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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

36 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1940. 
Wirkungsweise und den Ursprung der Kerne 
sowie ihre Beziehung zur Lmftelektrizität beban- 
delnden Abschnitten des 1, Teils, Von besonderer 
Bedeutung für die Frage nach der Natur der 
Kerpe sind u. a. die Untersuchungen darüber, wie 
groß der Anteil der ungeladenen Kerne an der 
(Gesamtkernzahl ist. Was die Frage der Herkunft 
der Kerne betrifft, #0 scheint man. nach Burck- 
hardt mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß, 
entgegen der Ansicht von Hildiog Koehler, die 
Mehrzahl auf dem Festland erzeugt wird und 
nicht über dem Meere, ferner auch, daß die hygro- 
skopischen Kerne [siehe die Arbeiten von Junge) 
oicht. die Gesamtheit der Kerne bilden. Hier wäre 
vor allem auch nachdrücklichst auf die schon von 
A. Wegener erörterte Möglichkeit eines prinzi- 
piellen Ünterschieder zwischen Kondensations- und 
Sublimationskernen hinzuweisen, dessen weitere 
Verfolgung Findeisen zu neuen Ansichten über 
die Niederschlagsbildung führte, . . 
Der 2, Teil (37-—856) behandelt der Reibe nach: 
Die mittlere Kernzahl an verschiedenen Orten, 
tokalklimatologische Zusammenhänge, die Abhän- 
pigkeit der Kernzahl von der Höhe, den ON 
und jährlichen Gang der Kernzahl, Kernzahl und 
Wind, Kernzahl and Luftkörper, Kernzahl und 
Feuchtigkeit, Kernzahl und Sicht, Kernzahl und 
andere meteorologische Faktoren. Im Zusammen- 
hang mit den Neubergerschen Untersuchungen 
über die Beziehung zwischen Sicht und Kernzahl 
bei Landwind, Seewind und Pseudoseewind wird 
die von Wigand näher untersuchte Beziehung 
zwischen Kernzahl, Feuchtigkeitsgehalt und Sicht 
erörtert, wobei Veif, zum Ergebnis gelangt, daß 
dieselbe für reine Seehuft jedenfalls der Bıchtung 
nach zutrifft. — Aus dem sehr beachtenswerten 
Ausblick sel nur hervorgehoben, daß Verf, als 
Aufgabe der Zukunft besonders die Entwicklung 
von Methoden zur Unterscheidung und Zählung 
einzelner Kernsorten unterstreicht, 
Bereits in der ausgezeichneten Mon 
von Landsberg (siehe das vorhergenannte Keferat} 
wurde der Bedeutung von Kernzählungen im ge- 
schlossenen Zimmer zur Beurteilung des Verun- 
reinigungegrades der Luft gedacht. In anschau- 
lichster Weise wird hier von Flohn anf die 
Lygienische Bedeutung des Kerngehalts im Zimmer 
eingegangen, wobei die entscheidende Bedeutung 
des Feuchtigkeitsgehalts der Raumluft unter. 
strichen Wh, Auch die Kernproduktion der 
Großstadt wird gebührend beleuchtet; Verf. weist 
in diesem Zusammenhang darauf bin, daß alle 
hier in Frage kommenden, sich wesentlich auf die 
Verbrednungskerne, die sog. industriellen. Keime, 
beziehenden Gesichtspunkte „eine besondere Rolle 
im Rahmen der großzügigen Raumordnung des 
nationalsozialistischen Keiches spielen“. Hier 
kommt also die Kernzahl als Indikator für den 
atmosphärischen Reinbeitsgrad in Frage, Davon 
ist aber streng zu unterscheiden die rein biolo- 
gische Wirkung der Kerne, die sich auf dem Wege 
der wesentlich von der Feinheit der Verteilung 
der Materie des Aerosols (siehe Schmauß un 
Wigand!} abbäsgenden Atmung vollzieht. Auch 
auf dieses, hier möglichst gründlich behandelte, 
mehr ins Medizinische fallende (Jebiet kann zur 
kurz hingewiesen werden, In den beiden letzten 
Abschuitten werden in sehr übersichtlicher, durch 
Kurren und Tabellen unterstützter Weise einmal 
die von. Flach 1936 und 1937 im westsächsischen 
