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Full text: 68, 1940

4 Das Retief des Azorensockels und des Meeresbodens nördlich und nordwestlich der Azoren, 
für die Konstruktion einer neuen Tiefenkarte zu beschaffen, Diese Echolotungen 
wurden in der Amtsgruppe Nautik des Oberkom mandos der Kriegsmarine (durch 
Reg, Insp. Peschel) auf „wahre Tiefe“ reduziert und in die neueste Ausgabe der 
Deutschen Admiralitätskarte Nr. 135 (Azoren 1 :750000, Ausgabe 1920 mit Be- 
richtigungen bis 1. Februar 1936) eingetragen und durch 41 neuere Echolotungen 
des Kreuzers „Emden“ aus dem Jahre 1938 ergänzt. Etwa 200 weitere Lotungen 
wurden aus einer im Institut für Meereskunde befindlichen Arbeitskarte (1 : 759 000), 
in. die von Dr. Th, Stocks handschriftlich das dem Institut bis 1934 bekannt- 
gewordene Lotmaterial eingetragen War, übernommen. Ferner steuerten die 
„Lists of öceanic depths“ 35 neuere Lotungen aus den Jahren 1935 bis 1938 zu. 
Schließlich wurden in die Arbeitskarte 9 Lotungen des norwegischen Forschungs- 
schiffes „Armauer Hansen“, die im Beiheft zum Juniheft 1940 dieser Zeitschrift!} 
veröffentlicht sind, eingetragen. Die Gesamtzahl der Lotungen (von mehr als 
500 m Tiefe), welche in der so ergänzten Arbeitskarte (D, A, K, Nr. 135) der 
Isobathenkonstruktion zugrunde gelegt werden konnte, beläuft sich somit auf 
rund 2400, 
2, Die Verteilung der Lotpunkte und die Konstruktion der Tiefenlinien. 
Die Lotpunkte sind, wie Tafel I erkennen läßt, sehr ungleichmäßig verteilt, 
Die neueren deutschen Echolotprofile?®) des Forschungsschiffs „Altair“ 1938, des 
Kreuzers „Emden“ 1988, des Linienschiffs „Schlesien“ 1939, des Kreuzers „Karls- 
ruhe“ 1986 und des Schnelldampfers „Columbus“ mit zum Teil sehr engabstän- 
digen Lotpunkten treten in ihrer sternförmigen Anordnung klar hervor. Da- 
zwischen befinden sich in unregelmäßiger Verstreuung die älteren Drahtlotungen, 
So liegen Jotreiche Gebiete unmittelbar neben lotarmen, und &s tritt bei der 
Konstruktion der Tiefenlinien die große Schwierigkeit auf, einen einheitlichen 
Stil der Reliefdarstellung zu finden, Diese muß notgedrungen in mancher Hin- 
gicht schematisch und bypothetisch bleiben, Beginnt man mit dem relativ gut 
beloteten Zentralgebiet, So erkennt man bald, daß der Azorensockel durch einen 
bemerkenswerten Parallelismus langgestreckter Rücken und Senken, welche von 
WNW nach ESE verlaufen, ausgezeichnet ist. Die Rücken stellen in Richtung 
nach ESE die unterseeische Fortsetzung der langgesireckten zentralen Inseln dar, 
ron denen bekannt ist, daß sie „ausschließlich aus Eruptivgesteinen vom atlan- 
tischen Magmentypus zusammengeseizf sind“®), Es handelt sich also offenbar 
auch bei den Rücken um Vulkanbauten, die sich an tektonische Leitlinien knüpfen, 
Nachdem dieser Zusammenhang besonders auf Grund der Echolotproiile des 
„Altair“ im zentralen Inselgebiet klar erkannt war, lag es nahe, auch in den 
weniger guf beloteten Gebieten des Azorensockels bei der Konstruktion der 
Isobathen diese tektonischen Leitlinien zu benutzen. Aber es sind hier auch 
andere, wenn auch weniger wahrscheinliche Konstruktionen möglieh, so daß unsere 
neue Tiefenkarte in solchen Gebieten zunächst nur einen hypothetischen Charakter 
besitzt. Zur Erzielung eines völlig gesicherten Isobathenbildes wäre es natürlich 
bei dem zweifellos schr verwickelten Relief erforderlich, ein wesentlich dichteres 
Netz engabständiger und senkrecht zu den Leitlinien verlaufender Echolotprofile 
zu besitzen — eine sowohl in ozeanographischer als auch tektoönischer Hinsicht 
höchst dankenswerte Aufgabe für künftige Forschungen. Heute ist man ge 
zwungen, sich auf einen Isobathenabstand von 500 m zu beschränken und durch 
die Strichelung der Tiefenlinien all die Gebiete in der Tiefenkarte zu kenn- 
zeichnen, in denen die Darstellung durch Lotungen noch nicht hinreichend belegt 
erscheint, 
3, Die San Miguel-Senke mit dem Hirondelle-Tief. 
Die bedeutendste grabenförmige Einsenkung befindet sich mit einer Maximal- 
tiefe von 3509 m im W von San Miguel und wurde von Thoulet der „Hirondelle“*- 
Graben (nach dem hier fIrüher wiederholt tätigen Forschungsschiff „Hirondelle* 
2 XI—XIV, , 
Vgl, auch die Beihefte zu den „Nachrichten für Seefahrer“ 1938, 
Ba Ta 8: Zur Tektonik der Ayoren, Abb, d, Pr. Ak, d. Wiss, 1939, Phys,-Math. Kl Nr. 5. 
erhn 1;
	        
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