accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 68 (1940)

298 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1940. 
SE-Wind; etwas schwül, von Zeit zu Zeit geringe Regenfälle, 20h: 23°; weiterhin 
bedeckt und wenig Regen bei SE-Wind, 
25, 9. 6b; 19°; fast wolkenloser Himmel, schwacher SE-Wind. Um 7h be- 
ginnt die Sonne zu scheinen, 14h: 36°; S-Wind; dunstig. 18: sehr leichter 
Wind; der W-Himmel ist bedeckt, 19h: 26%; windstill, sternklar. 
26, 9, 6h; 20°; leichter S-Wind, geringe Ast-Bedeckung. 84h: starker Wind 
aus S. 14b: 34°; starker S-Wind führt Sand und Staub mit sich, 20h; 28°, 
Abends in Gheria ese Scerghia, 
Das Wetter bleibt in der nächsten Zeit weiter unbeständig. Immer wieder 
stellen sich recht heiße Tage ein, an denen sich in der Umgebung Gewitter ent- 
wickeln. Jedoch steigen die Temperaturen nicht mehr so hoch an, die Tage 
sind daher auch nicht so unangenehm und schlecht zu ertragen. 
Langsam entwickelt sich Anfang Oktober stetiges und schönes Herbst- 
wetter. Die Höchsttemperaturen bleiben jetzt schon häufig unter 30°, auch die 
morgendlichen Temperaturen liegen tiefer, z. B, am 17, 10, 6b: 81°, 1311: 28° 
bei leichten frischen Nordwinden mit Schönwetterwolken. Nach Mittag verdunkelt 
sich der Himmel im Norden, und um 16% kommt von dorther langsam ein grauer 
Nebel, der die Berge im Westen allmählich verhüllt. Es macht zunächst den 
Eindruck, als ob Regen in der Ferne niedergegangen wäre und nun die letzten 
Ausläufer sich als Nebel verteilten. Langsam verschwinden die Palmen der 
etwa 10km entfernten Oase Ueddan, dann wird es nach etwa einer Viertel- 
stunde auch am Beobachtungsort so unsichtig, daß man knapp 2 km weit sehen 
kann. Der Nebel ist nicht feucht, Die Sonne, die vor dem Erreichen der 
Nebelwand klar zu sehen war, Steht als gelbe Scheibe am Himmel. Nach Sonnen- 
untergang (182) klart es wieder auf, Obgleich der Wind beim Durchgang des 
Nebels nicht stärker wehte als vorher und am Boden sich nur schwaches Sand- 
treiben beobachten ließ, mag es sich bei dem trockenen Nebel um feinsten 
Staub gehandelt haben. 
Am 20. 10., genau einen Monat nach einem der unangenehmen heißen Tage, 
erreicht das Thermometer auf dem Wege zwischen Hon und Zella morgens nur 
noch 2°, Über Tag bleibt es so kühl, daß uns friert, und wir die Sonne aufsuchen, 
Nach diesen kühlen Tagen kommen wieder wärmere, die abermals geringe Regen- 
schauer bringen, z. B. am 25. 10. in 350 km Entfernung von der Küste in der 
Harudsch. Im ganzen aber bleiben, der Jahreszeit entsprechend, die Tempe- 
raturen niedriger bei meist schönem Wetter. 
Sonnenuntergang am 14.11.1937 in der Umgegend von Murzuk (395 m 
Meereshöhe, etwa 700 km Küstenentfernung). 
Den ganzen Tag über herrscht klares Wetter. Die kühlen, erfrischenden 
Morgentemperaturen (6h: 3°) weichen mit höher steigender Sonne bald einer 
durch einen leichten Wind aus E noch gemilderten angenehmen Wärme (14b: 
25°). Wir reiten den ganzen Nachmittag nach W und sehen gegen Abend die 
Senne am wolkenlosen Horizont schnell untertauchen. Die eben noch warmen 
Farben der Wüste werden kalt und tot. Nur ein schmaler, sich rasch ver- 
kleinernder Streifen des Horizonts bleibt rot. Er verblaßt und macht einem 
hellen Olivgrün Platz, das ebenfalls schnell an Leuchtkraft verliert. Also nichts 
von einem der farbenprächtigen Wüstensonnenuntergänge! Ein Blick rückwärts, 
nach E, läßt mich fast erschrecken. Schwarzblau dräut dort der Himmel! Ein 
breiter grünweißer Streifen umsäumt mit scharfem Rande eine schwarzblaue 
Kalotte —, es sieht fast aus, als ob ein schweres Gewitter heranrücke. Der 
grünweiße Streifen geht nach W in den noch vom Tageslicht beleuchteten Himmel 
über. Je weiter er aber mit dem schwindenden Tage in den Zenit hinaufrückt, 
um so mehr verblaßt er, und auch die blauschwarze Kalotte büßt ihre dunkle 
Farbe und ihr drohendes Aussehen ein. Als sie den Zenit erreicht hat, funkeln 
aus ihr die ersten Sterne, und das letzte Zwielicht des Tages weicht nun schnell 
dem Dämmer der klaren Sternennacht, Später schiebt sich noch der Mond als 
gewaltige Scheibe über den Horizont und übergießt die Wüstenberge mit einem 
fahlen Licht. Prof. Dr. H. Kanter.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.