Mittelgebirge mittels des Schoölzschen Kern 
zählers und die ron Schulz ab 1934 in Braun 
lage mit dem sämlichen Apparat are hr 
Messungen erörtert. Die Braunlager Mıssungen 
'aßten in erster Linie die Beziehungen zwischen 
Kernzühl einer- und Windrichtung, Bewölkung, 
relative Feuchte, Sicht und Luftkörper anderer- 
seits ins Auge, die von Flach durchgeführten 
diejenigen zwischen Kernzahl einer. und relativer 
FON Sicht, Windrichtung, Windgeschwindig- 
zeit und Luftmasse andererseita,, Von den Eıgeb- 
1js8en sel nur erwähnt, daß Schulz keinen ein- 
dentigen Zusammenhang zwischen Kernzahl und 
Sicht finden konnte, und daß er in guter Überein- 
ximmung hiermit zum Ergebnis kommt, duß das 
ron Neuberger (siehe ‚Arch. Disch, Seewarte 56, 
1936, bzw. Hamburger Diss.) für Sylt gefundene 
Resultat, wonach zuiehmende Sicht mit Abnahme 
der Kernzahl verbunden ist, nur für Meeresluft 
gilt, Erwähnt muß schließlich noch werden, daß 
sich nach Flach der Scholzsche Kernzähler bei 
lokalklimatischen Automeßfahrten bewährt hat, 
weiter, daß von ihm im Jahre 1937 auch Staub- 
and Grossionen - Untersuchungen durchgeführt 
wurden, 
Alles in allem genommen darf gesagt werden, 
daß es sich. um eine hochbedeutende Mann rap hit 
handelt, Auck die Ausstattung des Buches ist 
vorzüglich, 6 daß der Preis nicht zu hoch. er- 
scheint, Eine zweite Auflage könnte noch sehr 
gewinnen «durch Hinzufügung eines Autoren- 
rerzeichnisses, Ohr. Jensen, Hamburg. 
H. Reinhardt: Ein Beitrag zum Problem der 
bohen Hinderniswolken, (Beiträge zur Physik 
der freien Atmosphäre, 26 (1939), S, 22 bis 36, 
16 Figaren,) 
In der vorliegenden Arbeit sind die Ergeb- 
nisse zusammengestellt worden, die aus den u, 8, 
mittels Wetterflugzeug durchgeführten. Unter- 
suchungen hei Föhnlagen anf der Lesgseite des 
Riesengebirges (Kammhöhe bis zu etwa 1500 m} 
gewonnen wurden, Insbesondere wurden Mes- 
zungen im „Moszagotl‘, der leeseitigen hoben 
Hinderniswolke des TEE durchgeführt, 
deren Untergrenze etwa bei 3000 bie 4000 m (Ober- 
grenze teilweise über 9000 m} legt, Die genaue 
Kenntnis dieser in sich mehrfach gegliederten 
Wolke ist für die Fliegerei, insbesondere für die 
Segeclfliegerei, sehr wichtig, da darin bzw, darunter 
Aufwinde von 3 m/sek , teilweise bis über S m/sek., 
angetroffen. werden, obne daß jedoch eine bhe- 
merkenswerte Böigkeit ausgebildet ist. Im Gegen- 
astz hierzw ist in den Luftschichten der unteren 
1000 m N.N. meist eine sehr böige Turbulenz 
vorhanden, deren Aufbau Außerst kompliziert zu 
zein scheint und stark von der OÖrographie der 
einzelnen Gebiete abbäugig ist, Die Aufwind- 
gebiete der hohen Hinderniswolke werden räumlich 
von entsprechenden Abwindgebieten abgelöst. Die 
Ausbildung dieser Auf- bzw. Abwindgebiete voll- 
zieht sich teils. im stehenden, aber meist in fort- 
zschreitenden Wellen. Es wäre interessant, zu er- 
fahren, wie weit sie sich mit zunehmender Ent- 
kernung vom Gebirge — also in Richtung Oder — 
in den verschiedenen Höhen verfolgen lassen. Die 
Ausbildung der hohen Hinderniswolken ist vor 
allem abhängig von der Höhenströmung: am 
zünatigsten iet hierfür eine gleichmäßige, slarke 
and feuchtlabil geschichtete, die möglichst senk- 
recht zum Gebirgskamm weht, Zwei Beispiele ron 
typischen Föhnwetterlagen erläutern diese Regel. 
Dabei wird auch aufg-zeigt, daß im wesentlichen 
auch der Temperaturaufstieg. von Breslau ebenso
	        
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