekt unteradiabatisch
ist; mit anderen Worten: eine Wärmesteigerung „durch Abgabe von Wärme aus
lem vulkanisehen Meeresboden“ ist im „Hirondelle“-Tief nicht nachweisbar, ebenso
ist eine anormale Zunahme des Salzgehaltes etwa als Folge von Vulkanaus-
brüchen in den Bodenwasserproben nicht festyestellt. Auffallende Rücksprünge
der potentiellen Dichte, die zunächst nicht erklärt werden können, zeigen die
Werte der „Deutschland“.Station, die auf einer Kombination von Serienmessungen
and Bodenbeobachtungen beruht, Es liegt die Vermutung nahe, daß in 2000 m
und 3327 m bei der Bestimmung der Temperatur bzw, des Salzgehaltes etwas
größere Messungsfehler unterlaufen sind. Aber diese vermutlichen Fehlerquellen
beeinträchtigen nicht die Schlußfolgerung, daß das „Hirondelle“-Tief bis zu
Tiefen von 1800 m mit dem offenen Ozean in freier Verbindung steht, und daß
die bei Schott-Thoulet durch die 1500 m-Tiefenlinie umschlossenen Rücken. in
Wahrheit an ein oder mehreren Steller durchbrochen sein müssen.
Unsere neue Tiefenkarte der Azoren (Tafel II) lehrt, daß auch in. anderer
Hinsicht die bisherige Darstellung des sogenannten „Hirondelle“-Kessels zu
modifizieren ist. Nach den „Altair“Lotungen stellen die beiden vom Inselsockel
San. Miguels ausgehenden Rücken nicht, wie Schott-Thoulet es annehmen, eine